starke Pace angeschlagen, so daß wir immer auf dampfenden
Rossen eintrafen. Um 6 Uhr wurde diniert, immer vier
Gänge mit Sekt, Tischwein und Portwein. Die Söhne und
ich hatten das Recht, uns besondere Cieblingsweine nach
eigener Wahl aus dem Keller kommen zu lassen. Der Fürst
trank gewöhnlich nur Bier aus einem silbernen Humpen. Er
liebte eine kräftige Hausmannskost, und es war ein Dergnügen,
ihn vor einer Schüssel mit Gänseklein zu beobachten.
Don den Krebsen meinte er einmal, sie hätten die sonderbare
Eigenschaft, daß sie immer kleiner würden, je häufiger die
Schüssel herumgehe. Das rasch servierte Diner dauerte höchstens
eine Stunde. Dann begaben wir uns in den großen
Salon. Der Sürst zündete sich eine Pfeife an, setzte sich an
den Kamin, in den er von Seit zu Seit ein holzscheit warf,
und nun begann die interessanteste Stunde des Tags .. . Am
Darziner Ramin enthüllte er seine geheimsten Gedanken, hier
fühlte er sich von jeder Rücksicht frei und empfand das Bedürfnis,
sich auszusprechen. Unerschöpflich war er in Mitteilungen
aus seiner parlamentarischen und amtlichen Dergangenheit
.. Um o Uhr zog sich der Fürst in sein Arbeits-Zzimmer
zurück, und nun begann für mich die Seit der Arbeit.
Die beim Frühstück vorgetragenen Sachen mußten bis Mitternacht
erledigt werden .. . Etwas nach Mitternacht war Dostschluß.
Die Diener erschienen, um die Briefe und sonstigen
Dostsachen zu kuvertieren und zu siegeln. Um halb 1 Uhr
war die Tagesarbeit getan. Es folgte die Teestunde im
Simmer der Fürstin, die sich gewöhnlich noch auf Stunden
ausdehnte.
Es ließ sich nichts Behaglicheres denken, als das Leben
in Darzin und Friedrichsruh. Klles gestaltete sich hier zwanglos
und anmutend, und in den wohnlichen Räumen herrschte
eine Gastfreiheit, wie sie nur auf ländlichen Herrensitzen geübt
werden kann. Hier draußen wollte der Fürst nichts
anderes sein als ein einfacher Landedelmann, dem es eine
Freude ist, seinen Gästen das Leben angenehm zu machen.
Und dennoch verleugnete er nie den grand seigneur. Sein
Benehmen war stets das gleiche, einerlei, wer ihm gegen-315