Einleitung. 11
dem kräftigen Leben dieser kleinen Welt in Beziehung stehen, bei uns
besondere Sympathien finden.
Auch die Konferenz der Zentralstelle für Volkswohlfahrt will versuchen,
in das Gewirr der Vorschläge und Meinungsäußerungen eine
gewisse Ordnung zu bringen. Sie will das Gemeinsame zusammenfassen
und dazu beitragen, daß das Unvereinbare in seinem Wesen
erkannt wird. Deshalb beherrschen die zwei Prinzipien Zwang und
Freiwilligkeit, denen als dritte Erziehungsmacht die Selbstbestimmung
hinzugefügt wird, das Programm. Denn auf die Frage nach
den Anteilen, die ihnen in der Erziehung der Heranwachsenden zuzuweisen
sind, spitzt sich die Erörterung über diese Dinge mehr und
mehr zu. Sie erhebt sich bei diesen Punkten über die Teilfragen,
* denen sie ausging, sie sucht die Gesamtheit der Probleme zu umpannen.
Die Frage des sogenannten Jugendschutzes, deren Lösung den
Unterbau für das Ganze zu geben hätte, ist in die anschließende
„Siebente Jugendpflegekonferenz“ verwiesen. 1) Die Hauptkonferenz
beginnt mit einer grundsätzlichen pädagogischen Erörterung über
Zwang, Freiwilligkeit und Selbstbestimmung als Erziehungsmächte.
Sie wird weiter zu untersuchen haben, wieviel von sittlicher Einwirkung,
körperlicher Ausbildung und hausmütterlicher Schulung in
pflichtmäßigen Formen gewährt werden muß, damit alle Heranwachsenden
eine gewisse Erziehung genießen, was nach praktischen
pädagogischen Erfahrungen in solchen Formen geleistet werden kann
und wie diese Formen beschaffen sein müßten, um wirksam zu sein.
Es ist weiter zu erörtern, welche Aufgaben alsdann den freien Vereinen
dauernd verbleiben, welche ihnen verbleiben müssen, weil sie
von obligatorischen Einrichtungen nicht gelöst werden können.
Schließlich wird festzustellen sein, in wie weit als letzter Stein die
Jugendbewegung und mit ihr das Selbstbestimmungsrecht der
Jugend sich dem Bau der künftigen Jugenderziehung einfügen
kann.)
1) Vgl. den Bericht über die Verhandlungen im „Ratgeber für Jugendvereinigungen“,
X. Jahrg. S. 189 ff., Berlin 1916, Carl Heymanns Verlag.
2) Die in dem Aufsatze behandelten Fragen sind ausführlicher in einer anderen
Arbeit der Verfasserin: „Fortschritte der deutschen Jugendpflege von 1913 bis
1916", Heft 5 der „Fortschritte des Kinderschutzes und der Jugendfürsorge“,
Berlin 1916, Verlag Julius Springer, erörtert worden. Diese Arbeit wurde
für den Aufsatz teilweise benutzt.