Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1907. (41)

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§  80.
Jeder  Dienstvorgesetzte  ist  zu  Warnungen  und  Verweisen  gegen  die  ihm
untergeordneten  Reichsbeamten  befugt.

§  81.
Geldstrafen    können
1.  von  der  obersten  Reichsbehörde  gegen  alle  Reichsbeamte  und  zwar  bis
zum  höchsten  zulässigen  Betrage  (§  74 Nr. 3),

2.  von  den  derselben  unmittelbar  untergeordneten  Behörden  und  Vorstehern
von  Behörden  bis  zum  Betrage  von  dreißig  Mark

3.  von  den  den  letzteren  untergeordneten  Behörden  und  Vorstehern  von
Behörden  bis  zum  Betrage  von  neun  Mark

verhängt  werden.

§  82.

Vor  der  Verhängung  einer  Ordnungsstrafe  ist  dem  Beamten  Gelegenheit
zu  geben,  sich  über  die  ihm  zur  Last  gelegte  Verletzung  seiner  amtlichen  Pflichten
zu  verantworten.

Die  Verhängung  der  Ordnungsstrafen  erfolgt  unter  Angabe  der  Gründe
durch  schriftliche  Verfügung  oder  zu  Protokoll.

Ist  eine  Geldstrafe  für  den  Fall  der  Nichterledigung  einer  speziellen  dienstlichen
  Verfügung  binnen  einer  bestimmten  Frist  angedroht,  so  kann  nach  Ablauf
der  Frist  die  Geldstrafe  ohne  weiteres  festgesetzt  werden.

§  83.

Gegen  die  Verhängung  von  Ordnungsstrafen  findet  nur  Beschwerde  im
Instanzenzuge  statt.

§  84.

Der  Entfernung  aus  dem  Amte  muß  ein  förmliches  Disziplinarverfahren
vorhergehen.  Die  Einleitung  desselben  wird  von  der  obersten  Reichsbehörde  verfügt.

Das  Disziplinarverfahren  besteht  in  einer  schriftlichen  Voruntersuchung  und
einer  mündlichen  Verhandlung.

§  85.

Die  oberste  Reichsbehörde  ernennt  den  untersuchungsführenden  Beamten  und
diejenigen  Beamten,  welche  im  Laufe  des  Disziplinarverfahrens  die  Verrichtungen
der  Staatsanwaltschaft  wahrzunehmen  haben.

Ist  Gefahr  im  Verzuge,  so  kann  die  Verfügung  der  Einleitung  des
Disziplinarverfahrens  und  die  Ernennung  des  untersuchungsführenden  Beamten
vorläufig  von  einer  der  im  §  81  unter  Nr.  2  bezeichneten  Behörden  oder  einem
der  dort  bezeichneten  Beamten  ausgehen.  Es  ist  alsdann  die  Genehmigung  der
obersten  Reichsbehörde  einzuholen  und,  sofern  diese  versagt  wird,  das  Verfahren
einzustellen.

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Von  dem  Disziplinarverfahren.