Full text : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

Bücherdrud.  VBerfchlimmerung  der  Lage  des  Reiches  nad)  außen.  409

Teld  gehört  den  Talenten,  den  Männern  vom  zweiten  und  dritten
Rang,  den  vielen  Sutelligenten,  SleiBigen,  Berechnenden,  Namen-(ofen.
  Ihre  Wohnfite,  ihre  Arbeitzpläge,  Bureaus  und  Werfftätten
aber  waren  die  Städte,  die  jest  erit  ihre  volle  Wirffamfeit  und
zugleich  ihren  Egoismus  und  Snterefjengeiit  entfalteten.  Hier,  im
engeren  Naume,  erftand  ein  jehr  rege  und  intenfives  Staat3-  und
Machtgefühl,  ein  wirkffamer  und  gelunder,  wenn  auch  nicht  Durchaus
  |chöner  Lofalpatriotismus,  und  dabei  waren  fie  doch  auch  auf
eine  Bolitif  im  großen,  ihren  Feinden  und  Gegnern  gegenüber,
angewiejen:  fie  wurden  wehrhaft,  waren  mit  Befeitigungswerfen,
Gräben,  Mauern  und  Türmen  verjehen,  bei  deren  Anlage  fie  doch
nicht  nur  dem  nadten  Bedürfnis,  jondern  auch  einer  gewiljen
NRüdficht  auf  architektonische  Wirkung  Nechnung  trugen,  fie  hatten
eigene  Kriegsmittel,  Waffen  und  Gejchübe,  und  bejaßen,  wie  jelbjtverftändlich,
  Das  große  Erziehungsmittel  der  allgemeinen  Wehrpflicht
  und  militärischen  Organtlation  ihrer  Bürger.

Sm  Sahre  1452  hatte  Friedrich  fih  in  Aom  die  Kailerfrone
geholt  und  bei  der  Gelegenheit  au)  das  Gelübde  eines  Kreuzzug8
  geleijtet:  gegenüber  der  neuen  Geftalt,  welche  Die  orientalische
rage  durch  das  Bordringen  der  osmanischen  Macht  für  die  europätiche
  Welt  befommen  hatte,  erhielt  diefes  wieder  einen  guten
Sinn.  Der  Orient  hatte  in  dem  ewigen  Gegeneinander  wieder
die  Dffenfive  ergriffen,  und  ehe  viel  Jahre  vergingen,  wurde  Die
stage  auch  für  Deutichland  fehr  wichtig.  Doch  beunruhigte  man
ih  zunächft  noch  nicht  jonderlih,  da  noch  ein  weiter  Weg
zwiichen  beiden  Welten,  der  chriftlichen  und  der  des  Jslamz,  lag;
auch  fonnte  man  fi)  noch  mit  der  Hoffnung  tröften  auf  eine
Koalition  der  chriftlichen  Welt,  wenn  die  Gefahr  näher  kommen
jollte.  Die  Summe  der  Ereigniffe  ift,  daß  die  mongoliiche  Macht,
welche  im  Anfang  des  Sahrhunderts  die  DSmanen  von  dem  befagerten
  Konjtantinopel  abgerufen  und  in  der  Schlacht  bei  Angora
1402  niedergeworfen  hatte,  nad)  Timurs  Tode  (1405)  wieder  zerfiel
  und  die  oSmanifsche  wieder  aufgerichtet  ihre  Eroberungspotitif
gegen  Weiten  wieder  aufnahm;  daß  die  Herrichaft  des  griechischen