Volltext : Sachsen-Chronik Erste Serie. (1)

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Von  wirklich  wissenschaftlichem  Werthe  und  zugleich  dankenswerth
  sind  die  Mittheilungen  der  deutschen  Gesellschaftslieder  des
16.  und  17.  Jahrhunderts  von  Hoffmann  von  Fallersleben;  nicht
uninteressant  war  zuweilen  das  Feuilleton;  die  Darstellungen  Dresdener
  Umstände  aber  waren  nicht  immer  ganz  treu,  lauter  und  wahr,
und  wo  sie  es  waren,  meistens  nicht  ganz  gemüthlich,  daher  oft
beleidigend,  so  daß  der  Getroffene  nicht  auf  die  Seite  der  Lacher
mit  treten  konnte.  —  Der  neuen  Redaction  („oft  unbarmherzige“)
Kritik  (sagen  die  Leute  was  wir  auch  nicht  beurtheilen  können),
rief  schon  im  ersten  Jahre  Streitschriften  gegen  sich  hervor,  von
denen  wir  nur  eine  erwähnen  wollen,  welche  1844  im  Verlag  der
gewesenen  Sillig'schen  Buchhandlung  in  Dresden  erschien  unter  dem
Titel:  „die  junge  Dresdener  Abendzeitung,  und  der  im  Irrgarten  der
Kritik  herumtaumelnde  Redacteur.  Ein  Lobpsalm  von  Paul  Jones“,
mit  der  Titelreverse:  „Ich  will  ihn  berühmt  machen  vor  allem
Volke.“  —  Ob  diese  Flugschrift  wirklich  in  ihrer  Pseudonymität
in  dem,  was  sie  von  Robert  Schmieder  zum  Theil  gewaltig
geifert,  Recht  hat,  können  wir  gleichfalls  nicht  entscheiden,  und  begnügen
  uns  hier  nur  zur  Charakterisirung  dieser  Schrift  folgende
Stelle  wörtlich  anzuführen.  S.  5  heißt  es:

„Nein,  meine  Leser,  wirklich  verjüngt  ist  die  gute  Vespertina
nicht  —  sie  ist  vielmehr  seit  Th.  Hell  aufhörte  und  Herr  Dr.  Robert
Schmieder  anfing,  sie  zu  redigiren,  so  gut  wie  wir  andern  Sterblichen
mit  jedem  Tage  älter  geworden  und  —  wie  dies  bei  alten  Damen  oft
vorkommt  —  etwas  boshafter  und  bissiger  Natur  —  doch  alles  in
Liebe  und  Güte,  und  nur  ihrem  jungen  Gatten  zu  Gefallen.  Dieser
junge  Gatte  nämlich  war,  beror  er  für  die  alte  Dame  in  Liebe  entbraunte,
  ein  völlig  unsichtbarer  Stern  am  literarischen  Himmel  gewesen
  und  wir  selber,  die  wir  doch  ein  ziemlicher  Sternkundiger  uns  zu
sein  schmeicheln,  wußten  Anfangs  nicht:  was  wir  aus  dem  Namen
Robert  Schmieder  und  aus  dem  Stern,  der  sein  Licht  von  Vespertineus
  Lämpchen  entlehnte,  machen  sollten.  Indeß:  Herr  Dr.  Robert
Schmieder  half  uns  bald  selber  aus  allen  Zweifeln  heraus.  Das  Programm
  seiner  verjüngt  erscheinenden  Abendzeitung  verhieß  Wunderdinge,
indem  es  ihn  selber  als  „Mann  der  Bewegung“,  wo  nicht  für  ganz
Europa  —  oder  doch  ganz  Sachsen,  so  doch  für  ganz  Dresden  manifestirte.
  Nun  ist  es  gewiß,  daß  ein  „Mann  der  Bewegung“  dem  guten
  Dresden  und  seinen  Bewohnern  gar  nicht  schaden  könnte.  Wir

und  eben  deshalb  viel  zu  wenig  davon  wissen,  als  daß  wir  uns  ein  Urtheil  über  ihre
schöngeistigen  Leistungen  anmaßen  sollten,  nicht  entscheiden.  —  Der  Dresdner
Museumsbau  gab  der  Abendzeitung  ebenfalls  Gelegenheit,  einen  Fehdehandschuh
zu  werfen;  ob  ihn  Jemand  aufgehoben,  ist  uns  bisher  unbekannt  geblieben,  und
gehört  auch,  genau  genommen,  unter  die  Geschichte  des  Baues  dieses  neuen
Museums,  worüber  wir  später  an  einem  andern  Orte  sprechen  werden.  —