Full text : Unser Preußen.

5.  Der  innere  Ausbau.  23

Erzbischof  von  Magdeburg  auf  die  alte  Lehnshoheit  über  die  Mark  ver—
zichtete  und  ihm  gegen  einige  altmärkische  Dorfschaften  die  Grafschaft  Stolberg-Wernigerode
  abtrat;  1455  kaufte  er  von  dem  Deutschen  Orden  die  Neumark
zurück  (S.  14  u.  41)  und  rettete  sie  dadurch  vor  Entfremdung  von  Deutschland
  und  vor  Rückfall  ins  Slaventum.  Von  der  Lausitz  erhielt  er  nur  einige
Städte  (Kottbus,  Bärwalde  rc.)  nebst  der  Anwartschaft  auf  Beeskow  und
Storkow  wieder.  Am  wenigsten  erreichte  er  Pommern  gegenüber.  Als  die
Linie  Pommern-Stettin  1464  ausstarb,  wollte  er  das  Land  auf  Grund
früherer  Erbverträge  in  Besitz  nehmen.  Bei  der  Beerdigung  des  verstorbenen
Herzogs  warf  der  brandenburgisch  gesinnte  Bürgermeister  von  Stettin  nach
alter  Sitte  dem  Verstorbenen  Schild  und  Helm  ins  Grab  nach,  indem  er
sprach:  „Da  liegt  unsere  Herrschaft  von  Stettin!“  Ein  Ritter  aber  holtebeides
  wieder  aus  dem  Grabe  und  sprach:  „Nicht  also!  Wir  haben  noch  erbliche,
  angestammte  Herrschaft:  die  Herzöge  von  Pommern-Wolgast;  denen
gehört  Helm  und  Schild.“  Vergebens  widersprachen  die  Anhänger  Brandenburgs,
  die  Wolgaster  erbten.  Der  Kurfürst  griff  zum  Schwerte,  aber  ohne
Erfolg.  ç
Wie  Friedrich  I.  mit  Hilfe  der  Städte  den  märkischen  Adel  bändigte,
so  unterwarf  Friedrich  II.  mit  Hilfe  des  Adels  die  märkischen  Städte.  Diese
hatten  nämlich  von  den  früheren  Markgrafen  sich  so  viele  Freiheiten  und
Rechte  erworben,  daß  sie  fast  selbständig  waren.  Das  Haupt  der  märkischen
Städte  war  die  Schwesterstadt  Berlin-Kölln,  die  schon  Friedrich  I.  das
Offnungsrecht,  d.  i.  das  Recht,  ohne  Erlaubnis  mit  bewaffneten  Scharen  in
ihre  Thore  einzuziehen,  verweigert  hatte.  Als  Friedrich  II.  nun,  um  den
Sitz  der  Regierung  in  die  Mitte  der  Mark  zu  verlegen,  sich  in  Berlin  eine
Burg  zu  erbauen  wünschte,  wollten  ihm  die  Bürger  keinen  Bauplatz  einräumen.
  Um  diese  Zeit  brach  in  Berlin,  wie  in  vielen  anderen  deutschen
Städten,  ein  Streit  zwischen  den  Geschlechtern  und  den  Zünften  aus:  diese
verlangten  Teilnahme  am  Stadtregiment,  und  es  kam  zum  offenen  Aufruhr
gegen  den  Rat.  Da  erschien  der  von  beiden  Teilen  um  Entscheidung  angegangene
  Kurfürst  mit  600  Reitern  vor  der  Stadt  und  wurde  in  der  allgemeinen
  Bestürzung  eingelassen.  Damit  war  er  Herr  der  Stadt.  Die
Berlin-Köllner  mußten  ihm  die  Schlüssel  aller  Stadtthore  ausliefern  und  einen
Platz  an  der  Sprec,  mitten  zwischen  den  beiden  Städten,  abtreten,  damit  er
sich  dort  eine  Burg  erbaue.  Die  Bürger  empörten  sich  zwar  noch  einmal
und  rissen  die  angefangenen  Burgmauern  nieder;  aber  Friedrich  erzwang  aufs
neue  den  Gehorsam.  Berlin-Kölln  zahlte  eine  Geldstrafe  und  verlor  seine
bisherigen  Gerechtsame,  wie  die  niedere  Gerichtsbarkeit  und  die  freie  Wahl
seiner  Beamten.  Jetzt  leisteten  auch  die  anderen  Städte  Gehorsam.  Als
das  Schloß  in  Berlin  vollendet  war,  machte  es  der  Kurfürst  1451  zum
Sitz  seiner  Regierung;  so  ward  Berlin  die  Hauptstadt  Brandenburgs.
Wie  der  Kurfürst  die  kleinen  Bürger  gegen  die  übermächtigen  Patrizier
beschützte,  so  nahm  er  sich  auch  der  Bauern  an,  indem  er  die  Sonntagsarbeit
verbot  und  den  Gutsherren  streng  untersagte,  den  Bauern  mehr  Arbeiten
und  Lasten  aufzulegen,  als  von  alters  her  Gebrauch  gewesen  sei.  Friedrich
besaß  nicht  den  umfassenden  Blick  und  das  freundliche,  gewinnende  Wesen