Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

60.  Jahrgan

Rosenheimer  Anzeiger

Ar.  182

 

Der  „Roseuheimer  Anzeiger  mit  dem  und
-Roseuheimer  Sonniagsblatk  erscheim  ⁊*

täglich  nachmittags  4  Uhr  (m
und  Feiertage).  —  Der  Abonnementspreis  beträgt  viertelsährlich  1  Mark  80  Psg.  monatlich
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Enna
uen
Die  heutige  ammer  umfasit  6  Seiter.

leues  vom  Tage
8.  Juni.

Die  Kammer  der  Reichsräte  will  die  durch  das
Scheitern  der  Arbeitslosenversicherung  frei  gewordenen
  75000  Mk.  für  Jugendfürsorge  in
den  Etat  einstellen.

Die  Begrüßungsfeierlichkeiten  für  Kardinal-Erzbischof
  Dr.  v.  Bettinger  nahmen  überall  einen
glänzenden  Verlauf.  In  München  fanden  besondere
  Veranstaltungen  statt.

Das  Braunschweigische  Herzogspaar  ist  om
Sonntagabend  mit  dem  kleinen  Erbprinzen
von  München  nach  Gmunden  abgereist.
Frankreich  durchlebt  neuerdings  eine  innere  Krise.
  Viviani  und  andere  politische  Größen  haben
  die  Bildung  des  Kabinetts  abgelehnt.
Dadurch  hat  die  Lage  eine  ernste  Verschärfung
erfahren.  Die  Krise  wird  von  der  Frage  des
Dreijahresgesetzes  beherrscht.

n  Albanien  gab  es  einen  neuen  Zwischenfall.

ie  Gendarmerie  verhaftete  in  Duraz##  einen
italienischen  Obersten  und  einen  Professorunter
  dem  Verdachte  der  Spionage.  Sie  wurden
  später  wieder  freigelassen  und  die  Regierung
  richtete  dann  bedauernde  Entschuldigungen
  an  Italien.  Die  Gendarmerie  hat  in
Albanien  keine  glückliche  Hand.  Ueber  die  derzeitige
  Lage  liegen  neuere  Meldungen  nicht
vor.

Kammer  der  Abgeordneken.
München,  7.  Juni.

TDen  ersten  Gegeastand  der  Samstags-Sitzung
biloete  der  Gesetzentwurf  betreffend  die  Erhebung
  eines  5prozentigen  Zuschlages  zur  Reichserbschaftesteuer,
  tückwirkend  vom  1.  Januar914
Mit  dem  Gesetzentwurf  wird  eine  Einnahme  von
1°00000  Mark  erhofft.

Der  Finanzausschuß  hat  dem  Gesetz  einen
Absatz  eingefügt,  nach  welchem  auf  kirchliche,
mildtätige  und  gemeinnützige  Stiftungen  der  Zuschlag
  nicht  erhoben  werden  soll.  Ein  Antrag
der  Sozialdemokraten  will  diese  Vergünstigung
wieder  beseitigen.  Finanzminister  von  Breunia
betonte,  daß  für  die  Stiftungen  schon  an  und

 

 

 

ksbe  reich  au  e  achtseitigen
k  Ausnahme  der  Senn- 



 

Dienttag,  8.  Iuui  1914

 

Das  Abonnement  wird  für

liche  Postboten  dle  woea  für  de

Rosenheim  in  der  M.  Niedermoy#schen  Buchdruckeret  sowie  mn
den  sechs  Fillal-  .  der  Stadt  entgegengenommen:;  außerdem  nehmen  die  in  cu.  40
größeren  Ortschaften  Erclungetung,  Schter  ernn  somie  alle  Postanstalten  und  s##mtbreite

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39  Pfennig;  bei  Wlederholungen  oder  Zellenabschlüssen  Rabatt  nach  aufliegendem  Tar#f.

