Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1899. (33)

—  569  —

Vorschrift  das  Gepäck  verschleppt,  so  haftet  die  Eisenbahn  nicht  für  den  daraus
erwachsenen  Schaden.
9.  32.
Auflieferung  des  Gepäcks.  Gepäckscheine.

u))  Die  Abfertigung  des  Reisegepäcks  erfolgt  innerhalb  der  im  §.  13  Abfs.  1
für  den  Verkauf  der  Fahrkarten  festgesetzten  Zeit.

(2)  Die  Abfertigung  von  Gepäck,  welches  nicht  spätestens  15  Minuten  vor
Abgang  des  Zuges  bei  der  Gepäck-Abfertigungsstelle  aufgeliefert  ist,  kann  nicht
beansprucht  werden.  Fahrzeuge,  welche  zur  Beförderung  als  Reisegepäck  zugelassen
werden  (I.  30  Abs.  2),  müssen  2  Stunden  vor  Abgang  des  Luges  angemeldet
und  spätestens  1  Stunde  vorher  zur  Abfertigung  aufgeliefert  werden;  auf
Zwischenstationen  kann  auf  eine  Beförderung  derselben  mit  dem  vom  Absender
gewünschten  Zuge  nur  dann  gerechnet  werden,  wenn  sie  24  Stunden  vorher  angemeldet
  worden  sind.

(3)  Bei  Abfertigung  des  Gepäcks  ist  dem  Reisenden  ein  Gepäckschein  auszuhändigen.


C)  Die  Gepäckfracht  ist  bei  der  Abfertigung  zu  entrichten.

(5)  Wird  in  dringenden  Fällen  Gepäck  ausnahmsweise  unter  Vorbehalt
späterer  Abfertigung  unabgefertigt  zur  Beförderung  zugelassen,  so  wird  es  bis
zum  Zeitpunkte  der  Abfertigung  als  zum  Transport  aufgegeben  nicht  angesehen.

(6)  Dasselbe  gilt  für  die  Annahme  von  Reisegepäck  auf  Haltestellen  ohne
Gepäckabfertigung.

C)  Für  die  Abfertigung  von  Fahrrädern  können  durch  die  Tarife  besondere
Vorschriften  gegeben  werden.

g.  33.
Auslieferung  des  Gepäcks.

()  Das  Gepäck  wird  nur  gegen  Rückgabe  des  Gepäckscheins  ausgeliefert.
Die  Eisenbahn  ist  nicht  verpflichtet,  die  Berechtigung  des  Inhabers  zu  prüfen.

()  Der  Inhaber  des  Gepäckscheins  ist  berechtigt,  am  Bestimmungsorte  die
sofortige  Auslieferung  des  Gepäcks  an  der  Ausgabestelle  zu  verlangen,  sobald
nach  Ankunft  des  Zuges,  zu  welchem  das  Gepäck  aufgegeben  wurde,  die  zur
ordnungsmäaßigen  Ausladung  und  Ausgabe  sowie  zur  etwaigen  zoll=  oder  steueramtlichen
  Abfertigung  erforderliche  Zeit  abgelaufen  ist.

(s)  Werden  Gepäckstücke  innerhalb  24  Stunden,  Fahrzeuge  innerhalb
2  Stunden  nach  Ankunft  des  Zuges  nicht  abgeholt,  so  ist  das  tarifmäßige
Lagergeld  oder  Standgeld  zu  entrichten.  Kommt  das  Fahrzeug  nach  6  Uhr
Abends  an)  so  wird  die  Abholungefrist  vom  nächsten  Morgen  6  Uhr  ab
gerechnet.

(1)  Wird  der  Gepäckschein  nicht  beigebracht,  so  ist  die  Eisenbahn  zur  Auslieferung
  des  Gepäcks  nur  nach  vollständigem  Nachweise  der  Empfangsberechtigung
gegen  Ausstellung  eines  Reverses  und  nach  Umständen  gegen  Sicherheit  verpflichtet.