10. und 11. August 1914, 395
waldes die großen modernen Befestigungen, deren Zentralpunkt der Isteiner Klog
bildet. Die Garnison von Mülhausen soll nördlich abgezogen sein. Dort liegt
jenseits des Hardtwaldes Kolmar, das von Gerardmer her, wie man sich erinnert,
durch die ins dortige Münstertal vordringenden Franzosen bedroht erschien.
Ostlich von Kolmar am Rhein liegt aber die Feste Neubreisach und auf badischem
Ufer das befestigte Lager Altbreisach. Hier und in dem nahen Freiburg stehen
storke Truppen.
Man kann sich daher des Gedankens nicht erwehren, daß den Franzosen der
Einbruch nach Mülhausen mit Absicht leicht gemache worden ist. In Paris wird
der Einzug in Mülhausen indes wohl seinen moralischen Effekt getan haben. Ob
sich ibm ein militärischer von Bedeukung für den Verlauf des Feldzuges anschließt,
müssen die nächseen Tage zeigen.
11. August 1914. Nr. 372 (Morgenblatt).
Die Nachrichten, die von Daris und aus dem Elsaß einlaufen, bestätigen
unsere Auffassung, daß der Einmarsch der Franzosen ins Oberelsaß, wenn nicht
direkt auf einen moralischen Effekt berechnet, diesen jedenfalls in ungeahntem
Maße in Paris hervorgebracht hat. Das geht aus den Kundgebungen des Gene.
ralissimus Joffre an die Elsässer und aus dem Dank der französischen Regierung
an den General hervor. Wir fürchten, daß die militärischen Rücksichten
dabei sehr hintangesetzt worden sind. Da die Werluste der Franzosen im Gefecht
bei Altlirch 100 Mann nicht übersteigen sollen, so läße sich auch daraus auf die
geringe Bedeutung dieses Treffens schließen.
Die Franzosen halten also jetzt das von den deutschen Garnisonen offenbar
ganz geräumte Oberelsaß von Mülhausen bis Ensisheim, eiwa 20 Kilometer
nördlich, beseyzt. Dagegen scheinen an der Schweizer Grenze bei WBasel vor St. Lud.
wig und Hüningen, dem Brückenlopf gegenüber den Befestigungen von Istein—
Tüllingen, noch keine französischen Truppen aufgetaucht zu sein.
Wie Milhausen, so ist auch Kolmar von den Deutschen geräumt. Es ist
daber jett auch der französische Vormarsch vom Schluchtpaß durch das Münster.
tal auf Kolmar zu erwarten. Auch der nächstnördliche Vogesenübergang, der
slogenannte „Bonhomme“, der ins Kaiserbergertal hinunterführt, wird als von
den Franzosen besetzt gemeldet
11. August 1914. Nr. 373 (Abendblatt).
Schneller als man vielleiche annehmen konnte, ist der französische Vorstoß
im Sundgau zum Stehen gebracht worden. Wie von verschiedenen Seiten ein.
gelaufene Berichte übereinstimmend melden, seien die Franzosen in einem Treffen
südlich von Mülhausen geschlagen und zum Qückzug genötigt worden.
Die Bedeutung dieser Kriegshandlung läßt sich aber noch in keiner Weeise
abschägen. Solange wir nicht wissen, wie stark die beidseicig beteiligten Kräfte
waren und ob der Rückzug auf den für diesen Fall vorgesehenen Linien erfolgen
konnte, oder ob die französischen Truppen von diesen abgebrängt und aufgelöst
wurden, läßt sich ein Kommentar zu diesem Gefecht nicht geben
Lberraschend komme die Affäre nicht, man hat vorausgesehen, daß es so
kommen würde, und sich über das flotte, aber im militärischen Endzweck unklare