Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1872. (6)

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Der  höchstkommandirende  eines  Kontingents,  sowie  alle  Offiziere,  welche
Truppen  mehr  als  eines  Kontingents  befehligen,  und  alle  Festungskommandanten
werden  von  dem  Kaiser  ernannt.  Die  von  demselben  ernannten  Offiziere  leisten
Ihm  den  Fahneneid.  Bei  Generalen  und  den  Generalstellungen  versehenden
Offizieren  innerhalb  des  Kontingents  ist  die  Ernennung  von  der  jedesmaligen
Zustimmung  des  Kaisers  abhängig  zu  machen.

Der  Keiser  ist  berechtigt,  behufs  Versetzung  mit  oder  ohne  Beförderung
für  die  von  Ihm  im  Reichsdienste,  sei  es  im  preußischen  Heere  oder  in  anderen
Kontingenten  zu  besetzenden  Stellen  aus  den  Offizieren  aller  Kontingente  des
Reichsheeres  zu  wählen.

Artikel  65.

Das  Recht,  Festungen  innerhalb  des  Bundesgebiens  anzulegen,  steht  dem
Kaiser  zu,  welcher  die  Bewilligung  der  dazu    erforderlichen  Mittel,  soweit  das
Ordinarium  sie  nicht  gewährt,  nach  Abschnitt  XII.  beantragt.

§.  2.

Das  in  der  Anlage  beigefügte  Reichsgesetz  vom  9.  November  1867,  die  Verpflichtung
  zum  Kriegsdienste  betreffend  (Bundesgesetzbl.  für  1867  S.  131),  wird
hierdurch  in  Elsaß-Lothringen    eingeführt.  Dasselbe  findet  auf  die  vor  dem
1.  Januar  1851  geborenen  Angehörigen  von  Elsaß-Lothringen  keine  Anwendung.

Die  Musterung  der  nach  diesem  Zeitpunkte  geborenen  Wehrpflichtigen  beginnt
  im  Oktober  1872,  die  Zahl  der  einzustellenden  Wehrpflichtigen  richtet  sich
nach  dem  anliegenden  Reichsgesetze  vom  9.  Dezember  1871.

Hinsichtlich  der  Zulassung  zum  einjährigen  Dienste  —  §.  11  des  Gesetzes
  —  sowie  bei  Beurtheilung  der  auf  häusliche  etc.  Verhältnisse  gegründeten
Anträge  auf  Befreiung  vom  Militairdienst,  soll  während  der  nächsten  Jahre  auf
die  besonderen  Verhältnisse  von  Elsaß-Lothringen  Rücksicht  genommen  werden.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Kaiserlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  23.  Januar  1872.

(L.  S.)  Wilhelm.
Fürst  v.  Bismarck.

Das  Reichsgesetz  vom  9.  Dezember  1871,  betreffend  die  Friedenspräsenzstärke  des
deutschen  Heeres  etc.,  ist  im  Reichs-Gesetzblatt  für  1871  S.  411—412  abgedruckt.