Full text : Das Buch von unsern Kolonien.

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Peking  eine  gemeinsame  Note  an  das  Tsungli-Yamen,  worin  auch
eine  Verstärkung  der  Schutzwachen  für  die  Gesandtschaften  angekündigt
wurde.

Die  Regierung  des  Kaisers  von  China  protestierte  und  versprach
allerlei.  Aber  es  war  nur  zu  bekannt,  daß  der  Kaiser  Kwangssü  lediglich
ein  willenloses  Werkzeug  seiner  Tante,  und  daß  Prinz  Tuan  das  geistige
Oberhaupt  der  Boxer  wäre.

Die  Boxer  hatten  am  28.  Mai  die  Hunan-Bahn  zerstört,  die
Schienen  aufgerissen  und  viele  Angestellte  der  Bahn  getötet.  Darauf
hatten  die  Mächte  von  ihren  auf  der  Reede  zu  Taku  an  der  Mündung
des  Peiho  ankernden  Schiffen  Englands,  der  Vereinigten  Staaten,
Rußlands,  Frankreichs,  Italiens  und  Japans  334  Mann  mit  22  Offizieren
  und  5  Schnellfeuergeschützen  nach  Peking  entsandt,  denen  eine
geringe  Anzahl  deutscher  und  österreichischer  Truppen  bald  folgte.
Trotzdem  kam  es  fast  täglich  zu  Gefechten  der  Boxer  und  der  Regulären
und  am  20.  Juni  wurde  der  deutsche  Gesandte  sogar  von  Kaiserlichen
ermordet.  Während  nun  die  riesigen  Taku-Forts  an  der  Mündung  des
Peiho  mit  neuesten  Kruppschen  Geschützen  und  mit  gutgedrillten,  von
deutschen  Offizieren  ausgebildeten  und  mit  deutschen  Gewehren  bewaffneten
Kaiserlich  chinesischen  Truppen  besetzt  und  die  Flußmündung  selbst  mit
Torpedos  dicht  belegt  waren,  steigerte  sich  die  Volkswut  und  führte  Ende
Juni  und  Anfang  Juli  1900  zu  den  Ereignissen,  deren  allerdings  zum
Teil  übertriebene  Meldung  ganz  Europa  erstarren  machte.

Peking  war  von  aller  Welt  abgeschnitten,  Bahnen  und  Brücken
zerstört,  und  die  gesamte  Fremdenkolonie  in  der  Hauptstadt,  wenn  nicht
auch  in  Tientsin,  Canton  und  anderen  Handelsemporien  Chinas  der
Wut  der  aufständischen  Boxer  und  der  mit  ihnen  fraternisierenden,
menterischen  regulären  Truppen  verfallen.

Die  Belagerung  der  Gesandtschaften  und  die  Ermordung  des
Freiherrn  von  Ketteler.

Eine  eigenartigere  und  an  Spannung  reichere  Lage  hat  es  kaum
je  zuvor  in  der  Weltgeschichte  gegeben  als  die  unserer  Angehörigen  in
Peking  während  jener  Tage,  man  kann  sagen  Monate  ihrer  Abschließung
inmitten  der  nach  ihrem  Blute  lechzenden,  niedrigsten  und  entartetsten
Bevölkerung  des  asiatischen  Riesenreichs.