Metadaten : Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Vierter Band. (4)

Die  Kämpfe  in  den  Transsylvanischen  Alpen  193

Der  hochgelegene  Vulkanpaß,  der  wesilich  von  der  Jiullamm  und  dem  mit
bem  Flußlauf  verflochtenen  Szurdulpaß  die  Grenze  überschreitet,  lag  in
schmelzendem  Schnee  begraben.  Von  den  1800  Meter  hohen  Rücken  des
Vrs.  Negralui,  der  Straja,  des  Candatul,  des  Vrf.  Bei#i  und  des  Grf.
Manvrei,  die  zu  beiden  Seiten  der  Hässe  als  Grenzwacht  aufgerichtet  standen,
war  nichte  zu  sehen.  Nebelschwaden  rollten  über  die  breltabfallenden  Stufen
des  Gebirges  und  verbargen  die  tiefeingeschnittenen  Täler  der  Tasmana,
der  Bistriga,  des  Jales,  der  Susita  und  des  Sadu,  die  sich  jenseit  der  Klamm
in  den  Jiu  stürzten  und  sein  gewundenes  Bett  mit  Tosen  füllten.  Die  Rumönen
standen  auf  den  Südhängen  der  Grenzberge  verschanzt  und  hületen  die  Jiullamm
  und  die  Quelltäler  seiner  Nebenflüsse.  Ihre  Späher  saßen  in  alten
VWachttürmen  und  zerfallenen  Kastellen  aus  der  Türkenzeit  wohlgeborgen.
Jedes  Lal  war  durch  Flankenstellung  n  gesperrt,  der  Bulkanpaß  befestigt  und
die  Südpforte  des  Szurdukpasses  bei  Bumbesti  durch  Panzerwerke  verschlossen.
  Die  Hauptkräfte  waren  bei  Targu-Jiu,  20  Kilometer  flußabwärts,
versammelt.  Im  Besio  der  Straße,  die  am  linken  Flußufer  über  Filiasu
nach  Craiovo  in  die  Ebene  führt,  und  der  Bahn,  die  bei  Targu-Li###  im  spiten
Winkel  nach  Osten  abblegt,  um  Filiasu  durch  das  fruchebare  Gilorttal  zu
erreichen,  sahen  die  Rumänen  jedem  Angriff  gelassen  entgegen.

Am  21.Oktober  dachten  sie  an  keine  Schlacht.  Die  Witterung  widerriet
jeden  Kampf.  Das  hobe  Gebirge  lag  im  Nebel  verloren,  die  Niederung
dampfte  vom  Regen,  und  der  Lärm  des  Gefechtes,  das  Kneußl  an  den  Flanken
des  Bulklanpasses  entfesselt  ha.ic,  drang  nicht  in  die  walachischen  Täler.  Die
Bayern  ließen  sich  nicht  irremachen,  sondern  rüsteten  am  22.  Oktober  zum
Hauptangriff.  Das  Thermometer  war  gesunken.  Es  begonn  in  großen
Elocken  zu  schneien.  Als  der  23.  Oktober  graute,  lagen  Gipfel  und  Daßwege
unter  neuem  Schnee  begraben.  Aber  der  Niederschlag  brachte  keine  Auf.
heiterung.  Der  Nebel  stieg  in  die  Flußtäler,  füllte  die  Hügellandschaft  südlich
der  Jiuklamm  mit  dichten  Massen  und  verhinderte  die  Beschießung  der  unsichtbaren
  rumönischen  Stellungen.  Es  war  der  zum  Angriff  bestimmte  Tag,
aber  die  Geschutze  schwiegen.  Da  ging  Kneußls  Infanterie  ohne  Artilleric.
vorbereitung  zum  Sturm  vor,  um  zu  beiden  Seiten  der  Pässe  an  den  Nebenflüssen
  Bahn  zu  brechen,  während  die  6.  Kavalleriedioision  mit  dem  österreichischen
  Landsturm  auf  dem  äußersten  rechten  Flügel  anerat,  um  in  dle
gelockerte  Flanke  des  Feindes  einzudringen  und  durch  dos  Gistritztal  in  die
große  Jiumulde  hbinabzustoßen.  In  Schneemänteln,  mit  Bergstöcken  und
Steigeisen  versehen,  Maschinengewehre  und  Gebirgsgeschütze  auf  Tragtieren
und  an  Seilen  mie  sich  schleppend,  griffen  die  Bayern  an.  Wie  Geister  tauchten
fie  plötzlich  vor  den  rumänischen  Stellungen  auf  und  warfen  den  völlig  Überraschten
  Feind  von  den  Wulkangipfeln  in  die  südwärts  streichenden  Bergkulissen.
  Der  Rumäne  glitt  von  den  Höhen,  und  am  24.  Oktober  war  der
Vulkanpaß  in  deutscher  Hand.

Sienemaniis  chichte  bes  Krieges  IV  1