Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

numister  18

Mittwos#  20.  Jansax  1914

 

 

Rosenheim,  19.  Januar.

Art  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Thomas  Rois  aus  Maffing,  Kriegsfreiwilliger
im  17.  ..  Rgt.:  Johaonn  Schmidhuber,  Sohn
des  Maschinisten  Schmiohuber  in  der  Brauerei

Wocchinger  in  Tequnsteig  sgterofsiier  d.  Res.
im  6.  rhein.  Inf.-RNgt.  ;  Michael  Kreuzrointner,
  Sckeerfsoht  8  Seuche  Pfarrei
Erharting,  Gefr.  im  Inf-Leib-Rgt.

Ehrenvolle  Auszeichnung  im  Felde.
Von  den  sieben  im  Felde  stehenden  Brüdern
Marey  aus  Rosenheim  hat  nun  der  oritte,  Albert
Mareh,  welcher  im  Res.=  Iuf.-Agt.  Nr.  19  sieht,
das  Eiserne  Kreuz  erhalten.  Gleichzeitig  wurde
er  zum  Offizierstellvertreter  befördert.  Der
Tapfere  ist  leider  seinerzeit  schwer  verwundet
worden  und  liegt  seither  im  Lazarett  in  Augsburg,
  wo  er  jetzt  neuerdings  an  einem  Magenleiden
  erkrankte.  Zwei  seiner  Brüder  haben  früher
schon  das  Eiserne  Kreuz  erhalten.  Wir  beglückwünschen
  die  Tapferen  zu  dieser  ehrenvollen  Auszeichnung.
  Der  Feldwebel  Hans  Legath  aus  Bad
Nibling  wurde  mit  dem  Verdiensttreuz  J.  Kl.  mit
Schwertern,  sein  Schwager,  Lorenz  Obermeier,
Vizefeldwebel  und  Bataillonslambour,  mit  dem
Verdienstkreuz  3.  Kl.  mit  Krone  und  Schwertern
ausgezeichnet.  Der  K.  Förster  Herm.  Müller,
welcher  vor  seiner  Beförderung  als  Forstassistent
  in  Wasserburg  wirkte,  erhielt  als  Fahnenträger
  das  Eiserne  Kreuz.  Auch  der  ehem.  Pfleger
  in  Gabersee,  Ludwig  Blank  aus  Ellerding,
GEde.  Amerang,  Unteroffizier  im  2.  Res.-Juf.=Reg.,
  wurde  mit  dem  Eisernen  Kreuze  ausge-*
  zeichnet.  Major  a.  D.  Eckert,  Bezirksoffizier
beim  Bezirkelbmmando  Waiserburg,  erhielt  den
Militärverdienstorden  4.  Kl.  mit  Krone  und
Schwertern,  während  der  Landsturmmann  Bräumeister
  Matth.  Stecher  aus  Wasserburg,  welcher
kürzlich  schon  mit  dem  Eisernen  Kreuz  ausgezeichnet
  worden  war,  jetzt  zum  Unteroffizier  besördert
  wurde.  Der  Ar  Reiter  von  Mühldorf,
  welcher  sich  ebenfalls  schon  das  Eiserne
Kreuz  erworben  hat,  ist  jetzt  mit  dem  bayer.
Verdienstkreuz  mit  Krone  und  Schwertern  bedacht
  worden.  Der  in  Traunstein  stationierte
Lokomotioheizer  Jos.  Poltl  erhielt  für  seine
Tapferkeit  das  Eiserne  Kreuz  sowohl  2.  wie  auch
1.  Klasse.  Der  Jäger  bei  der  Maschinengewehrlompagnie
  Seb.  Schuster  aus  Traunwalchen  erhielt
  das  Eiserne  Kreuz  2.  Kl.  und  das  Militärverdienstkreuz
  3.  Kl.  mit  Schwertern.  Auch  der

laJohann  Bauer  aus  Wommeberg  (Traunstein)
  erwarb  sich  das  Eiserne  Kreuz.

