186 Buch II. Kap. 3.
tbun 39). Und schon 120 Jahre vor der Entstehung des
Amadis hatte die wüste Wirklichkeit ritterlicher Courtoisie
so garstige Bilder von fraulichem Sinnen und Trachten
in den Spiegel der Dichtung geworfen, daß ein altfranzösischer
Poet, welcher vorher feurigste Minnelieder gedichtet,
Guiot de Provins, sich veranlaßt sah, in seiner
um das Jahr 1206 geschriebenen „Bible“ in wegwerfendster
Weise von den Frauen zu reden 10).
39) Ich habe, indem ich dieses schreibe, die älteste deutsche
Uebersetzung des seiner Zeit weltberühmten Buches vor mir liegen:
— „Des Streitbaren Helden Amadis aus Frankreich sehr schöne
Historien“ u. s. w. Frankfurt a. M. 1583. Es reicht, von allem
Uebrigen abgesehen, zur Bestätigung des im Text Gesagten schon
hin, das Abenteuer der Prinzessin Elisena und der Darioletta mit
dem König Perion (Fol. 2) und das Abenteuer der Tochter des
Grafen von Seeland (Fol. 31) mit demselben Herrn anzusehen.
40) Des Guiot v. Pr. auf uns gekommene Werke herausgeg.
v. Wolfart und San-Marte (1860), S. 4. —
Nuns ne pot onques acomplir
Voloir de famme, C'est folie
De cherchier lor estre et lor vie,
Quant li saige n'i voient goute.
Famme ne crient, famme ne doute,
Famme ne fu onques vaincue,
Ne apartement connéue;
Quant li beil plorent, li cuers rit,
Pou pensse à ce qu’eele me dit.
Ains nulle ne sot duel avoir,
Molt lor pert bien de lor savoir;
Quant qwelle ait en sept ans amé,
Ait-elle en un jor oblié.