„Rosenheimer  Anzeiger“  an.  —  Die  einspaltige  50  mm

 

 

Rosenheimer  Tagblakt

Amiliches  Publikakions-Organ

fHaalenstein  à  Bogler  A-G.  Nosen

für  sich  Milderungen  gegeben  seien.  Der  Ausschußbbeschluß
  würde  jetzt  schon  einen  Ausfall
von  annähernd  90  000  Mk.  verursachen.

Nach  längerer  zum  Teil  lebhafter  Debatte
wurde  der  Gesetzentwurf  mit  dem  Zusatz  des
Ausschusses  in  erster  undschließlich  in  namenklicher
Abstimmung  auch  in  zweiter  Lesung  einstimmig
  angenommen.  Der  sozialdemokratische  Antrag
  wurde  also  abgelehnt.

Dann  beschäftigte  sich  das  Haus  mit  einem
Antrag  Loibl  (Ztr.),  der  die  Aufwandsentschädigungen
  an  Familien  für  im  Reichsheer  eingestellte
  Söhne  auch  an  Geschwister  von  Soldaten
  gewährt  wissen  will.  wenn  Eltern  und
Großektern  nicht  mehr  am  Leben  sind.  Dazu  haben
  die  Sozialdemokraten  einen  weiteren  Antrag
  gestellt,  nach  welchem  bei  der  Gewährung
von  Aufwandsentschädigung  auch  ledige  Söhne
bezw.  Mütter  lediger  Söhne  berücksichtigtwerden.

Im  Laufe  der  Debatte  erklärte  der  Regierungsvertreter,
  daß  die  Regierung  dem  Antrag
des  Zentrums  nicht  unsympathisch  gegenüberstehe
  idaogegen.  erscheine  es  zweifelhaft,  ob  Bundesrat
  und  Reichsrat  einer  Ausdehnung  der  Bestimmungen
  auf  außereheliche  zustimme.  Der
Antrag  Loibl  wurde  darauf  angenommen,  der
sozialdemolratische  Antrag  abgelehnt.

Aus  dem  aulluselal.
München.  7.  Juni.

Der  Finanzausschuß  der  Kammer  der  Reichsräle
  beschäftigte  sich  in  seiner  gestrigen  Sitzung
mit  dem  Kultusetat.  Entsprechend  den  Beschlüssen
  der  Kammer  der  Abgeordnelen  wurde  der
Etat  der  Ausgaben  auf  Erziehung  und  Bildung
  genehmigt,  ferner  der  Etat  für  kirchliche
Zwecke  und  gemeinsame  Ausgaben.  In  Verbindung
  hiermit  wurde  ebensalls  entsprechend
den  Beschlüssen  der  Kammer  der  Abgeordneten
der  Nachtrag  zum  Budgetentwurf  für  1914  und
1915  beltr.  Erwerbung  der  Neuen  Pinalethek
angenommen.  Dezgleichen  der  Entwurf  eines
Gesetzes,  der  sich  mit  der  Aenderung  der  Verfassung
  der  Konsistorien  Ansbach  und  Bayreuth
befabt.  Weiter  wurde  der  Antrag  der  Staatsregierung
  betreffend  Kreiskonsistorien  sowohl  wie
die  Gesuche  um  Gewährung  freiwilliger  Staatsbeiträge
  für  Kultusbauten  genehmigt.  Ferner
hat  der  Ausschuß  neu  in  den  Etat  einen  Betrag

 

herrscher  Geifl.