Aufruf  des  Landsturms.  Das  Kriegsministerium
  hat  mit  Erlaß  vom  5.  Januar  d.  J.
entschieden  wie  folgt:  „Alle  Landsturmpflichtigen
  II.  Aufgebots,  die  vor  dem  15.  Dezember
  1914,  dem  Tage  der  königlichen  Aufrufsverordnung,
  das  45.  Lebensjahr  vollendet  hatten,
  beben  lich  zur  Landsrurmrolle  nicht  mehr
anzumelden.“

Telegrammverkehr  mit  dem  Feldheer.
  Nach  dem  Amteblatt  des  Reichspostamtes
  wird  vom  20.  Januar  ab  der  Privattelegrammverkehr
  zwischen  dem  Feloheer  und
der  Heimat,  zunäckit  versuchsweise,  eingeführt.
Zur  Sicherung  und  Ausscheidung  der  minderwertigen
  Telegramme  werden  bei  jedem  stellvertretenden
  Generallommando  Prüfungostellen
eingerichtet,  an  welche  die  Telegramme  unter
Beifügung  der  Gebühr  perfönlich  oder  brieflich
zu  übermitteln  sind.  Der  Absender  hat  die
Dringlichkeit  der  Telegramme  zu  begründen.
Alle  nicht  unbedingt  oringlichen  Telegramme
werden  unter  Rückgabe  der  Gebühr  zurückgewiesen.
  Dazu  gehören  u.  a.  Telegramme,  deren

Inhalt  aus  GGrapiawünschungen  Mitteilungen
minderwichtiger  Familienangelegenheiten,  Kundgebungen
  von  Vereinen,  Stammtischen  usw.,
allgemein  gehaltenen  Aufragen  nach  dem  Befinden,
  dem  Aufenthaltsort,  Ankündigungen  von
Sendungen  oder  Anfragen  darüber  besteht.  Telegramme
  über  das  Befinden  von  Schwerverletzten
  haben  vor  allen  anderen  den  Vorrang.
Jugelassen  ist  nur  offene  deutsche  Sprache.  Die
Adresse  ist  vom  Absender  so  ausführlich  anzugeben
  wie  für  die  Feldpostsendungen.  Die  Wortgebühr
  beträgt  fünf  Pfennig,  wobei  die  Adresse
für  zehn  Tarworte  gezählt  wird.  Kein  Telegramm
  darf  außer  der  Adresse  mehr  als  20
Worte  enthalten.  Bedeutungslose  Zusätze,  wie
herzliche  Grüße  und  ähnliche,  sind  zu  vermeiden.
Für  alle  von  dem  Feldheer  nach  der  Heimat
gerichteten  Telegramme  werden  die  Gebühren
von  dem  Empfänger  erhoben.

Beflaggung  der  Staatsgebäude.
Mit  Regierungsentschlietzung  ist  angeordnet  worden
  dah  die  staatlichen  Gebäude  aus  Anlaß
der  Vermählung  im  Königshause  heute  und
morgen  Flaggenschmuck  zu  tragen  haben.

Notprüfungen  an  den  höheren
Lehranstalten.  Das  Kuliusministerium  hat
für  die  höheren  Lehranstalten  Notreifeprüfungen
und  Notllassenreifeprüfungen  angeordnet,  de  sobald
  als  moglich  abzuhalten  sind.  An  diesen
Notprüfungen  haben  alle  Schüler  teilzunehmen,
die  der  Jahresklasse  1915  angehören  oder  die
sich  bereits  früher  zum  freiw.  Heeresdienst  gemeldet
  haben,  aber  noch  nicht  eingestellt  sind.
Ferner  ionnen  —  Agelassen  werden,  die
sich  Laufe  des  Schuljahres  zum  freiw.
Heeresd  an  melden  gedenken.  Diese  Notprüfungen

  werden  für  die  Anstaltsschüler  in  der

 

