numister 18
Mittwos# 20. Jansax 1914
Rosenheim, 19. Januar.
Art dem Felde der Ehre gefallen:
Thomas Rois aus Maffing, Kriegsfreiwilliger
im 17. .. Rgt.: Johaonn Schmidhuber, Sohn
des Maschinisten Schmiohuber in der Brauerei
Wocchinger in Tequnsteig sgterofsiier d. Res.
im 6. rhein. Inf.-RNgt. ; Michael Kreuzrointner,
Sckeerfsoht 8 Seuche Pfarrei
Erharting, Gefr. im Inf-Leib-Rgt.
Ehrenvolle Auszeichnung im Felde.
Von den sieben im Felde stehenden Brüdern
Marey aus Rosenheim hat nun der oritte, Albert
Mareh, welcher im Res.= Iuf.-Agt. Nr. 19 sieht,
das Eiserne Kreuz erhalten. Gleichzeitig wurde
er zum Offizierstellvertreter befördert. Der
Tapfere ist leider seinerzeit schwer verwundet
worden und liegt seither im Lazarett in Augsburg,
wo er jetzt neuerdings an einem Magenleiden
erkrankte. Zwei seiner Brüder haben früher
schon das Eiserne Kreuz erhalten. Wir beglückwünschen
die Tapferen zu dieser ehrenvollen Auszeichnung.
Der Feldwebel Hans Legath aus Bad
Nibling wurde mit dem Verdiensttreuz J. Kl. mit
Schwertern, sein Schwager, Lorenz Obermeier,
Vizefeldwebel und Bataillonslambour, mit dem
Verdienstkreuz 3. Kl. mit Krone und Schwertern
ausgezeichnet. Der K. Förster Herm. Müller,
welcher vor seiner Beförderung als Forstassistent
in Wasserburg wirkte, erhielt als Fahnenträger
das Eiserne Kreuz. Auch der ehem. Pfleger
in Gabersee, Ludwig Blank aus Ellerding,
GEde. Amerang, Unteroffizier im 2. Res.-Juf.=Reg.,
wurde mit dem Eisernen Kreuze ausge-*
zeichnet. Major a. D. Eckert, Bezirksoffizier
beim Bezirkelbmmando Waiserburg, erhielt den
Militärverdienstorden 4. Kl. mit Krone und
Schwertern, während der Landsturmmann Bräumeister
Matth. Stecher aus Wasserburg, welcher
kürzlich schon mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet
worden war, jetzt zum Unteroffizier besördert
wurde. Der Ar Reiter von Mühldorf,
welcher sich ebenfalls schon das Eiserne
Kreuz erworben hat, ist jetzt mit dem bayer.
Verdienstkreuz mit Krone und Schwertern bedacht
worden. Der in Traunstein stationierte
Lokomotioheizer Jos. Poltl erhielt für seine
Tapferkeit das Eiserne Kreuz sowohl 2. wie auch
1. Klasse. Der Jäger bei der Maschinengewehrlompagnie
Seb. Schuster aus Traunwalchen erhielt
das Eiserne Kreuz 2. Kl. und das Militärverdienstkreuz
3. Kl. mit Schwertern. Auch der
laJohann Bauer aus Wommeberg (Traunstein)
erwarb sich das Eiserne Kreuz.
Aufruf des Landsturms. Das Kriegsministerium
hat mit Erlaß vom 5. Januar d. J.
entschieden wie folgt: „Alle Landsturmpflichtigen
II. Aufgebots, die vor dem 15. Dezember
1914, dem Tage der königlichen Aufrufsverordnung,
das 45. Lebensjahr vollendet hatten,
beben lich zur Landsrurmrolle nicht mehr
anzumelden.“
Telegrammverkehr mit dem Feldheer.
Nach dem Amteblatt des Reichspostamtes
wird vom 20. Januar ab der Privattelegrammverkehr
zwischen dem Feloheer und
der Heimat, zunäckit versuchsweise, eingeführt.
Zur Sicherung und Ausscheidung der minderwertigen
Telegramme werden bei jedem stellvertretenden
Generallommando Prüfungostellen
eingerichtet, an welche die Telegramme unter
Beifügung der Gebühr perfönlich oder brieflich
zu übermitteln sind. Der Absender hat die
Dringlichkeit der Telegramme zu begründen.
Alle nicht unbedingt oringlichen Telegramme
werden unter Rückgabe der Gebühr zurückgewiesen.
