Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Ein  Augriff  gegen  dle  französtsche  Armee  konnte  überhaupt  nicht  zur  Vermnlchtungeschlacht
  —  er  konnte  im  allergünstigsten  Falle  zu  einer  Zurückdrängung
der  französischen  Front  in  das  hinter  ihr  liegende  Frankrelch  führen  —  wenn'e
boch  kam,  zur  Einnahme  von  Paris.  Dle  französische  Armee  hatte  Platz  zum
Auewelchen.  Selt  der  Marneschlacht  wußte  man,  was  das  selbst  unter  den
Größenverhältusssen  elnes  westllchen  Landes  zu  bedeuten  haben  konnte.

Einzlg  dle  engllsche  Armee  war  durch  lhre  Aufstellung  mit  dem  Rücken  zum
lmmerhin  noch  um  durchschnittlich  100  Kilometer  entfernten  Meer  in  lhren
Sle  konnte  „gegen  dle  Wand  gedrückt  werden“.
Eln  Vorstoße  aus  der  Linje  Arras-La  Fere  mlt  dem  allgemelnen  Zlel  auf  Amiens
und  ble  zur  Seeküste  bel  Abbevllle  oder  gar  bel  Dieppe  durchgeführt,  konnte  die
englische  Armee  von  der  französischen  trennen.  Gelang  es  dann,  gegen  die  franz3ösische
  elne  Abriegelungeflanke  zu  bllden,  so  konnte  dle  englische  zwischen
Somme  und  See  zur  Vernlchtungeschlacht  gestellt  werden.  Eine  auf  dem  Papler
kwatsellee,  ideale  Operatlon.  Sie  hat  Ludendorff  elngestandenermaßen  vorgeschwebt


Dran  diese  Stoß  durch,  so  konnte  der  #ngteaische  Erfolg  allerdings  eln  6n
walkiger  enindeem  wie  be  pcnelle  d  S#Wlschen  Herres  von  den  fran  ösischen
2—  un  fle  dann  gegen  die  Koste  rrenge

Aber  ee  schelnt,  als  ob  Ludendorff  selber  keinen  rechten  Glauben  an  die
tatsächllche  Durchführbarkelt  diesee  theoretisch  elnwandfrelen  Plans  gehabt
habe.  Sollte  er  Überbaupt  gelingen,  so  war  die  Vorbedlugung  eln  durchschlagender
  Anfangeerfolg.  Eines  war  unbedingt  zu  vermeiden:  das  „Festrennen  ln
einer  sogenannten  Materlalschlacht.  Wir  mußten  elnen  großen,  wenn  möglich
überraschenden  Schlag  anstreben“.  So  faßt  Hindenburg  das  Problem.  Aber
auch  er  macht  schon  den  Vorbehalt:

„Gela  ars  3  9  nicht,  *  einen  Hieb  den  eswolichen,  erarnn  zum  Jusammen

bruch  zu  bringen,  dann  en  diesem  ersten  Schlag  weltere  Schläge  an  anderen
Stellen  der  ——n  glten  btelee  selgen,  bis  2**  —  errelcht  war.

Und  dazu  sollten  dle  deutschen  Heere  von  lols  gegenüber
der  Ubermacht  der  Entente  noch  dle  Kraft  besltzen?!

Noch  bedenkllcher  stimmt  es,  wenn  Ludendorff  in  elnem  Vortrage,  den  er
am  13.  Februar  dem  Kaiser  ln  Homburg  über  die  Aussichten  der  Offensive  abgestattet
  hat,  seine  Erwartungen  also  ausdrürckt:

kurlbt  kaoeene  d  bleine  Uilalim  kaden  kerrderen15
linnt,  sich  an  der  anderen  fortsett  und  iange  Zeit  in  Anspruch  nehmen  wierd,  das
chwer  ist,  aber  flegreich  sein  wird

Die  große  Operation  schwebte  also  der  O.  H.  L.,  um  mlt  Hlndenburg  zu
reden,  wohl  als  „krlegerlsches  Ideal“  vor,  aber  doch  offenbar  als  eln  solches,
das  zu  errelchen  dle  Aussichten  lhr  selber  ulcht  allzu  gunstig  schienen.  Sie  hat
sich  also  offenbar  kelnen  allzu  lebhaften  Illusionen  über  das  im  ersten  Anlauf
Errelchbare  hingegeben.  Wenn  sie  aber  auf  der  einen  Selte  „den  großen,  wenn
möglich  überraschenden  Schlag“  anstrebte,  auf  der  anderen  slch  auf  dle  Notwendlgkelt
  „welterer  Schläge  an  anderen  Stellen“  einichtete,  so  mußte  sle  dle  doch

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