12V)  Roman  von  W.  Magnay.

r  Herr  Doktor  wünscht  den  Herrschaften

seine  hercherre  zu  machen!“

„Doktor  Breuning!“  sagte  Ihre  Durchlaucht,

  und  sie  bediente  sich  für  die  folgenden
Worte  der  französischen  Sprache.  as,  i

aller  #2  mag  ihn  gerade  ienn.  berführen?“
w  es  nichts«  gab  ürst  wahr-.
heiis  Dhan  itwort.  „Vber  meinst  du

nicht,  doß  wir  1  scdensall  empfangen  müssen?“
„  iß!  doch  vielleicht  wenigstens
  von  ihm  hören  können,  —8  eigentlich
in  der  *  I  gesprochen  wird
en  Sie  den  Herrn  herauf!  —  Oder
nein  —  1  Sie  —  ich  werde  hinuntergehen.“
„Der  Herr  Doktor  ist  im  Empfangssalon.“
fza#e  Diener  entfernte  sich,  und  mit  einer
Bestinemthekn,  die  jeden  Widerspruch  ven  vornherein
  auaschlo,  sagte  Ihre  Dur  t:

e  mit  dir  Anbgenem  —  Es
ist  jeichee  #  wenn  ich  bei  dieser  Unterredung
  zugegen  bin

„#ng  es  dich  nicht  zu  sehr  anstrengt,  ich
wäre  dir  zu  Dank  verpflichte

Doktor  Breuning,  der  bis  #  ihrem  Lommen
am  Fenster  gestanden  hatte,  ging  ihnen
ein  paar  Schritte  entgegen.  Ein  artiges  Fächeln
lag  auf  seinem  klugen,  von  langem,  blonden
Vollbart  umrahmten  Gesicht.  Mit  einer  tiefen,
ehrfurchtsvollen  Verneigu  agng  begrüßte  er  die
Fürstin;  Egbert  aber  drückte  er  herzhaft  die

Hand.
„Ich  wollte  nicht  versehlen,  mich  nach  dem
Erfoige  hrer  Reise  zuerkundigen,  Durchlaucht!

 

Aber  es  bedars  einer  soschen  Ertunöigung  üucht
mehr.  Man  lteh  es  Eurer  Durchlaucht  ja  vom
Gesicht  ab,  daß  die  Quellen  von  Steinbach  ihre
alle  %  noch  nicht  eingebüßt  haben.“

Die  Fürstin  erwiderte  mit  einigen  artigen
Worten.  Man  begann,  von  allerlei  gleichgül.
tigen  Dingen  zu  sprechen;  aber  es  war  offenbar
keinem  der  drei  wohl  dabei.  Und  die  Fürsun
atmete  beinahe  erleichtert  auf,  als  der  Besucher
plötzlich  im  Tone  eines  Augenblickseinfalls
uoriel,

ber  sage  mal,  Egbert,  was  erzählt  man
sich  da  für  eine  seltsame  Geschichte  —  von  cinem
Haarpfeil  oder  etwas  Aehnlichem,  der  sich  in
deiner  Villa  in  Grunewald  gefunden  haben
soll!  Ich  bin  aus  der  Geschichte  nicht  klug  geworden.“


„Allerdings,  ein  Diener  sand  cinen  zerbrochenen
  Haarpfeil.  Und  in  der  unerklärlichen
Meinung,  damit  einen  Racheakt  an  uns  zu  begehen,
  verkaufte  er  ihn  dem  Grafen  Daun-  “

„Ganz  recht,  so  erzählte  man.  Aber
ich  nur  begreisen  könnte,  was  der  Man  *
enich  dabei  dachte.  Es  muß  doch  mit  diesem
Haarp  Sil  d  Bewandinis  haben.“

wüßte  !“  Der  Fürst  warf

einen  Wsh  Der  auf  seine  Gemahlin.

Daß  ich  nicht  wüßte,  lieber  Kurt!  Eine  unserer

Tsucherinnen  muß  ihn  dort  verloren  haben,

das  i#st  alles.  Und  die  Eigentümerin  wird  sich
unzweifelhaft  finden.,,

„Merkwürdig!  Man  sollte  dlesen  Diener

doch  wegen  Unterschlagung  arseieenma  Mir  ist
die  Frechhelt  des  Burschen  unerfin  Aber
du  den  erpiell  hereich.  -  Egbert?

