Full text : Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten. Erster Theil, Erster Band. (1)

270  Erster  Theil.  Fünster  Titel.

§.  328.  Kann  oder  will  er  dieses  nicht,  so  hat  es  bei  dem  Kontrakte  sein  Bewenden
  5%),  und  der  Empfänger  kann  von  dem  Geber  nur  so  viel  an  Vergütung  fordern,
  als  die  Sache  wegen  der  fehlenden  Eigenschaft  weniger  werth  ist  7).
Taden  §.  329.  Fehlen  der  Sache  solche  Eigenschaften,  die  dabei  gewöhnlich  vorausgegewöhmuch
  setzt  werden  "#),  so  finden  die  Vorschriften  des  vierten  Titels  §§.  81.  82  Anwendung#).

vorauegegeöter

  Echen-  §.  330.  Ist  also  der  Fehler  in  die  Augen  fallend  70)  und  der  Empfänger  hat  die
schasten,  !

gung  des  Käufers  Über  einen  geringen  Theil  der  Quantität  derselben  die  bei  der  Gewährleistung  dem
Empfänger  nach  §.  327  obliegende  Rückgabe  der  Sache  in  dem  Stande,  wie  er  sie  erhalten  hat,  nicht
ummöglich,  insofern  der  Empfänger  erbötig  ist,  die  verbrauchte  Quantität  zu  ersetzen.  Erk.  des  Obertr.
v.  28.  Febr.  1854  (Arch.  s.  Rechtsf.  Bd.  XII,  S.  192).

66  a)  (4.  A.)  Er  ist  mithin,  nachdem  er  dem  Geber  gegenüber  einmal,  wenn  auch  sormlos,  doch
ausdrücklich  erklärt  hat,  daß  er  die  Sache  demselben  gegen  Rückempfang  des  Preises  nicht  zurückgeben
wolle,  der  Befugniß  zum  Rücktritte  vom  Vertrage  für  immer  verlustig.  Erk.  d.  Obertr.  vom  19.  Mai
1855  (Arch.  f.  Rechtsf.  Bd.  XVII,  S.  201).

67)  Der  Anspruch  eines  Erbpächters  an  den  Erbverpächter  auf  Vergütung  des  Minderwerths  des
Erbpachtsrechts  wegen  einer  sehlenden  ausdrücklich  vorbedungenen  Eigenschaft,  kann  nur  auf  Minderung
  oder  Erlaß  des  Erbpachtszinses  gerichtet  werden.  Pr.  629,  v.  16.  März  1839.  Der  Grundsatz
  gilt  auch  bei  Zeitpachtungen,  kann  aber  nicht  aus  der  Lehre  von  der  Gewährleistung,  sondern  nur
aus  der  von  der  Vorleistung  bei  Pachtungen  und  Miethen  abgeleitet  werden.  Vergl.  oben  die  Aum.  60  a.  C.

(3.  A.)  Der  Empsänger  hat  unter  der  Voraussetzung,  daß  er  die  Sache  in  dem  empfangenen
Zustande  zurückzugeben  vermag,  die  Wahl  zwischen  der  Wandelungsklage  und  der  Minderungsklage.
Veide  Klagen  haben  ein  gemeinsames  Fundament:  den  Vertrag  und  den  Fehler;  die  Wahl  und  die
Bedingung  der  Wahl  gehoren  nicht  zur  Begründung  des  Klagerechts.  Wenn  daher  die  Wandelungsliage
  rechtekräftig  zurückgewieisen  wird,  nicht  deshalb,  weil  es  an  der  Bedingung  der  Wahl  fehlt,  sonderu
  deshalb,  weil  das  gemeinsame  Erforderniß,  nämlich  der  gerügte  Fehler,  nicht  vorhauden  oder
nicht  erwiesen  ist;  so  kann  nicht  mehr  zur  Minderungsklage  gesrtiften  werden,  weil  über  deren  Grund
bereits  rechtskräftig  geurtheilt  ist.  Deshalb  findet  gegen  die  Minderungsklage,  in  dem  besprochenen
Falle,  die  e#xceptio  rei  judicatse  statt.  Erk.  des  Obertr.  vom  17.  Juni  1856  (Entsch.  Bd.  XXXI7,
S.  753).

