Full text : Das Staatsrecht des Deutschen Reiches.

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die  Ziege  aber  war  verloren.  —  So  ereigneten  sich  in  damaliger
Zeit  unzählige  ähnliche  Unglücksfälle,  und  Niemand  durfte  unbewaffnet
  ausgehen.  Wie  ruhig  und  friedlich  leben  wir  dagegen  in  unsern
  Tagen!  «  «

II.  Februar.
Vater  August  ftirbt.

Der  11.  Februar  1586  war  ein  Tag  für  Sachsen,  an  welchem
es  einen  großen  Verlust  erlitt  und  in  namenlose  Trauer  verseßzt
ward,  Kurfürst  August,  den  sein  Volk  gern  und  mit  Recht.  „Vater
  August“  nannte,  starb  an  diesem  Tage.  O,  es  ist  schwer,  von
einem  so  großen  und  seltnen  Fürsten  wenig  zu  sagen!  Er  war
Sachsens  kluger  und  glücklicher  Vergrößerer,  nicht  durch  Krieg
und  Eroberung,  sondern  durch  Vertrag,  Erbschaft  oder  umsichtigen
Ankauf.  Den  ganzen  Neustädter  und  Voigtländer  Kreis  erwarb
  er  und  fügte  ihn  seinem  Lande  bei.  Die  schöne  Grafschaft
Manofeld,  einen  Theil  der  Hennebergischen  Länder  und  manches
  Andere  schlug  er  zu  Sachsenz  den  großen  Auerbacher  Wald,
von  dem  man  sagte,  daß  für  zwanzigtausend  Gulden  Stecknadeln  nicht
ausgereicht  haben  würden,  um  jeden  Baum  mit  einer  Nadel  zu  bestecken,
kaufte  er  nebst  vielen,  andern  Grundstücken  an  sich.  —  Er  war
Sachsens  trefflicher  Gesetzgeber.  Ein  neues  Gesetzbuch  und
viele  besondere  Mandate  über  Justiz=  und  Polizeipflege  stammen  von
ihm  und  wurden  zum  Theil  vom  Auslande  gern  zum.  Muster  genommen.
  —  Vor  Allem  war  er  Sachsens  bester  Landeshausvater
  und  Staatswirth.  Kein  Gegenstand,  der  nur  irgend  für
ein  Land,  und  Volé  von.  Wohlthätigkeit  sein  kann,  blieb  von  ihm
unberücksichtigt  und  unversorgt.  Er  war  überall  selbst,  salh  selbst
und  handelte  selbst.  Obstkerne  führte  er  bei  sich,  um  den  Obstbau
zu  fördern;  einen  Reisestock,  um  den  Boden  aufzureißen  und  zu  untersuchen;
  einen  Schrittmesser  an  seinem  Wagen,  um  die  Wegeslängen
  zu  bestimmen  und  selbst  Karten  zeichnen  zu  können.  In
Meißen  förderte  er  den  Weinbau,  in  Torgau  die  Bierbrauerei,  in
Annaburg  die  Weinzeistverfertigung,  in  den  Bergstädten  das  Bergwesen.
  Flachs  theilte  er  aus,  um  die-Spinnerei  immer  weiter  zu
verbreiten.  Wolle,  Flachs  und  Hanf  ließ  er  nicht  ausführen  und
trug  selbst  mit  seinem  Hofstaate  nur  inländische  Tuche.5  Handel
und  Gewerbe  suchte,  er  im  einsamsten  Winkel  des  Landes  zu  heben.
Unter  ihm  kam  Kobaltbau,  Marmorbrechen,  Spibenklöppeln  und
Perlenfischerei  in  Flor.  Münz=  und  Postwesen  wurde  verbessert.

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