Volltext : Unser Preußen.

218  Zweiter  Zeitraum.

Drittel  seines  Heeres  an  Blücher  ab,  und  dieser  schlug  (1.  Febr.)  Napoleon
bei  La  Rothiere  vollständig  aufs  Haupt.  Wieder  stand  den  Verbündeten
der  Weg  nach  Paris  offen,  aber  wieder  begann  das  Zaudern  und  Bedenken;
doch  erhielt  Blücher  die  Erlaubnis,  die  Marne  abwärts  gegen  Paris  vorzubrechen,
  während  das  Hauptheer  stehen  blieb.  Blücher  ließ  sein  Heer  in  vier
voneinander  getrennten  Korps  vorrücken;  seine  linke  Flanke  war  nicht  gedeckt,
weil  Schwarzenberg  sein  Versprechen,  dort  durch  das  Wittgensteinsche  Korps  die
Verbindung  zwischen  beiden  Heeren  aufrecht  zu  erhalten,  nicht  erfüllte.  Rasch
warf  sich  deshalb  Napoleon  dem  Blücherschen  Heere  in  die  Flanke  und  brachte
jedem  der  vier  Korps  nacheinander  empfindliche  Verluste  bei.  Dann  stürmte  er
gegen  die  Hauptarmee  und  erfocht  abermals  einen  Sieg,  so  daß  Schwarzenberg
nach  Troyes  zurückwich  und  auch  Blücher  bewog,  dort  zu  ihm  zu  stoßen;
ja  der  Oberfeldherr  wollte  sogar  bis  zum  Rhein  zurückgehen.  Eifriger  denn
je  bemühten  sich  jetzt  die  österreichischen  Diplomaten  auf  dem  Friedenskongreßt
zu  Chatillon  a.  d.  Seine  um  den  Abschluß  eines  Waffenstillstandes;  aber  zum
Glück  war  Napoleons  Hochmut  durch  die  jüngsten  Erfolge  nur  noch  gesteigert,
so  daß  die  Verhandlungen  ohne  Erfolg  blieben.  Blücher  bat  um  die  Erlaubnis,
sein  Heer  wieder  von  dem  Hauptheer  trennen,  das  Korps  unter  Bülow  und
ein  russisches  Korps,  die  beide  aus  Belgien  heranrückten,  an  sich  ziehen  und
geradeswegs  auf  Paris  marschieren  zu  dürfen.  Der  Zar  und  König  Friedrich
Wilhelm  setzten  im  Hauptquartier  die  Gewährung  dieser  Bitte  durch,  und
damit  war  die  Entscheidung  des  Krieges  zunächst  in  Blüchers  Hand  gelegt.
Napoleon  war  überrascht,  als  er  hörte,  Blüchers  Heer,  das  er  vernichtet
geglaubt  hatte,  ziehe  nach  Paris,  und  eilte  ihm  sofort  nach.  Das  von  ihm
zurückgelassene  Korps  Oudinots  wurde  von  Schwarzenberg  bei  Bar  a.  d.  Aube
(27.  Febr.)  leicht  zurückgeworfen,  wobei  der  junge  Prinz  Wilhelm  von
Preußen  sich  das  Eiserne  Kreuz  erwarb.  Blücher  ging  indes  die  Marne
hinab  und  vereinigte  sich  (4.  März)  bei  Soissons  mit  Bülow,  der  nicht  wenig
erstaunte  über  die  schwachen  Bataillone  Vorks,  über  diese  abgemagerten,  verwahrlosten
  Truppen,  während  seine  Leute  in  den  wohlhabenden  Gegenden
Hollands  und  Belgiens  wohlgenährt  und  gut  gekleidet  waren.  Nach  langer
Trennung  schüttelten  die  Sieger  von  Dennewitz  und  von  der  Katzbach  einander
  wieder  die  Hand,  alle  begierig,  sobald  als  möglich  gegen  den  Feind
geführt  zu  werden.  Ihr  Wunsch  sollte  sich  bald  erfüllen.  Schon  am  9.  März
griff  Napoleon  den  Stützpunkt  des  Blücherschen  Heeres,  die  Felsenfestung  Laon,
an.  Der  Tag  blieb  ohne  Entscheidung;  am  Abend  aber  warfen  sich  York
und  Kleist  auf  den  Feind  und  zersprengten  ein  ganzes  französisches  Korps.
Darauf  wandte  sich  Napoleon  wieder  gegen  die  Hauptarmee,  erlitt  aber  bei
Arcis  a.  d.  Aube  eine  neue  Niederlage;  nur  das  Unterlassen  der  Verfolgung
rettete  ihn.  Trotzdem  stellte  er  bei  den  Friedensunterhandlungen  die  hochmütigsten
  Forderungen,  so  daß  auch  sein  Schwiegervater  ihn  aufgab.  Schwarzenberg
  und  Blücher  brachen  nun  gemeinsam  gegen  Paris  auf.  Da  machte
Napoleon  noch  einen  verzweifelten  Versuch:  er  umging  den  rechten  Flügel
der  Verbündeten,  um  ihnen  in  den  Rücken  zu  gelangen;  dadurch  hoffte
er  sie  von  Paris  abzuziehen.  Aber  die  verbündeten  Armeen  ließen  sich  dadurch
  in  ihrem  Vormarsch  nicht  irre  machen.  Ohne  großen  Widerstand  ge-