68)  Z.  B.  die  Eigenschaft  der  Kursfähigkeit  eines  auf  den  Inhaber  lautenden  öffentlichen  Geldpapiers.
  Pr.  1938,  vom  28.  Oktober  1847  (Entsch.  Bd.  XVI.  S.  114).  (4.  A.)  Oder  wenn  ein
Banquier  ein  aufgebotenes  und  demnächst  mortifizires  Werthpapier  an  einen,  der  nicht  Banquier  ist,
verkauft.  (5.  A.  Dies  bezieht  sich  auf  den  Verkauf  eines  aufgebotenen  Papiers  in  der  Jeit  zwischen
dem  öffentlichen  Aufruse  und  dem  Amortisationsbeschlusse:  in  dieser  Zeit  ist  das  noch  existente  Papier
  als  ein  fehlerhaftes  anzusehen.  Wird  aber  ein  bereits  amortisirtes  Papier  verkauft,  so  greifen
die  Grundsätze  über  Gewährleistung  wegen  Mangels  vorausgesetzter  Eigenschaften  und  die  für  daraus
entstehende  Ansprüche  vorgeschriebenen  kurzen  Verjährungsfristen  (Ss.  843,  344]  nicht  Platz,  da  es
sich  dann  nicht  sowohl  um  den  Mangel  einer  solchen  Eigenschaft  des  Papiers,  sondern  darum  handelt,
daß  die  Sache  gar  nicht  mehr  existirte,  also  um  das  Vorhandensein  des  Objekts  selbst.  Der  Käufer
dat  das,  was  er  kaufte  —  eine  existente  Aktie  —  noch  nicht  erhalten  und  der  Anspruch  auf  Aughändigung
  einer  solchen  ist  jenen  kurzen  Berjährungefristen  nicht  unterworfen.  Erk.  des  Obertr.  vom
21.  Juni  1864,  Arch.  f.  Rechtss.  Bd.  LVI,  S.  78.)  Ist  der  Käufer  selbst  Banquier,  so  kann  er
wegen  seiues  eigenen  Versehens,  außer  dem  Falle  des  Dolus,  keinen  Anspruch  machen.  Dagegen
ist  der  andere  Adweisungsgrund  des  Obertr.  in  dem  Erk.  vom  17.  März  1859  (Entsch.  Bd.  Xl/1,
S.  39),  weil  der  Käufer  die  fehlerhaft  befundene  Sache,  obschon  ohne  eigenes  Verschulden,  nicht  mehr
in  dem  frllheren  Stande,  nachdem  die  Papiere  amortisirt,  zurückgewähren  kann,  hier  eben  sowenig
haltbar,  wie  bei  dem  Kausfe  eines  Thiers,  welches  an  den  Folgen  einer  bei  der  Uebergabe  nicht  sichtbaren
  Krankheit  stirbt.  Vergl.  die  Anm.  66,  Abs.  2,  und  die  Anm.  65  à

69)  Dies  ist  der  eigentliche  Fall  der  ädilitischen  Hülssklagen,  da  die  Kontraktsklage  bei  Irrthümern
  in  Nebendingen  nicht  hilst.  S.  oben  Anm.  59  zu  §.  317.  Vergl.  unten  Anm.  375  zu  §.  196,
it.  11.

70)  Das  ist  in  jedem  einzelnen  Falle  besonders  zu  befinden.  (4.  A.)  Wird  in  dem  Umstande,
daß  der  Käuser  nicht  Sachverständiger  sei,  Veranlassung  gefunden,  ihm  ein  Versehen  nicht  beizumessen,
so  ist  dies  nicht  zu  mißbilligen.  Erk.  des  Obertr.  v.  17.  Febr.  1857  (Arch.  f.  Rechtsf.  Bd.  XXIII,
S.  319).  (5.  A.)  Gemeinrechtlich  werden  die  Klagen  aus  dem  ädilitischen  Cdikle  nach  der  richtigen
Ansicht  alsdann  nicht  ausgeschlossen,  wenn  der  vorhandene  Fehler  auch  nur  ein  in  der  Art  verborgener,
  daß  derselbe  bloß  dem  Auge  des  Kenners  sichtbar  ist.  Erk.  dess.  vom  15.  April  1862  (Archiv
s.  Rechtsf.  Bd.  XIIV.  S.  299).  Daß  im  preußischen  Rechte  ein  anderer  Grundsatz  nicht  gilt,  ist
nicht  zweifelhaft.  Erk.  dess.  vom  25.  Februar  1864  (Arch.  f..  Rechtsf.  Bd.  LV,  S.  47).