Full text : Der Reichstag von Nürnberg 1522-23.

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im  nächsten  Sommer  in  die  traurige  Lage  kommen,  türkisch
zu  sein.)

Vorläufig  erhielten  diese  Gesandten  die  Zusage,  dass
alles  geschehen  solle,  was  den  Ständen  möglich  sei,  um
ihnen  beizustehen.  Mit  gnädiger  Entlassung  der  Gesandtschaft
  war  die  Sitzung  beendigt.

Es  kam  nun  für  die  Hilfesuchenden  zunächst  alles  darauf
  an,  welchen  Verlauf  die  Ausschussberatungen  nehmen
würden;  wurde  hier  ihr  Gesuch  abgewiesen,  dann  hatten  sie
überhaupt  nichts  mehr  vom  Reiche  zu  hoffen.

Wir  können  sagen:  die  Zusammensetzung  des  Ausschusses
  war  ihrer  Sache  wenigstens  nicht  ungünstig.  Schon
oben  sind  von  uns  die  Mitglieder  namhaft  gemacht  worden,
ohne  dass  dort  erwogen  worden  wäre,  welche  Stellung  zur
Türkenfrage  die  einzelnen  einnehmen  würden.

Da  war  zunächst  Pfalzgraf  Friedrich,  wie  schon  erwähnt
ein  treuer  Anhänger  des  Hauses  Habsburg  und  somit  auch
für  Ferdinands  Pläne  gegen  die  Türken  eingenommen,  ja
vielleicht  durch  irgendwelche  Versprechungen  dafür  besonders
  gewonnen.  Wäre  sein  Bruder  selbst  da  gewesen,  so
hätte  es  jedenfalls  anders  gestanden,  denn  dieser  würde  gewiss
  seinen  Blick  mehr  auf  das  Reich,  als  auf  Ungarn  gerichtet
  haben.

Wie  sich  Herzog  Ludwig  von  Bayern  in  dieser  Angelegenheit
  verhalten  habe,  ist  nicht  mit  Gewissheit  zu  sagen;
denn  lag  es  auch  in  seinen  Interesse,  die  Türken  von  Deutschland
  fern  zu  halten,  da  er  durch  ein  Vordringen  derselben
nicht  am  wenigsten  bedroht  war,  so  stand  er  doch  ebenso
wie  sein  Bruder  Wilhelm  dem  Habsburger  durchaus  nicht
als  Freund  zur  Seite.)  Hatte  doch  Herzog  Wilhelm  einst
gehofft,  deutscher  Kaiser  werden  zu  können!  Beide  Brüder
strebten  nun  danach,  Ferdinand  zu  keinen  Vorteilen?)  kommen

1)  Planitz  an  den  Kurf.  am  20.  November  1522.

2)  Vgl.  Ney,  1.  c.  S.  16.  |

3)  Vgl.  v.  Druffel,  Die  Bairische  Politik  im  Beginne  der  Ref.-Zeit
1519—24.  München  1885.  (Aus  d.  Abh.  d.  k.  bayer.  Ak.d.  W.  III.  CI.
XVIl.  Bd.  III.  Abt.)  S.  27#f.  —  In  d.  Beilagen  S.  103—105  Briefe  J.