Dazu gehören u. a. Telegramme, deren
Inhalt aus GGrapiawünschungen Mitteilungen
minderwichtiger Familienangelegenheiten, Kundgebungen
von Vereinen, Stammtischen usw.,
allgemein gehaltenen Aufragen nach dem Befinden,
dem Aufenthaltsort, Ankündigungen von
Sendungen oder Anfragen darüber besteht. Telegramme
über das Befinden von Schwerverletzten
haben vor allen anderen den Vorrang.
Jugelassen ist nur offene deutsche Sprache. Die
Adresse ist vom Absender so ausführlich anzugeben
wie für die Feldpostsendungen. Die Wortgebühr
beträgt fünf Pfennig, wobei die Adresse
für zehn Tarworte gezählt wird. Kein Telegramm
darf außer der Adresse mehr als 20
Worte enthalten. Bedeutungslose Zusätze, wie
herzliche Grüße und ähnliche, sind zu vermeiden.
Für alle von dem Feldheer nach der Heimat
gerichteten Telegramme werden die Gebühren
von dem Empfänger erhoben.
Beflaggung der Staatsgebäude.
Mit Regierungsentschlietzung ist angeordnet worden
dah die staatlichen Gebäude aus Anlaß
der Vermählung im Königshause heute und
morgen Flaggenschmuck zu tragen haben.
Notprüfungen an den höheren
Lehranstalten. Das Kuliusministerium hat
für die höheren Lehranstalten Notreifeprüfungen
und Notllassenreifeprüfungen angeordnet, de sobald
als moglich abzuhalten sind. An diesen
Notprüfungen haben alle Schüler teilzunehmen,
die der Jahresklasse 1915 angehören oder die
sich bereits früher zum freiw. Heeresdienst gemeldet
haben, aber noch nicht eingestellt sind.
Ferner ionnen — Agelassen werden, die
sich Laufe des Schuljahres zum freiw.
Heeresd an melden gedenken. Diese Notprüfungen
werden für die Anstaltsschüler in der
Form von mündlichen Prüfungen aus allen
Fächern abgehalten. Privatschüler können zu
den Notprüfungen zugelassen werden. Im Falle
des Bestehens der Prüfung wird zunächst eine
vorläufige Bescheinigung darüber auegesiellt.
Das eigentliche Reifczeugnis und Klassenreisezeugnis,
sowie gegebenenfalls auch bas Zeugnis
der wissenschaftlichen Befähigung für den einfährig
kreiwisigen. Dienst wird erst zwei Monate
nach dem Eintritt in das Heer ausgehändigt,
wenn der Nachweis erbracht ist, daß die Betreffenden
zu diesem Zeitpunkte noch dem Heeresverband
angehören.
Fürstbischof Dr. Hefter. Wie bereits
bericktet, ist Profeisor Geistl. Rat Dr. Heister,
der Sohn einer bekannten Bürgerfamilie in Rosenheim,
Fürstbischof von Klagenfurt geworden.
Am 9. Januar meldete die amtliche „Wiener
Zeitung“: Se. Maj. der Kaiser ernannte den
Professor Geistl. An Dr. Adam Hefster zum
Fürstbischof von Gurk in Klagenfurt. Ferwer
meldete das Abendblatt der Wiener „Reichscros““
vom 16. Januar: Der Kaiser hat heute
um 11 Uhr vormittags in Schönbrunn den weuernannten
Fürstbischof von Gurk, Professor Dr.
Adam Hefter, in dieser Eigenschaft beeioigt.
Hiebei intervenierten der Oberstlämmerer Dr.
KNarl Graf Breezie-Lanckorons li und der Minisier
für Kultus und Unterricht Dr. Max Sülter
ron Hussarek. Den Eid verlas Fürstbischof Dr.
Hefter selkst. Nach der Beeidigung wurde der
neue Fürstibischof in Andienz beim Kaiser empsangen-
Der Infornmationsproʒeß sand heute
den 19. Januar in Salhburg statt. Die Bisthofsmreihe
wird in Salzkurg am 7. Februar stattjinden.
Alpenvereinssektion Rosenheim.
Infolge eingetretener Hindernisse kann der für
Samstag, den 23. Jonuar in Aussicht genommene
Vortrag über das masurische Seengebiet
nicht stattfinden. Die Gewinnung eines anderen
Vortragenden mit zeitgemäßem Thema steht in
Aussicht. Näheres wird noch bekannt gegeben
Verden.
Diebstahl. Am 16. Januar wurden einem
Drechslermeister dahier aus der Ladenkasse 15
Mark entwendet. Als Täter kommt ein junger
Bursche im Alter von ungefähr 14 Jahren in
Betracht.
