Full text : Blätter für Rechtsanwendung. LXIII. Band. (63)

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ihres  recht  kapitalistischen  Privatlebens  mit  der  Theorie  des  „Klassenkampfes“
  in  Einklang  zu  bringen.

In  diesem  Frühjahr  1915  machte  sich  auch  unter  der  Studentenschaft
  eine  gewisse  oppositionelle  Bewegung  bemerkbar.  Die  hier
auftauchende  Opposition  wurzelte  zunächst  mehr  in  der  Utopie  romantischer
  Menschheitsideale,  die  im  Kreise  intellektueller  Debattierklubs
  harmlos  waren,  in  der  Hand  demagogischer  Agitatoren  aber  von
jeher  die  Völker  in  die  größten  Katastrophen  getrieben  haben.  Einer
der  Führer  der  damaligen  akademischen  Jugendbewegung,  Max
Hodann,  schrieb  später  darüber  1:

„Es  gab  einige  Zentren,  die  sich  gegen  die  politische  Verdunklung
  während  des  Krieges  aufbäumten.  Zeugnisse  sind  in
der  Arbeit  der  „Berliner  Freien  Studentenschaft  1915  niedergelegt,
  die  zum  Protest  gegen  die  Kriegsmakulatur  „Flugblätter
an  die  deutsche  Jugend“  erscheinen  ließ  Die  gleiche  Studentengruppe
  ließ  1915  die  Zeitschrift  „Der  Aufbruch  erscheinen,
deren  radikale  Stellungnahme  zu  den  Zeitereignissen  und  zu
der  geistigen  Verrottung  der  Hochschulen  den  Jorn  der  Behörde
im  höchsten  Maße  erregte.  Die  Folge  war,  daß  der  Herausgeber
von  der  Universität  verwiesen  wurde.  Die  Zeitschrift  fiel  der
Zensur  zum  Opfer.  In  der  Folge  erschien  in  Königsberg  die
„Neue  Hochschule“,  die  in  gewisser  Weise  die  Tradition  des  „Aufbruch"
  aufnahm  und  fortführte  ..  In  Jena,  in  München,  in
Heidelberg  waren  es  wenige  Menschen,  die  versuchten,  gegen  den
Strom  nationaler  Verhetzung  zu  schwimmen  ..“

Charakteristisch  ist  auch  hier  wieder,  daß  der  „Aufbruch“  jene
eigenartige  Verbindung  von  intellektueller  Romantik  und  sozialistischer
Programmatik  in  der  Zusammensetzung  seiner  Herausgeber  zeigte,
indem  die  eine  Seite  von  dem  Freistudenten  Joel,  die  andere  von  dem
Sozialisten  Gustav  Landauer,  die  gemeinsam  als  Herausgeber  zeichneten,
  vertreten  wurde.

Inzwischen  hatte  der  „Bund  Neues  Vaterland“  die  Mission  seiner
Mitglieder  Professor  Schücking  und  des  Herrn  von  Tepper-Laski
im  Haag  zur  Grundlage  einer  eifrigen  Tätigkeit  gemacht,  von  der
Fried  in  der  Friedenswarte  begeistert  schrieb:

1  „The  Word“  Nr.  6,  6.  September  1919.