*1  habe  elne  Passion,  den  Schmuck  der  Damen
u  studileren.  Und  ich  kann  n.  4  erb  er·
nnern,  wer  ihn  getragen  hat.“

Armnoncen  ·  Erpeditlon  S2  München,  Nür##  Ber##,  Bern,  Chemntd,  Dre#den.  Erfurt,  Frankfur#t  a.
nleraten·  Annahme  1  Uhr  mitiaqs.  Nach  dlesem  deltpunti  E  fü#  Aufnahme  in  die  laufende  Tagesnummer  W  S  haramtert  werden.  Für  chlechtgeschriebene  Mamusteipt  wird  keine  KHerartworamg  #b

von  75.000  Mk.  für  Jugendfürsorge  eingesetzt,
geleitet  von  dem  Gedanken,  den  von  der  Regierung
  ursprünglich  zur  Unterstützung  der  gemeindlichen
  Arbcitelosenversicherung  vorgesehenen,  nun
aber  entfallenden  gleichen  Betrag  anderweitig
in  nutzbringender  Weise  zu  verwenden.

Bolilische  Rundschan.

Barern
Plenarsitzungen  der  Reichsratskammer.


 

Die  nächsten  Plenarsitzungen  der  Kammer  der
Reichsräte  sind  auf  Freitag  den  12.  und  Samstag
  den  13.  Juni  festgesetzt  worden.  Tie  Freitagssitzung
  wird  sich  in  der  Hauptsache  mit  demEisenbahnetat,
  der  Würmseeschiffahrt,  dem  Ludwig-Donau-Main-Kanal
  usw.  befassen.  Der  wichtigste
  Punkt  der  Freitagssitzung  wird  die  Beratung
  des  Polizeistrafgesetzbuches  sein.  Die
Samstags-Plenarsigung  wird  neben  Positionen
der  Staatsbauverwaltung  vor  allem  die  Beratung
  und  Beschlußfassung  der  Regierungsvorlage,
  betrefsend  Ausbau  des  Walchensfeekraftwerkes
  bringen.  Da  der  Ausschuß  der  Kammer
der  Reichsräte  der  Regierungsvorlage  mit  Majorität
  zugestimmt  hat,  ist  eine  etwaige  Ueberraschung
  im  Plenum  so  gut  wie  ausgeschlossen.

Deutschland.
Das  pfändbare  Einkommen.

Im  Reichssustizamt  finden  demnächst  Besprechungen
  zischen  den  zuständigen  Reichsressorts
über  die  Frage  einer  Heraufsetzung  der  pfändungsfreien
  Einkommengrenze  über  1500  Mark
hinaus  statt.  Im  Reichstag  sind  wiederholt  in
den  letzten  Jahren  dahingehende  Wünsche  geäußerl
  worden,  deren  Erwägung  vom  Staatssekretär
  Lieko  zugesagt  wurde.

Zum  Kapitel  vom  „Sißenbleiben“

Der  sozialoemokratische  Abgeordnete  Gradnauer
  bestätigt  in  der  „Dresdner  Volkszeitung“.
oaß  der  Beschluß  der  sözioldemokralischen  Reichstagsfrattion,
  beim  Kaiserhoch  sitzen  zu  bleiben,
nur  mit  ganz  winziger  Mehrheit  gefaßt  worden
sei,  die  durch  spätere  Erklärungen  abwesender
Mitglieder  zur  Minderheit  geworden  wärs.  Ge-Lgenüber
  dem  Versuch  des  „Vorwärts“,  die  Haltung
  der  Fraltion  zu  rechtfertigen,  schreibt  die
sozialdemolratische  „Chemnitzer  Volksstimme““:

.  enn  du  dich  ren  miendn  gedulden
willst  —

In  wenigen  Minuten  brachte  er  den  Schmuck
zur  Sielle,  einen  Haarpfeil  in  Form  eines
Schwertes,  dessen  silberne  Klinge  dicht  unter
dem  Griff  abgebrochen  und  dessen  Griff  mit
wertvollen  Stieinen  besetzt  war.  Doktor  Breuning
  musterte  ihn  aufmerlsam,  und  ein  eigentümliches
  Feuer  glomm  in  seinen  Augen  auf.
Aber  nach  einer  Minute  etwa  gab  er  ihn  dem
Fürsten  mit  leisem  Kopfschütteln  zurück.

