Full text : Gesetzsammlung für das Fürstentum Reuß älterer Linie. 1914. (63)

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Erziehung  am  franzdsischen  Hofe  eiferte  Maximilian.  Er  besorgte,
  den  jungen  Prinzen  moͤchten  dort  feindselige  Gesinnungen
gegen  ihn  beigebracht  werden.  Die  Reformation  machte  aber
in  dieser  Hoferziehung  bald  eine-große  Veränderung.  Die
protestantischen  Fuͤrsten  trauten  nun  nicht  mehr,  ihre  Soͤhne
an  den  katserlichen  Hof  zu  schicken,  wo  unter  Ferdinand  l.
die  Jesuiten  regierten,  Marimilian  II.,  umringt.  von  spanisch
gesinnten  Räthen,  auch  bei  besseren  Gestunungen  doch  nicht
Herr  genug  war,  und  unter  Rudolph  II.  nichts  Fürstenmäßiges
  gelernt  werden  konnte.  Man  schickte  deßwegen  den  Sohn
auf  die  Reise,  gab  ihm  einen  Proceptor  und  einen  Reisigen
mit,  *)  ein  paar  Empfehlungsschreiben  in  die  Tasche;  so  zog
er  nach  Frankreich  und  Italien,  wenn  es  hoch  kam,  ging
er  auch  über's  Meer  nach  England,  kam  endlich  wieder  nach
Hause  und  erzählte,  welche  Ehre  ihm  überall  widerfahren  sey.
Nichts  lustiger  als  die  Reisegeschichte  eines  solchen-deutschen
Fürsten!  Zuweilen  haben  sie  selbst  eine  solche  Beschreibung
versucht  und  darin  sorgfältig  angemerkt,  wie  hoch  sie  an  den
großen  Höfen  angesehen  gewesen  seyen;  einige  haben  es  auch
wohl  mit  der  Wahrheit  nicht  so  ganz  genau  genommen.
So  erzählte  unter  Anderem,  wie  er  wieder  zu  Hause  kam,
Herzog  Friedrich  von  Wirtemberg,  Elisabeth  in  England
habe  ihm  den  Hosenbandorden  versprochen.  Man  schickte
Gesandte  hin;  sie  erinnerte  sich  aber  keines  solchen  Versprechens,
  und  hatte  überhaupt  nur  eine  dunkle  Idee  von  dem
gereisten  Prinzen.  Von  Ferdinand  Albrecht  J.  von  Braun-*)

  „Nachdem  auch  unser  Sohn  groß  und  bengelhaft  geworden,“
schrieb  in  dieser  Periode  ein  Herzog  an  einen  Kurfürsten,  „so
finden  wir  nöthig,  ihn  in  die  Fremde  zu  schicken,  und  vornehmlich
  an  Ew.  Liebden  Hof,  damit  er  daselbst  Mores  lerne.
Wir  haben  ihn  also  mit  einem  reisigen  Knecht  wohl  versehen.“

Spittrer's  sämmtliche  Werre.  XI.  Bb.  4