Volltext : Deutsches Kolonialblatt. XXI. Jahrgang, 1910. (21)

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§*  5.  Betriebsausgaben  im  gemeinsamen  Interesse  beider  Gesellschaften.

Alle  laufenden  Betriebsausgaben,  welche  gemeinsame  Interessen  der  beiden  Betriebe
der  Diamanten-Pacht-Gesellschaft  und  der  Kolonialen  Bergbaus--Gesellschaft  betreffen,  sollen  von  beiden
Unternehmungen  gemeinschaftlich  getragen  werden.  Maßgebend  ist  die  am  Schlusse  eines  jeden
Monats  aufzustellende  Abrechnung.  Das  Verteilungsverhältnis  bestimmt  sich  nach  Verhältnis  der
im  Laufe  des  betreffenden  Monats  von  einer  jeden  der  beiden  Unternehmungen  geförderten  Rohdiamanten
  unter  Zugrundelegung  des  Rohgewichts.  Den  auf  die  Diamanten-Pacht-Gesellschaft  danach
eutfallenden  Anteil  hat  diese  im  Laufe  des  darauffolgenden  Monats  in  bar  an  die  Koloniale  Bergbau-Gesellschaft
  zu  zahlen.  Bei  einer  durch  Verschulden  der  Diamanten-Pacht-Gesellschaft  verspäteten
Zahlung  tritt  die  Verpflichtung  zur  Vergütung  von  5  v.  H.  Zinsen  ein.

Zu  den  laufenden  Betriebsausgaben  im  gemeinsamen  Interesse  der  beiden  Betriebe  gehören
insbesondere  die  Gehälter  und  sonstigen  Vergütungen  der  Betriebsleiter,  welche  beide  Betriebe  leiten,
der  Werkführer,  Beförderungskosten  aller  Art  u.  dgl.

Entstehen  Meinungsverschiedenheiten  über  die  Gemeinschaftlichkeit  der  beiden  Interessen,  so
entscheidet  das  unten  zu  erwähnende  Schiedsgericht.

§&  6.  Dauernde  Anschaffungen.
a.  Allein  im  Interesse  der  Diamanten-Pacht-Gesellschaft.

Alle  nicht  zu  den  laufenden  Betriebsausgaben  gehörenden  Anschaffungen  von  dauernden
Verten,  wie  Eisenbahnanlagen,  Gebäude,  Wasserversorgungseinrichtungen,  Maschinen  und  Apparate,
Telegraphen=  und  Fernsprecheinrichtungen,  Geräte,  Beförderungsmittel  und  Reit=  und  Zugtiere,  werden,
sofern  sie  allein  den  Interessen  der  Ausbeutung  der  fiskalischen  Felder  und  der  Diamanten-Pacht-Gesellschaft
  dienen,  gemäß  §  4  dieses  Betriebsvertrages  und  gemäß  §  5  des  Pachtvertrages  des
südwestafrikanischen  Landesfiskus  mit  der  Diamanten-Pacht-Gesellschaft  behandelt.

b.  Im  gemeinschaftlichen  Interesse.

Dienen  sie  dagegen  dem  gemeinschaftlichen  Interesse  beider  Betriebe  und  Unternehmungen,
  so  legt  die  Koloniale  Bergbau-Gesellschaft  mit  beschränkter  Haftung  zunächst  die  erforderlichen
  Mittel  aus.  Sie  ist  nicht  verpflichtet,  mehr  als  300  O00  “  (Dreihunderttausend  Mark)  im
ganzen  auszulegen.  Diese  gemeinschaftlichen  Aunslagen  werden  auf  einem  besonderen  Konto  in  den
Büchern  der  Kolonialen  Bergbau-Gesellschaft  belastet,  auf  welchem  5  v.  H.  Zinsen  alljährlich  berechnet
werden.  Uber  den  Stand  dieses  Kontos  ist  der  Diamanten-Pacht-Gesellschaft  an  jedem  Vierteljahresschlusse
  Mitteilung  zu  machen.  Am  Schlusse  eines  jeden  Kalenderjahres  sind  auf  das  Konto  die
kaufmännischen  Anschauungen  entsprechenden,  Abschreibungen  zu  machen.  Die  Höhe  der  Abschreibungen
wird  gemeinschaftlich  von  der  Kolonialen  Bergbau-Gesellschaft  und  der  Diamanten-Pacht-Gesellschaft
  festgesetzt;  bei  Meinungsverschiedenheiten  zwischen  beiden  über  die  Höhe  der  Abschreibungen
und  der  ihnen  zugrunde  liegenden  Sätze  sind  diese  unter  Ausschluß  des  Rechtsweges  durch  einen
auf  Anruf  eines  beider  Teile  von  dem  jewkiligen  Direktor  der  Königlich  Preußischen  Bergakademie
zu  Berlin  zu  bestimmenden  Sachverständigen  festzusetzen.  Die  von  diesem  Sachverständigen  festgesetzten
  Abschreibungen  sind  für  den  betreffenden  Jahresabschluß  für  beide  Teile  allein  maßgebend.
Die  Abschreibungen  werden  von  beiden  Gesellschaften  nach  Verhältnis  der  im  Laufe  des  betreffenden
Kalenderjahres  von  einer  jeden  geförderten  Rohdiamanten  unter  Zugrundelegung  des  Rohgewichts  gekragen.
  Den  danach  auf  die  Diamanten-Pacht-Gesellschaft  entfallenden  Anteil  an  dieser  Abschreibung
ist  diese  verpflichtet,  der  Kolonialen  Bergbau-Gesellschaft  alsbald  in  barem  Gelde  zu  vergüten.  Auf
dem  Konto  selbst  ist  die  von  beiden  Gesellschaften  gemeinschaftlich  aufzubringende  Gesamtabschreibung
vorzunehmen.

In  dieser  Weise  sind  auch  Anschaffungen  dieser  Art  zu  behandeln,  welche  die  Koloniale
Bergbau-Gesellschaft  vor  Abschluß  dieses  Vertrages  gemacht  hat  und  die  den  gemeinschaftlichen
Ineeressen  beider  Gesellschaften  dienen.

Am  Schlusse  dieses  Betriebsvertrages  findet  eine  Auseinandersetzung  beider  Gesellschaften
über  die  in  gemeinschaftlichem  Interesse  gemachten  Anschaffungen,  soweit  sie  noch  vorhanden  sind,
Ksatt.  Der  Anteil  einer  jeden  der  beiden  Gesellschaften  an  den  angeschafften  Gegenständen  wird  nach
Verhältnis  der  von  einer  jeden  seit  der  Eröffnung  des  Kontos  bis  zum  Ablauf  des  Betriebsvertrages
geförderten  Rohdiamanten,  nach  Rohgewicht  berechnet,  festgestellt.  Die  Auseinandersetzung  unter  den
beiden  Gesellschaften  erfolgt  alsdann  nach  Maßgabe  der  §§  752  bis  754  Bürgerlichen  Gesetzbuches.

Auf  den  danach  der  Diamanten-Pacht-Gesellschaft  gebührenden  Anteil  finden  die  Bestimmungen
im  §  5  und  in  §  9  des  Pachtvertrages  zwischen  ihr  und  dem  südwestafrikanischen  Landesfiskus
Anwendung.