„Ich  kann  mich  nicht  erinnern,  einen  derartigen
  Schmuck  schon  einmal  gesehen  zu  haben!

ebrigens,  wenn  ich  dir  einen  freundschaftlichen
Rat  geben  darf,  Egbert,  du  haft  die  Einladung
der  Lady  Rotherfield  abgelehnt,  und  du  hattest
vermutlich  die  Absicht,  den  in  nächster  Zeit  geebenen
  Gesellschaften  ebenfalls  ferszubeeibsge.
ch  möchte  dich  bitten,  das  nicht  zu  tun!  Es
Lehen  allerlei  törichte  Gerede  durch  die  Salons,
d  sie  würden  nur  neue  Nahrung  erhalten,
kuinltese  du  dich  gerade  iett  vom  geselligen  Verkehr
  zurückziehen.  Aber  die  Herrschaften  verzeiben,
  ich  habe  eine  dringende  Sesprechung
umd  ich  habe  schon  zu  lange  gestort.  Darf  ich
sagen:  auf  Wiedersehen?  Treffen  wir  unc2
auf  dem  Ballfest  des  Grasen  Linden?“

Seine  Durchlaucht  warf  einen  zögernden
Blick  auf  die  Gemahlin,  und  die  Fürstin  nickte
*  ?  mit  dem  Kopf.

wiß,  lieber  Kurt!  Meine  angegriffene
gdber  gestattet  mir  nicht,  schon  das  est

z  Lady  Rotherfield  zu  besuchen.  Bis  zum
Vu  beim  Grafen  Linden  aber  hoffe  ich  wiederhergestellt
  zu  sein.

Noch  einmal  —  auf  Wiederseden  also!“

Er  verabschiedete  sich  herzlich,  und  das

 

liebenswürdlac  Lächeln  blieb  huf  seinem  Ge- 



 

——————  Annabruck  —  Mln  c.

„Würden  die  Reaktionären  heulen,  wäre  es  uns
gerade  recht.  Statt  dessen  jubeln  die  Reaktionärc,
  weil  Wasser  auf  die  Mühle  ihrer  Ausnahmegesetzpolitik
  geleitet  worden  ist,  und  es
trauern  nur  jene  bürgerlichen  Politiker,  die  mit
uns  ein  Stück  Weges  zur  Demokratie  und  Frieden
  gehen  möchten.  Was  das  Proletariat  dabei
gewinnen  soll,  wenn  man  es  isoliert,  und  damit
jeden  praltischen  Fortschritt  der  Demokratie  und
der  Sozialdemokratie  auf  absehbare  Zeit  unmöglich
  macht,  vermögen  wir  nicht  einzusehen.

Das  Herzogspuar  von  Braunschweig

in  München.
München.  7.  Juni.

Am  Samstagmittag  fand  beim  König  und
der  Königin  in  den  Reichen  Zimmern  der  Residenz
  Familientasel  siatt,  zu  welcher  mit  dem
Herzogspaar  von  Braunschweig  sämtliche  Mitglieder
  des  Königshauses,  die  Prinzesiin  von
Hohenzollern  und  Prinz  Ernst  von  Sachsen-  „Meiningen
  geladen  waren.  Gleichzeitig  fand  in  den
Trierzimmern  für  das  Gefolge  und  den  Ehrendienst
  Marschalltafel  statt.

