Volltext : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Sechster Band. (6)

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219  Tagen  war  erfolgreich.  Ausgedehntere  Verwendung  fand  die  Lymphe  mit  wenigen
Ausnahmen  erst  vom  40.  Tage  an,  sie  war  aber  auch  bis  zu  284  Tagen  noch  voll  wirksam.
Nach  der  Ansicht  des  Vorstandes  bleibt  eine  wirklich  gute  Lymphe  —  als  welche  er  nur
eine  solche  bezeichnet,  die  nicht  vor  dem  4.  Tag  abgenommen  ist  —  auch  nach  6  bis
12  Monaten  noch  zuverlässig.

Aus  Karlsruhe  gab  man  auch  im  Berichtsjahre  die  Lyumphe  nur  ab,  nachdem  sie
3  bis  4  Wochen  gelagert  hatte.  «

Von  der  Lymphe  aus  Darmstadt  wird  berichtet,  daß  ihre  Haltbarkeit  eine  längere
Lagerung  zum  Zweck  der  Herabsetzung  der  Keimzahl  wohl  gestattete.  So  konnten  zwei
Impfstoffnummern  vom  November  und  Dezember  1897  noch  im  März  des  Berichtsjahres,
also  nach  4  bis  5  Monaten  mit  recht  befriedigendem  Erfolge  benutzt  werden.

Mit  Schweriner  Lymphe  im  Alter  bis  zu  318  Tagen  (vergl.  S.  13)  wurden  bei
Thieren  im  Allgemeinen  sehr  gute  Pusteln  erzielt.

Bei  den  in  Bernburg  bis  zu  etwa  50  Tagen  nach  der  Abnahme  vorgenommenen
Probeimpfungen  ergab  sich,  daß  in  der  wärmeren  Jahreszeit  die  Schnitterfolge  zurückblieben.
In  einem  Falle  wurden  im  Juli  mit  ganz  frisch  verimpfter  Lymphe  nur  90%,  und
50  Tage  später  mit  derselben  Lymphe  sogar  nur  75%  Schnitterfolge  erzielt.  Eine  andere
16  Tage  alte  Lymphe  erbrachte  im  Juni  nur  70%  Schnitterfolge.  Sonst  waren  die
Schnitterfolge  durchweg  besser,  erreichten  meist  100%  auch  dann,  wenn  die  Lymphe  etwa
4  Wochen  alt  geworden  war.

In  Hamburg  schwankte  das  Alter  der  zu  den  Kälberimpfungen  verwendeten  Lymphe
von  unmittelbarer  Uebertragung  von  Thier  zu  Thier  bis  zu  300  Tagen.  300  Tage  alte
Lymphe  wirkte  im  März  bei  einem  Kalbe  kümmerlich,  während  150  Tage  alter  Impfstoff  bei
demselben  Thiere  recht  gut  anschlug.  Einem  anderen  Thiere  wurde  1  Tag  und  154
Tage  alte  Lymphe  getrennt  verimpftz;  jene  wirkte  vollkräftig,  diese  nur  schwach.

Die  Straßburger  Lymphe,  5  Monate  alt,  rief  im  April  noch  gute  Erfolge  hervor.

Auch  die  Metzer  Thierlymphe  besaß  eine  Haltbarkeit  von  reichlich  langer  Dauer
(vergl.  die  Mittheilungen  in  der  Tabelle  auf  S.  14,  ferner  die  Angaben  auf  S.  18).

Krankheitszustände  an  Menschen  nach  der  Impfung  mit  Thierlymphe.

In  den  Berichten  von  Stettin,  Hannover,  München,  Stuttgart,  Caunstatt,
Karlsruhe,  Weimar,  Bernburg,  Lübeck  und  Straßburg  i.  E.  findet  sich  vermerkt,
daß  Fälle  von  krankhaften  Zuständen,  die  auf  die  Impfung  zurückzuführen  gewesen  wären,
nicht  mitgetheilt  werden  konnten,  da  solche  in  den  betreffenden  Anstalten  nicht  bekannt  oder
beobachtet  wurden;  der  Bericht  aus  Königsberg  i.  Pr.  enthält  gar  keine  darauf  bezügliche
Bemerkung.

Bei  den  mit  Berliner  Lymphe  geimpften  Personen  haben  sich  nur  vereinzelte
vorübergehende  Beeinträchtigungen  der  Gesundheit  feststellen  lassen,  und  unter  diesen  überwiegend
  die  harmlosesten,  nämlich  die  Entzündungen  in  der  Pustelumgebung.  Es  wurden
5  solche  Fälle  angezeigt,  während  noch  in  4  Meldekarten  das  Vorkommen  derartiger  Erscheinungen
  erwähnt  wurde.  Außerdem  wurden  bekannt  oder  in  der  Anstalt  beobachtet:
1  Fall  von  Impferythem  am  9.  und  10.  Tage,  1  Fall  von  leichtem  Erythem,  1  Erythem
mit  Achseldrüsenschwellung;  in  dem  Termin  eines  Impfarztes  etwas  ausgedehnte,  aber  nur
oberflächliche  Reaktion  bei  Wiederimpflingen;  sodann  je  2  Achseldrüsenschwellungen  nicht
erheblicher  Art  bei  Erst=  und  Wiederimpflingen;  1  Fall  von  Bindegewebsentzündung  mit