Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXVI. Jahrgang, 1915. (26)

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Grenzen  der  Territoires  und  die  Lage  ihrer
Hauptstädte  ergibt  sich  aus  der  beigedruckten  Skizze.
Wie  die  Hauptstadt  des  Bezirks  selbst  sind  auch
andere  Stationen  schon  einem  Wechsel  unterworfen
gewesen,  zum  Teil  steht  er  ihnen  noch  bevor.  Diese
Unstetigkeit  in  der  Verwaltungsorganisation  verursacht
  viele  unnötige  Ausgaben  und  bringt  unter
die  Eingeborenen  eine  gewisse  Unruhe.

Die  Zahl  der  Beamten  betrug  im  Juni  1914
insgesamt  49,  hiervon  waren  12  am  Sitz  des
Bezirksamts  tätig,  zwei  —  der  Landwirt  und  der
Veterinär  —  waren  gleichzeitig  für  den  jetzigen
Bezirk  Sankuru  zuständig,  31  waren  auf  die
verschiedenen  Territoires  verteilt,  2  gehörten  dem

 

Die  Territoires  des  Kasaibezirks  mit  den  Sitzen  der  Verwaltungsposten.

Justizdienst  an,  die  beiden  andern  hatten  besondere
Aufträge.  Die  Zahl  der  Truppen  belief  sich  auf
insgesamt  675  Mann,  eine  scheinbar  sehr  hohe
Ziffer,  die  aber  mit  Rücksicht  auf  den  geringen
Grad  der  Befriedung  des  Bezirks  kaum  zu  hoch
bemessen  sein  dürfte.  Etwa  je  50  bis  60  Soldaten
waren  auf  die  einzelnen  Territoires  verteilt,  eine
geschlossene  Kompagnie  mit  150  Mann  stand  im
Juni  1914  noch  in  Luluaburg,  doch  sollte  sie
nach  Luebo  verlegt  werden.  Häuptlingsschaften,
deren  Häuptlinge  durch  Verleihung  der  Medaille
als  die  Hilfsorgane  der  Verwaltung  anerkannt
und  durch  Zuteilung  eines  Teiles  der  Einnahmen

 

 

 

aus  der  Steuererhebung  an  der  europäischen
Verwaltung  interessiert  waren,  gab  es  im  ganzen
Bezirk  erst  78,  davon  39  allein  im  Territoire
Luluaburg,  15  im  Territoire  Dibaia  und  13  im
Territoire  Kalamba.  In  den  Territoires  Basongo
und  Kamtscha-Lubue  waren  überhaupt  noch  keine
Häuptlingsschaften  eingerichtet  worden.

Für  den  Bezirk  ist  als  Gericht  erster  Instanz
das  Gericht  in  Lusambo  zuständig,  Gericht  zweiter
Instanz  ist  das  Appellationsgericht  in  Boma.  Im
Bezirk  selbst  bestand  nur  ein  sogenanntes  Territorialgericht
  für  die  geringfügigeren  Vergehen  und
Übertretungen  und  ein  Kriegsgericht  in  Luebo.
Mit  Rücksicht  auf  die  weiten  Entfernungen  und

 

Luebo  —=  Hauptstadt  des  Kasaibezirks.

die  Kompliziertheit  des  augenblicklichen  Gerichtsverfahrens
  dürfte  diese  Gerichtsorganisation  kaum
als  ausreichend  anzusehen  sein,  insbesondere  dann
nicht,  wenn  die  zur  Zeit  im  Entstehen  begriffenen
großen  Unternehmungen  sich  weiter  entwickelt
haben  sollten.  —  In  Basongo  bestand  eine  Kolonie
von  8  verbannten  Häuptlingen,  von  denen  2  aus
Luluaburg,  die  übrigen  aus  der  Gegend  von  Lusambo
stammten.  Grund  für  die  Verbannung  war  meist
Auflehnung  gegen  den  Staat.  Dank  der  feindlichen
Haltung  der  Umwohner  von  Basongo  und  der
dadurch  bedingten  Abgeschlossenheit  des  Ortes  war
die  Uberwachung  verhältnismäßig  einfach.