Full text : Kriegsbuch. Achter Band. (8)

80  Flottensache.

Verlegenheit,  da  er  nicht  wisse,  wie  er  sich  diesem  Votum  gegenüber  zu  verhalten  habe,
welches  Rechtsdeduktionen  enthielte,  deren  Aufnahme  in  das  Protokoll  nicht  geeignet
schiene,  weshalb  er  vorschlüge,  diese  Mitteilung  mehr  als  eine  vertrauliche  zu  betrachten.
Demnächst  nahm  Herr  von  Schele  das  Wort  und  erörterte,  diese  preußische  Erklärung
zerfalle  in  drei  Teile:  1)  Beschleunigung  der  Angelegenheit;  2)  die  in  Dresden  zugesagte
  Einzahlung  —  mit  diesen  beiden  Punkten  sei  er  einverstanden.  Allein  bei  dem  dritten
Punkte,  Berichtigung  der  Umlage  vom  8.  Juli  d.  J.,  stelle  Preußen  Bedingungen,  von
denen  es  nicht  berechtigt  sei,  seine  Leistungen  abhängig  zu  machen.  Namentlich  verlange
  Preußen  eine  dahingehende  Entscheidung,  daß  die  Flotte  als  Bundeseigentum
nicht  anzusehen,  ehe  es  seiner  Verpflichtung  aus  der  Matrikularumlage  vom  8.  Juli  d.  J.
genügen  wolle.  Ein  solches  Verlangen  stehe  geradezu  im  Widerspruch  mit  dem  Bundesbeschlusse
  vom  6.  September  d.  J.,  nach  dessen  Inhalt  und  namentlich  nach  dessen  Motiven
diese  Frage  ausdrücklich  ausgesetzt  bleiben  solle.  Er  müsse  sich  daher  gegen  die  Annahme
  einer  jeden  unter  solchem  Präjudiz  geleisteten  Zahlung  verwahren.

Ich  setzte  der  Auffassung  beider  Herrn  entgegen,  daß  ich  mich  rücksichtlich  der  Verbindlichkeit
  Preußen[s]  aus  der  Umlage  vom  8.  Juli  d.  J.  lediglich  auf  die  Erklärung
beziehen  müsse,  welche  mein  Herr  Amtsvorgänger  am  30.  Juli  d.  J.  abgegeben  habe.  Ich
bestritt  wiederholt  die  Berechtigung  der  Majorität,  für  andere  Zwecke  als  organische
Bundeseinrichtungen  den  Bundesmitgliedern  Verpflichtungen  zu  Zahlungen  aufzulegen.
Ich  äußerte,  auf  eine  Divergenz  der  Ansichten  bezüglich  der  deutschen  Flotte  nicht  eingehen
  zu  wollen  mit  dem  Zusatze,  daß  die  preußische  Erklärung  hierzu  auch  keine  Veranlassung
  darböte.  Sie  enthalte  die  Rechtsauffassung  meiner  Ah.  Regierung,  und  sei  es
den  anderen  Regierungen  ja  unbenommen,  auch  ihre  etwa  entgegenstehende  Rechtsansicht
geltend  zu  machen.

Ich  glaubte  darauf  bestehen  zu  müssen,  daß  die  Erklärung  in  der  Form  der  Anlage  in
das  Protokoll  aufgenommen  werde,  weil  im  Falle  der  Nachgiebigkeit  ein  Fallenlassen
des  vom  Generalleutnant  von  Rochow  am  30.  Juli  d.  J.  eingelegten  Protestes  gegen
die  Gültigkeit  des  Beschlusses  vom  8.  Juli  gefolgert  werden  könne.  Ich  legte  einen  besonderen
  Wert  darauf,  der  Auffassung  und  Stellung  der  K.  Regierung  zu  dieser  Frage
einen  offiziellen  Ausdruck  zu  geben,  als  ich  mich  aus  dem  Schreiben  des  Fürsten  Schwarzenberg,
  welches  E.  E.  unter  dem  20.  v.  M.  mir  gewogentlichst  mitteilten,  wie  aus  der  Haltung
  meiner  Kollegen  in  dieser  Frage  und  namentlich  der  Gesandten  derjenigen  Staaten.
welche  zu  der  aus  preußischen  Mitteln  vorzugsweise  geschaffenen  Flotte  die  erste  Zahlung
noch  nicht  geleistet  haben,  im  ganzen  Laufe  der  Verhandlungen  habe  überzeugen  können,
wie  wenig  Anerkennung  und  Berückssichtigung  die  Opfer  finden,  welche  Preußen  auf  diesem
Felde  bereits  gebracht  und  noch  bringen  könnte,  und  wie  wenig  eine  Nachgiebigkeit  von
unserer  Seite  ein  gleich  entsprechendes  Entgegenkommen  in  diesen  oder  in  anderen  Fragen
erwarten  läßt.

Diese  Auffassung  habe  ich  zwar  nicht  ausdrücklich  in  der  Versammlung  geltend  gemacht,
  vielmehr  bin  ich  mit  Erfolg  bemüht  gewesen,  Prinzipienstreitigkeiten  zu  vermeiden.
Sie  ist  mir  aber  maßgebend  geblieben,  wenn  ich  bei  meinem  Verlangen,  die  Erklärung  in                                                                                                                                                 __________                                                                                                                                                       setze Preußen voraus, daß die Bundesversammlung beschließe,  daß die Flotte ferner nicht als Eigentum  des Bundes beizubehalten sei. mithin entweder von den Soldaten,  welche eine Nordseeflottille bilden wollten,   gegen Erstattung des Taxwertes   übernommen oder aufgelöst werde,   und daß dieser  Beschluß so zeitig erfolge, daß er jedenfalls noch vor Ablauf des Jahres 1851 und zwar dergestalt in Ausführung gebracht werde, daß es keiner ferneren Einzahlung zur Unterhaltung jener Flotte bedürfe.