Full text : Gesetzblatt für das Königreich Bayern. 1853-1855. (16)

Bayern  unter  Ludwig  I,  dem  Kelheimer.  105

zur  Räumung  der  Rheinpfalz  zu  zwingen,  bot  Ludwig  ungesäumt
ein  bayerisches  Heer  auf  und  rückte  vor  das  Schloß  Heidelberg.
In  dem  nahe  gelegenen  Kloster  Schönau,  wo  Ludwig  der
Kelheimer  sein  Hauptquartier  aufschlug,  kam  es  zwischen
diesem  und  des  geächteten  Pfalzgrafen  Heinrich  (zweiter)  Gemahlin
  Agnes,  einer  gebornen  Gräfin  von  Landsberg,  zu
Unterhandlungen,  welche  damit  endeten,  daß  des  Herzogs  Sohn
Otto  sich  mit  Agnes,  der  Tochter  des  Pfalzgrafen  Heinrich
des  Langen,  verlobte  (1214)  und  die  Uebergabe  der  Rheinpfalz
an  den  Herzog  Ludwig  verheißen  wurde  3).

Da  trat  unerwartet  ein  Ereigniß  ein,  welches  die  Besitznahme
  der  Rheinpfalz  von  Seite  des  Hauses  Wittelsbach  sehr  in
Frage  stellte.  Herzog  Lud  wig  zog  mit  Friedrich  II  gegen
den  Herzog  Heinrich  von  Brabant,  der  seine  Tochter  Maria
dem  verwittibten  Kaiser  Otto  IV  zur  Gemahlin  gegeben  und
zu  dessen  Gunsten  seine  ganze  Streitmacht  aufgeboten  hatte,
und  gerieth  bei  dieser  Gelegenheit  in  die  Hände  des  Grafen
Wallrad  (Wallerand)  von  Jülich,  der  für  des  Herzogs  Freigebung
  das  für  jene  Zeit  ungeheure  Lösegeld  von  20000  Mark
Silbers  (beiläufig  500000  fl.)  verlangte.  Nachdem  diese  Summe,
die  in  Bayern  mittels  einer  außerordentlichen  Steuer  aufgebracht
wurde,  erlegt  worden  war,  mußte  der  freigegebene  Herzog  die
Rheinpfalz  dem  geächteten  Pfalzgrafen  Heinrich  dem  Langen
räumen,  führte  aber  neben  dem  Titel  eines  Herzogs  von
Bayern  den  eines  Pfalzgrafen  bei  Rhein  fort.  Nach  Umlauf
  vieler  Jahre  kam  zwischen  Friedrich  II  und  dem  Pfalz-=grafen
  Heinrich  eine  Aussöhnung  zu  Stande,  und  Ludwig  erhielt
  durch  die  1225  zu  Straubing  erfolgte  Vermählung  seines
Sohnes  Otto  mit  der  Erbprinzessin  Agnes  die  Rheinpfalz  bei
seinem  Geschlechte.  Bei  der  Feier,  die  ob  der  Vereinigung  der
Rheinpfalz  mit  Bayern  veranstaltet  wurde,  bediente  sich  Otto
der  Erlauchte  des  Spruches:  „Bayern  und  Pfalz  —  Gott
erhalt's!“  Drei  Jahre  später  (1228)  trat  Ludwig  I  die
Rheinpfalz  förmlich  an  seinen  Sohn  Otto  den  Erlauchten  ab.

Geraume  Zeit  vor  dem  friedlichen  Austrage  dieser  Sache
hatte  Ludwig  den  König  Friedrich  II  auf  seinem  Zuge  nach
Rom  zur  Erlangung  der  Kaiserkrone  (1220)  begleitet  und  (1221)