Erloschene Senche. In den Gemeinden
Branientr Nußdorf a. Inn und Oberaudorf,
Höhenrain und Feldiichnen ist die Maulund
Klauenseuche wieder erloschen.
beschlagnahme der Getreidevorräle
München, 19. Jan.
Die drei bayerischen Genossenschaftszentralen haben
an die baherischen Genossenschasften einen gemeinsamen
Aufruf gerichtet, in welchem Mitleilung davon gemacht
rird, daß die drei bayerischen Genossenschaftszentralen
durch Verfügung der Kgl. Stoatsregierung vom
6. Januar 1915 mit der Ausführung des Gesetzes vom
1. August 1914. in der Fassung vom 17. Dez. 1914
und der Bundesralsverordnung vom 10. Teem 1914
betr. Höchstpreisgesez im Sinne des § 2 Abs. A #den
Wesetzes vom 1. Aunust 19171 ermachtigt find. Amtrag
auf Uebertragung des Eigentums von Gelreide im Lande
iu sichlen. „Anträgen auf Uebertragung des Cigentums
an gedroschenem und ungedroschenem Haser und Noggen
int ohne weiteres stattzugeben.“ Mit dem Augenbleck,
in dem die vom Bezirksomt zufolge des gestellten
Antrages erlassene Aufforderung dem Eigner zugestellt
##id, ist der Besitzer des Getreides nicht mehr Herr
nber sein Eigenlum. Er kann nichts mehr von den
Vorraten wegnehmen, ohne sich dadurch einer schweren
Strase auszusetzen.
Un weiselhaft sind die gesetzlichen Bestimmungen uberaus
slteng, aber Not kennt lein Gebot. Die Maßnahmen
lind notwendig im Interesse unserer im Felde stehenden
Söhne. Deutschland ist hinsichtlich seiner Ernährung
nur auf sich angewiesen. Unsere Feinde, besonders Eng -
land, hofsen, Deutschland durch Hunger mürbe zu
machen; was ihre Wassen nicht serlig bringen, wollen
iie durch Hunger erreichen. Es ist Pflicht unseres Bauceinstandes,
dem durch Gotte? Fugung Grund u. Boden
anvertraut ist, hier sein Aeußberstes zu tun, um die
Hoffnung der Feinde zu Schanden zu machen. Hierzu
ist vor allem notwendig, daß die Getreidevorräte nicht
eingesperrt, sondemn auf den Markt gebracht werden.
Jede Zurückhaltung ist nichts anderes, als eine Unterslutzung
unserer Feinde. 1
In dem Aufruse heißt es weiter: Wir machen darauf
aufmerksam, daß die slrengsten gesetzlichen Mahnahmen
zu befürchten sind, wenn der Eine oder Andere
noch des Glaubens sein solliec, er könne mit seinem
überschussigen Getreide machen, was er wolle. Zunächst
sind die Genossenschaftszentralen mit der schwerken
Ausgabe betraut, das Gesetz vom 1. Augut und
die Bestimmungen über die Enteignung in Bayern zur
Geltung zu kringen. Sie sind berechtigt, die sofortige
Beschlagnahme von Getreide, gedroschen oder ungedroschen,
zu veranlassen. Es wärc im Interesse des Bauernstandes
zu bedauern, wenn es uberhaupt notwendig
wurde, von diesem gesetzlichen Rechte Gebrauch zu machen.
Wir machen noch auedrucklich darauf ausmerlksam,
daß die Besitzer von Getreide, im Falle die Beschlagnahme
durchgeführt wird, und für den Fall, daß sie nicht
freihändig verkaufen, den Höchstpreis für Getreide nicht
zu beanspruchen haben. Die drei Genossenschaftszentralen
erklären sich bercit, den gesetzlichen Höchstpreis für
jegliche Art von Getrelde guter marktfählger Oualität
dann zu zahlen, wenn der Handel freihändig sich
vollzht. Wir biüten alle LandwirteBa#ensbesonders
unsere Genossenschaftsmitglieder, uns behilflich
zu sein, daß die Anwendung der gesetzlichen
Zwaugsmaßregeln nicht notwendig wird. Es ware nichts
bedauerlicher, als wenn die Verhältnisse dazu zwingen
wurden, Enteignungen vorzunehmen, schon bedauerlich
desu#egen, weil dadurch Erbitterung gegen den Bauernstand
die Folge wäre. W
Angebote von Gekreide jeglicher Art, besonders für
Hafrr und Noggen, welch letztere wir ausschließlich,
der Heeresverwallung zur Verfügung stellen, nehmen
die drei (Genossenschafiszentralen entgegen. Sie bezahlen
die gelieserten Mengen bar zum gesetzlichen Höchstbreis.
