Full text: Deutsches Kolonialblatt. XIX. Jahrgang, 1908. (19)

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Baumes wäre demnach zu befürchten, wenn sich 
nicht auf natürlichem Wege reiche Bestände in 
den von den Schwarzen ausgegebenen Pflanzungen 
entwickelten. Der Wind treibt die gefiederten 
Samen auf die ausgerodeten Waldblößen, wo sie 
keimen. Es würde also genügen, wenn die Ein- 
geborenen sich um ihre früheren Kulturflächen ein 
wenig kümmerten und allein die Funtumien, die 
Olpalmen und Kolabäume stehen ließen. Diese 
drei Nutzgewächse vertragen sich sehr gut mitein- 
ander und könnten in kurzer Zeit prächtige 
„Parks“ um jedes Dorf bilden, wie sich an ein- 
zelnen Stellen gezeigt hat. 
Die Aufbereitung des Funtumia-Kautschuks 
läßt heute viel zu wünschen übrig und muß un- 
bedingt verbessert werden. Es wird schwer halten, 
das Produkt als „twists“ oder „niggers“ in den 
Handel zu bringen; dagegen müßte es möglich 
sein, bei den Sammlern darauf hinzuwirken, die 
Milch zu „Fladen“ oder dünnen „Kuchen“ zu 
verarbeiten, ohne daß andere Latexarten hinzu- 
gefügt würden — ein weitverbreiteter Mißstand, 
der die geringe Bewertung des Funtumiakautschuks 
in erster Linie erklärt. Eine Besserung der ge- 
nannten Art würde den Preis des Produktes 
mindestens um ein Drittel erhöhen. So bezahlte 
man für in Sassandra bereitete „Fladen“ 11 Fr. 
pro Kilo, während „cakes“ desselben Ursprungs 
zu gleicher Zeit nur etwa 7,50 Fr. erzielten. 
Die Verwaltung der Elfenbeinküste gibt sich die 
größte Mühe, hier helfend einzugreifen. 
Der in der Nähe des Meeres, an der Westküste 
und der liberischen Grenze gesammelte und über 
die Häfen Bliékron, Tabou und Béréby verschiffte 
Gummi wird fälschlich „Lianenkautschuk“ genannt. 
In Wirklichkeit stammt er von einer epiphytischen 
Form der Art Ficus Vogelü, deren Adventiv- 
wurzeln man vielfach für Schlingpflanzen hält. 
Diese Art — die bis zu 30 km vom Meere 
entfernt sehr häufig ist, im Innern aber seltener 
wird — zeigt sich nämlich bald als 3 bis 5 m 
hoher und 20 bis 50 em dicker Baum mit ge- 
wundenem Stamm, bald als epiphytisch lebendes 
Gewächs, das sich in der Gabel eines Baumes 
gebildet hat und dessen stark verzweigte Luft- 
wurzeln an diesem herab bis in die Erde dringen. 
Hierbei umschlingen sie die Stütze mit mehr oder 
weniger unregelmäßigen Spiralen. Mit der Zeit 
hat Ficus Vogelli ihren Gastgeber erwürgt; das 
Holz des eigentlichen Holzstammes verfault und 
wird nach und nach durch das immer dichter 
werdende und miteinander verwachsende Wurzel- 
werk ersetzt. So entstehen mehr oder minder 
hohle Scheinstämme. 
Nach den Angaben der Eingeborenen enthält 
die epiphytische Form mehr Latex als die andere. 
Die Kautschuksammler schlagen den Wirtsbaum 
  
einfach um und zapfen die Luftwurzeln der 
Ficus mit transversalen, fast ringförmigen tiefen 
Schnitten in Abständen von 20 cm an. Die 
Milch wird in ähnlicher Weise wie bei L. owa- 
riensis (siehe unten) aufgefangen, die Koagulation 
durch Stehenlassen an der Luft bewirkt. Das 
Produkt ist selbst in reinem Zustande nur 
mittelwertig, wenig elastisch und nervig, an 
der Oberfläche auch etwas klebrig. 
Der aus der Baumform gewonnene Kautschuk 
besitzt weit geringere Qualität. Er gerinnt frei- 
willig auf den Schnittwunden, die man in den 
Stamm macht, ohne diesen zu fällen. 
Von Kautschuklianen traf Chevalier vier 
oder fünf Arten an, die weit verbreiteter waren als 
Funtumia elastica und in vielen Bezirken noch 
gar nicht ausgebeutet wurden, d. h. besonders dort, 
wo Gummibänme vorkamen. Am häufigsten 
findet sich Landolphia owariensis, die auch das 
beste Produkt liefert. Der Latex gerinnt sehr 
leicht an der Luft oder wird durch Zusatz von 
Zitronensäure, Salzwasser usw. koaguliert; der 
Kautschuk gelangt als „twists“ oder „niggers“ in 
den Handel, — genau, wie der von L. Heude- 
lottii gewonnene. Obwohl die beiden Schling- 
gewächse in ihren Lebensbedingungen sehr von- 
einander abweichen, zeigen sie mit Rücksicht auf 
den Habitus große Ubereinstimmung: sie besitzen 
einen selten mehr als 7 em dicken Stamm und 
ranken bis zu 20 bis 30 cm hoch empor, mit 
anderen Lianen ein dichtes Gewirr bildend. Ge- 
wöhnlich ziehen die Eingeborenen bei der Milch- 
saftgewinnung die Pflanze mit aller Kraft zu 
Boden, kappen den Stamm an der Basis und so 
hoch sie reichen können, legen ihn auf die Erde 
und schneiden ihn dann in 15 bis 20 ecm lange 
Stücke. Die Milch wird in kleinen Schalen oder 
einfach auf Blättern gesammelt, während ein Teil 
bereits an den Schnittflächen koaguliert. Das 
Abschlagen der Lianen zu verbieten, würde die 
ganze Ausbeutung lahmlegen. überdies treibt 
der Stumpf ziemlich schnell von neuem, sobald 
ein wenig Licht in das Unterholz dringt. Auf 
den Waldlichtungen sieht man zuweilen Lan- 
dolphien, die arm= oder selbst schenkeldick sind 
und wahrscheinlich mit dem Stützbaum zusammen 
aufwuchsen. Hier klettern die Sammler am 
Stamme empor und machen transversale Schnitte, 
an denen sich der Kautschuk bildet. 
Neben L. owariensis ist Clitandra elastica 
als wertvolle Gummiliane zu nennen. Ihr Stamm 
ist stärker und oft 30 cm hoch. Es hält schwer, 
den sehr reichlich austretenden und sehr flüssigen 
Milchsaft zum Gerinnen zu bringen. Ohne ihn 
mit Wasser zu verdünnen, wird er am besten 
längere Zeit gekocht, wobei sich der Kautschnk als 
dichte weiße „Wolke“ von einzelnen nicht zu-
	        
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