Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1872. (6)

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Wird  durch  die  Pflichtwerletzung  im  Felde  die  Gefahr  eines  erheblichen
Nachtheils  herbeigeführt,  so  tritt  Festungsstrafe  nicht  unter  Einem  Jahre,  und
wenn  die  Pflichtverletzung  vor  dem  Feinde  begangen  ist,  Freiheitsstrafe  nicht
unter  zehn  Jahren  ein.  §. 142

Wer  durch  Fahrlässigkeit  in  der  Wahrnehmung  seines  Dienstes  eine  erhebliche
  Beschädigung  eines  Schiffes  oder  dessen  Zubehörs  herbeiführt,  wird  mit
Freiheitsstrafe  bis  zu  drei  Jahren  bestraft;  in  schwereren  Fällen  kann  zugleich
auf  Dienstentlassung  erkannt  werden.

§.  143.

Wer  als  Befehlshaber  einer  militärischen  Wache,  eines  Kommandos  oder
einer  Abtheilung,  oder  wer  als  Schildwache  oder  als  Posten  eine  strafbare
Handlung  wissentlich  begehen  läßt,  welche  er  verhindern  konnte  und  zu  verhindern
dienstlich  verpflichtet  war,  wird  ebenso  bestraft,  als  ob  die  Handlung  von  ihm
selbst  begangen  wäre.  §  144  .

Wer  einen  Gefangenen,  dessen  Beaufsichtigung,  Begleitung  oder  Bewachung
ihm  anvertraut  ist,  vorsätzlich  entweichen  läßt,  oder  dessen  Befreiung  vorsätzlich
bewirkt  oder  befördert,  ingleichen  wer  eine  von  seinem  Vorgesetzten  ihm  befohlene
oder  eine  ihm  dienstlich  obliegende  Verhastung  vorsätzlich  nicht  zur  Ausführung
bringt,  wird  mit  mittlerem  oder  strengem  Arrest  nicht  unter  vierzehn  Tagen  oder
mit  Gefängniß  oder  Festungshaft  bis  zu  fünf  Jahren  bestraft;  auch  kann  neben
Gefängniß  auf  Versetzung  in  die  zweite  Klasse  des  Soldatenstandes  erkannt  werden.

Ist  die  Entweichung  des  Gefangenen  nur  durch  Fahrlässigkeit  befördert
oder  erleichtert  worden,  oder  ist  die  Verhaftung  nur  aus  Fahrlässigkeit  unterblieben,
  so  tritt  Freiheitsstrafe  bis  zu  sechs  Monaten  ein.

§.  145.

Eine  Person  des  Soldatenstandes,  welche  bei  einem  ihr  übertragenen  Geschäfte
  der  Heeres-  oder  Marineverwaltung  eine  Handlung  begeht,  welche  im
Sinne  der  allgemeinen  Strafgesetze  ein  Verbrechen  oder  Vergehen  im  Amte
kankeiit  ist  nach  den  in  jenen  Gesetzen  für  Beamte  gegebenen  Bestimmungen  zu
bestrafen.

Elfter  Abschnitt.
  Sonstige  Handlungen  gegen  die  militärische  Ordnung.
§.  146.

Wer  ohne  Erlaubniß  die  Wache  oder  bei  einem  Kommando  oder  auf  dem
Marsche  seinen  Platz  verläßt,  wird  mit  Arrest  bestraft;  im  Felde  tritt  mittlerer
oder  strenger  Arrest  oder  Gefängniß  oder  Festungshaft  bis  zu  sechs  Monaten  ein.

§.  147.

Wer  die  ihm  obliegende  Beaufsichtigung  seiner  Untergebenen  in  schuldhafter
  Weise  verabsäumt,  oder  wer  die  ihm  obliegende  Meldung  oder  Verfolgung
strafbarer  Handlungen  seiner  Untergebenen  vorsätzlich  unterläßt,  wird  mit  Frei-