Es sei ferner auedrücklich bemerktl, daß die
Genoisensckhustezentralen Haser und Roggen keine Stunde
im eigenen Besitz behalten, sondern sofort der
Heeresverwaltung zur Verfügung siellen.
DTer Aufruf schlietzt: Danken wir unserem Schöpfer,
daß es unserem siegreichen, tapferen Heere bis jur
Stunde gelungen ist, den Feind von unseren Gesilden
sernmhallen. Wäre es anders, wer würde den meisten
Schaden erleiden? Der Bauernstand!" Es dreht sich
also um den Kampf für Hab und Gut des Bauern.
Er mützte am meisten leiden. Larum dürsen wir auch
hoffen, daß unsere Aussorderung an den bayerischen
Bauernstand allerseits beachtet wird. Helft uns freiwillig
aus gutem Willen, latzt es zu keinem Zwange
kommen! 1!
Der Weltkrieg.
Lette Telegramme bis 3 Uhr nachm.
Amtliche melsungen bes WIB.
Die Rriegslage.
Großes Hauptquartier,
vormittags. Amtlich.
WTh.
Jan.,
Auf der ganzen Westfront fanden, abgesehen
von unbedeutenden Scharmützeln, nur Artilleriekämpfe
statt.
Auf dem östlichen Kriegsschauplatz war die
Witterung sehr ungünstig. In Ostpreußen nichts
Neues. Bei Radranowo, Biezun und Sierpc
wurden die Russen unter schweren Verlusten zurückgeworfen.
Mehrere Hundert russische Gefangene
blieben in unserer Hand. Westlich der
Weichsel und östlich der Pilica ist die Lage im
allgemeinen unverändert.
Oberste Heeresleitung.
rl
19.
—□—
Die Beschießfung von Soissons.
Berlin, 19. Jan. Holländische Blätter
melden die Fortdauer der Beschießung von Seissons
durch die Deutschen. Die Franzosen wurden
durch die Zerstörung der Brücke bei Missy
von der Hauptmacht abgeschnitten. Ihre Leichen
bedeckten das Ufer des Flusses. Die Ambulanzen
mußten sich vom Schlachtseld zurückziehen,
da in dem dichten Pulverdampf die Abgzeichen
des Roten Kreuzes nicht mehr zu erlennen
waren. Von einem Regiment am nördlichen Ufer
blieb nur ein Viertel des Bestandes unverletzt.
Schwere Artillerieduellec.
Haag, 19. Jan. An der ganzen Nordsecküsie
ist troz des heftigen Schneetreibene zwischen
Nieuport und Zeebrügge ein heftiges Artilleriegefecht
im Gange. Einzelheiten über den
Verlauf des Kampfes sind bisher noch nicht eingetroffen.
(3.)
Aufregung des „Figaro“.
Basel, 19. Jan. Der Pariser „Figaro“
regt sich gewaltig über eine Meldung auf, nach
welcher der Brüsseler Nuntius zu Prn der
deutschen Schöroen ein Essen gegeben hat. Der
„„Figaro“ erklärt das für unmöglich, da der
Vertreter des Papsies nicht für die Deutschen
Partei nehmen könne. (.3.)
Vom österreichischen Kriegsschauplatz.
Kriegspressequartier, 19. Jan. Das
russische Neujahr Prachte an der westgalizischen
Front Schneefall und starke Kälte. Der Tag
stand im Zeichen eines heftigen Artillerieduells
am Dunojec. Oesterreichische schwere Batterien
schossen als Neujahrsgruß nach Tarnow. Trotz.
der großen Distanz, die die schweren Geschosse
haben, konnte man ihr fürchterliches Heulen
bis zum Einschlagen versolgen. Die Resultate
waren, wie die Flieger meldeten, günstig. Rufsische
Militärmagazine erhielten mehrere Volltreffer.
Die Beobachtung des Zieles wurde beie
der vollständig klaren Witterung vortrefflich
auch durch Fesselbaltons unterstützt. Es gelang
vor einigen Tagen, einen russischen Eindecker
durch einen Schuß zur schleunigen Landung hinter
unserer Front zu zwingen und beide Fliegecoffi#iere
gefangen zu nehmen. (3.)
Die Russen in Ungarn.
Budapesr, 19. Jan. Die im Ungtal ein
gedrungenen russischen Vortruppen haben sich
dort verschangt. Die in den letzten drei Tagen
in der Nähe von Jakobine von den Russen
unternommenen Vorstöße find ohne jedes Ergebnis
geblieben. Das überaus harte Winterwetter
macht jede größere Truppenbewegung
fast unmöglich. (Z.)
