262 Dritter Zeitraum.
in Baden-Baden als einen Feind des Volkes zu ermorden versuchte. Zum
Glück wurde der König nur leicht verwundet; er ließ sich dadurch auch nicht
erbittern, beschränkte die Volksfreiheit nicht, fand vielmehr Trost in dem Ge—
danken, daß Gott ihn sichtbarlich beschützt habe, und stellte sich fortan noch
entschiedener unter seine Führung. Um sich vor ihm in Demut zu beugen
und vor aller Welt zu bekunden, daß er die Krone nur Gott verdanke, ließ
er sich am 18. Oktober 1861 zu Königsberg feierlich krönen. Indem er wie
einst sein Ahnherr selber die Krone sich aufsetzte, sprach er: „Ich empfange
diese Krone von Gottes Hand.“ Dies Wort war nicht nach dem Herzen der
Demokraten, die ihre Wühlercien jetzt um so eifriger fortsetzten.
Bismarck.
Bei der Neuwahl zum Abgeordnetenhause erlangte die sogenannte „deutsche
Fortschrittspartei" die Oberhand; wieder wurde die Militärvorlage abgelehnt,
aber um so entschiedener bestand der König auf deren Durchführung und
berief dazu in Otto von Bismarck den geeigneten Mann (1862).
Otto von Bismarck, am 1. April 1815 auf Schönhausen in der Altmark
geboren, entstammt einem alten brandenburgischen Adelsgeschlechte. Er studierte
Rechtswissenschaft. Nach bestandenem Examen war er ein Jahr Referendar und
arbeitete noch zwei Jahre in der Verwaltung, dann kehrte er auf sein väterliches Gut
zurück. In dem Vereinigten Landtage focht er mit seltener Unerschrockenheit,