Bolitische und Aulturelle Zuftände der Germaneır. 2
handwerfs, galt al3 des freien Mannes unmwürdig, machte jich aber
doch, von römischen Gefangenen gebt und gelehrt, wohltätig geltend
und bald unentbehrlih. Für die einfachen Bedürfnifje des Haufes
forgten jpinnend und webend die Frauen und Töchter. Auch
die Arbeit der Zandwirtichaft, die Bejtellung des Aders, die Wartung
des DViehs blieb ihnen und den Snechten, während der freie
Mann der Sagd oblag, und wenn er nicht al3 Krieger zu Felde
(ag, am Herde gejtredt oder fonjtwie dem Müßiggang frönte.
Die neue Zeit, die durch den Zufammenftoß mit Rom heraufftieg,
führte vafch zu einiger Weiterbildung der einfachen Staat3-und
Heereseinrichtungen. Man unterjchted Gemeinfreie, Kuechte,
Freigelafjene einer höheren und einer niederen Ordnung, und Hörige,
„ziten” genannt; ein Adel Hatte wie überall fi) nach und nad)
durch Ungleichheit des Herdenbefiges, durch Unterjchiede der Intelligenzg
und demgemäß auch der Autorität Herausgebildet und
gewann in den Berfammlungen der Gemeinde, de8 Gaus, des
gejamten Stammes, wie in den zahlreichen Kriegen und Fehden
eime führende Stellung E3 gab Stämme, VBollsgemeinjchaften,
in denen fchon ein König, aus den vorwaltenden Geichlechtern
gewählt, dem Regiment größere Stetigfeit verlieh: bei dem großen
Bolf im Süden, den Sueven, finden wir einen folchen nicht, Berjammlungen
und etwas wie gemeinfame Regierung nur bei bejonderen
Gelegenheiten, überhaupt wenig unmittelbare Eingreifen
der Gejamthett. Ein fühner und einflußreicher Manı wie jener
Ariovift jammelt fi) die Leute zu emem großen Kriegsgeichäft
und Söldnerunternehmen und eine neue und zufunftsoolle Art
von Vereinigung bildete fich durch das Gefolgichaftsweien, den
comitatus, wie e3 der Römer nennt. 3 Jind Frewwillige, Die
ich einem Führer, bei Gelegenheit eines Kriegszugs etwa, auf
Zod und Leben verbinden und verpflichten; ihr Lohn befteht in
Beute, Gefchenfen des Führers und Friegeriichem Ruhm; fie haben
eine gemeinjame Ehre, fie dürfen den Führer, der Führer darf fie
wicht verlaffen. Der Krieg, den ein Stamm gegen den andern
führt, zieht auch junge Männer aus unbeteiligten Stämmen herbei.