Die ungarischen Getreidevorräte.
Budapest, 18. Jan. In einer Besprechung
der Frage der Nahrungemittel sagt der „Pester
Node daß die Getreideernte Ungarns hinreiche,
um den Bedarf der Monarchie für die
Zivilbevölkerung und das Militär bis zur neuen
Ernte sickerzustellen. Die Vorräte seien aber
keineswegs so bedeutend, daß Ungarn den Bedarf
Oesterreichs an feinen Mehlgattungen dekken
könne. (3.)
Russische Munition für Serbien.
Budapest, 19. Jan. Vor einigen Tagen
haben nach einer Mesdung aus Galatz neuerdings
sechs russische Dampfer mit vier Schleppern
den Serben auf der Donau Geschütze und
sonnige Waffen, sowie Munition zugeführt. (3.)
Was tut Rumänien?
Frankfurt, 19. Jaon. Die „Frif. Ztg.“
ickreibt: Die Blauer melden aus Sofia, daß
die rumänische Regierung in Amerika für 50
Millionen Francs Kriegematerial bestellt habe
und daß auf eine Frage der bulgarischen Regierung
aus Bukarest geantwortet jei, daß die
Kriegsvorbereitungen nicht gegen Bulgarien gerichtet
seien. Das mag richtig sein oder nicht.
Die Bestellung von Kriegsmaterial in Amerika
ist sogar nicht unwahrscheinlic. Es wäre nur
interessant, zu wissen, auf welchem Wege und
in welcher Jeit solches jetzt besrellte Material
an den Ort seiner Bestimmung gelangen könnte.
Politische Folgerungen aus dieser Meldung zu
zihen, wäre falsch, wenigstens wenn sie in dem
Sinne gesogen würden, den neuerdings mit besonderem
Eifer die Organe unserer Gegner der
Haltung Rumäniens und auch Jtaliens bei jeder
möglichen und unmöglichen Gelegenheit
unterschieben. Die Hauptsache ist, man weiß,
daß Rumänien — und das gilt auch für Italien
— bis jetzt eine bewaffnete Neutralitä#t
beobachten, die diese Länder zu militärischen
Vorbereitungen zwingt. (3.)
Wien, 19. Jan. Die Albanische Korrespandenz
meldet aus Bukarest: In Searo führte
eine politische Persönlichkeit über die Haltung
Rumäniens aus: Mir können und werden gegen
die Zentralmächte nicht in Aktion treten, mit
denen wir bis gestern verbündet waren, und wir
lönnen uns auch nicht in den Dienst der Russen
stellen. Es wäre Wahnsinn, uns in den Kampf
u stürzen, worin wir alles verlieren könnten.
Ein lleiner Staat, der einen mit einem Großsraat
geschlossenen Vertrag bricht, unterschreibt
sein Todesurteil. Auf eine Unterstützung von
Rußland und England kann man nicht rechnen.
Ich moöchte den naiven Menschen sehen, der aufrichtig
glaubt. Rußland wünsche ein großes Numänien.
Deutschland ist die eindige Macht, die
uns 40 Jahre bedingungslos untersiutzte. Könnten
wir diese Freundschaft mit Füßen zurück-#toßen,
da die Fragen des Schwarzen Meeres
und der Dardanellen auf der Tagesordnung
siehen und wir von allen Seiten von Feinden
umgeben find? Wir werden keinen Krieg haben
und auf keinen Fall gegen Oesterreich-Ungarn.
Dic Lagein Acgyoten.
Zürick, 19. Jan. Der Spezialkorreipondent
der „Stampa“ in Kairo meldet seinem Blatte:
Die ägyptische Bevollerung steht in der Mehrzahl
auf Scite der Turken. Die Engländer haben
gewaltige Truppenmassen in Aegypten konwentriert.
Fur England scheim Aegypten viel
wicktiger zu sein als der westliche Kriegsschauplatz.
(3.)
Im Lehm.
Stoßseufter eines Leutnants im Felde.
Voll Lehm sind unsere Beine,
Voll Lehm auck das Gesicht.
Voll Lehm auch alles anderc,
Was man zu sehen kriegt.
Voll Lehm der Schützengraden,
Voll Lehm das Nachtquartier,
Voll Lehm die ganze Gegend
Und alles ringsum hier.
So geht es Woch um Wochen.
Nur Lehm und Lehm und Lehm,
Es geht bis auf die Knochen
Der ewige Lehm, Lehm, Lehm.
Da plotzlich eine Wandkung,
Es geht in einem Hupp,
Jetzt regnet's grad zwei Tage:
Statt Lehm isrs Erbsensupp.