Nach  dem  Diner  fuhren  der  Herzog  und  die
Herzogin  nach  dem  Wittelsbacher  Palais  und
statteten  dort  dem  König  und  der  Königin,  den
Prinzessinnen-Töchtern,  der  Prinressin  Arnulf  und
dem  Prinzen  Heinrich  Besuche  ab.  Nachmittags
statteten  die  braunschweigischen  Herrschoften  mit
dem  König  und  der  Prinzessin  Franz  dem  Künßtler-Sommerfest
  im  Numphenburger  Park  einen
Besuch  ab.  Um  6  Uhr  fand  bei  der  Prinzessin
Arnulf  und  Prinz  Heinrich  ein  Diner  statt.
Später  folgte  die  Festvorstellung  im  Residen#-theater.


Nachdem  Herzog  Erun  August  von  Braunschweig
  am  Sonntagvormitlag  verichiedene  Besuche
  abgestattet  hatie,  an  denen  teilweise  auch
oie  Herzogin  teilnahm,  besuchte  der  Gast#  unseres
  Königs  das  Münchener  Rathaue,  wo  der
übliche  Empfang  mit  lleberreichung  des  Ehrentrunkes
  siatisand.  Mittags  1  Uhr  nahmen  der
Herszog  und  die  Herzogin  mit  Gefolge  und  Ehrendienn
  das  Frühstük  beim  Ofsfizierkorps  des
.  Schweren-  Reiter-Regiments  ein.  Am  Nachnuihes
  solgten  die  braunschweigischen  Herrschaf.
ten  einer  Einladung  des  Prinzen  und  der  Prin- 



sicht,  auch  als  er  bereits  im  Fond  semer  eleganten
  Cquinage  jaß.  Nachläisig  zundete  er
sich  eine  Zigareite  an;  und  nachdem  er  ein
paar  jeine  Wollalnn  des  hellblauen  Rauches  von
sich  geblasen  lauc.  murmelte  er  vor  sich  hin:

„Ich  denle.  meine  licbe  Sabinc,  jeht  wirst
du  mit  dir  reden  lasson.““
6.  Kapitel.
In  dem  lleinen,  mit  verschwenderischer

lieppigkeit  ausgenaneten  Boudoir  Sabines
saßen  die  beiden  Schweitern  einander  gegenüber.
  Herta  blauerte  in  den  neuesten  Journalen:
  Sabine  aber  blickte  nun  schon  eine  geraume
  Weile  gedankenverloren  in  den  Park
hinaus,  dessen  Laubmassen  der  Herbit  in  bunter
Farbenpracht  leuchten  machte.  Sie  war  so
völlig  in  ihre  Träumerei  verinnken.  daß  sie
es  nicht  gewahr  wurde.  wie  der  Diener  leite
eintrat,  und  daß  sie  erichrocken  zusammenzuckte.
als  Herta  sag:te:

„Ein  Brief  für  dich,  Sabine!  Wahrichein:
lich  von  der  Schneiderin.  Sie  wollte  dich  ja
benochrichnigen.  wann  du  zur  Anprode  kommen
olltest

Nachlässig  griff  Sabine  nach  dem  Schreiben,
und  sie  beeilte  sich  nicht,  den  Umschlag  zu  erbrechen.
  Aber  ihre  Augen  öffneten  sich  weit,
während  sie  die  wenigen  Zeilen  überflog,  die
er  enthielt  —  in  raschem  Wechsel  kam  und

die  Farbe  aus  ihrem  Annuiß,  und  wie
in  unwillkürlicher  Erregung  ballte  sich  beim
Lesen  ihre  zierliche  Rechte  zur  Faust.  Aber  sie
beherrschte  sich  sogleich,  da  sie  den  fragenden
Blick  der  Schwester  gewahrte,  und  schob  das
Billelt  hastig  in  den  Aueschnitt  ihrer  Bluse.
—

Gortsetzung  solgt.)