Form  von  mündlichen  Prüfungen  aus  allen
Fächern  abgehalten.  Privatschüler  können  zu
den  Notprüfungen  zugelassen  werden.  Im  Falle
des  Bestehens  der  Prüfung  wird  zunächst  eine
vorläufige  Bescheinigung  darüber  auegesiellt.
Das  eigentliche  Reifczeugnis  und  Klassenreisezeugnis,
  sowie  gegebenenfalls  auch  bas  Zeugnis
der  wissenschaftlichen  Befähigung  für  den  einfährig
  kreiwisigen.  Dienst  wird  erst  zwei  Monate

nach  dem  Eintritt  in  das  Heer  ausgehändigt,
wenn  der  Nachweis  erbracht  ist,  daß  die  Betreffenden
  zu  diesem  Zeitpunkte  noch  dem  Heeresverband
  angehören.

Fürstbischof  Dr.  Hefter.  Wie  bereits
bericktet,  ist  Profeisor  Geistl.  Rat  Dr.  Heister,
der  Sohn  einer  bekannten  Bürgerfamilie  in  Rosenheim,
  Fürstbischof  von  Klagenfurt  geworden.
Am  9.  Januar  meldete  die  amtliche  „Wiener
Zeitung“:  Se.  Maj.  der  Kaiser  ernannte  den
Professor  Geistl.  An  Dr.  Adam  Hefster  zum
Fürstbischof  von  Gurk  in  Klagenfurt.  Ferwer
meldete  das  Abendblatt  der  Wiener  „Reichscros““
  vom  16.  Januar:  Der  Kaiser  hat  heute
um  11  Uhr  vormittags  in  Schönbrunn  den  weuernannten
  Fürstbischof  von  Gurk,  Professor  Dr.
Adam  Hefter,  in  dieser  Eigenschaft  beeioigt.
Hiebei  intervenierten  der  Oberstlämmerer  Dr.
KNarl  Graf  Breezie-Lanckorons  li  und  der  Minisier
  für  Kultus  und  Unterricht  Dr.  Max  Sülter
ron  Hussarek.  Den  Eid  verlas  Fürstbischof  Dr.
Hefter  selkst.  Nach  der  Beeidigung  wurde  der
neue  Fürstibischof  in  Andienz  beim  Kaiser  empsangen-
  Der  Infornmationsproʒeß  sand  heute
den  19.  Januar  in  Salhburg  statt.  Die  Bisthofsmreihe
  wird  in  Salzkurg  am  7.  Februar  stattjinden.


Alpenvereinssektion  Rosenheim.
Infolge  eingetretener  Hindernisse  kann  der  für
Samstag,  den  23.  Jonuar  in  Aussicht  genommene
  Vortrag  über  das  masurische  Seengebiet
nicht  stattfinden.  Die  Gewinnung  eines  anderen
Vortragenden  mit  zeitgemäßem  Thema  steht  in
Aussicht.  Näheres  wird  noch  bekannt  gegeben
Verden.

Diebstahl.  Am  16.  Januar  wurden  einem
Drechslermeister  dahier  aus  der  Ladenkasse  15
Mark  entwendet.  Als  Täter  kommt  ein  junger
Bursche  im  Alter  von  ungefähr  14  Jahren  in
Betracht.

Erloschene  Senche.  In  den  Gemeinden
Branientr  Nußdorf  a.  Inn  und  Oberaudorf,
  Höhenrain  und  Feldiichnen  ist  die  Maulund
  Klauenseuche  wieder  erloschen.

beschlagnahme  der  Getreidevorräle

München,  19.  Jan.

Die  drei  bayerischen  Genossenschaftszentralen  haben
an  die  baherischen  Genossenschasften  einen  gemeinsamen
Aufruf  gerichtet,  in  welchem  Mitleilung  davon  gemacht
rird,  daß  die  drei  bayerischen  Genossenschaftszentralen
  durch  Verfügung  der  Kgl.  Stoatsregierung  vom
6.  Januar  1915  mit  der  Ausführung  des  Gesetzes  vom
1.  August  1914.  in  der  Fassung  vom  17.  Dez.  1914
und  der  Bundesralsverordnung  vom  10.  Teem  1914
betr.  Höchstpreisgesez  im  Sinne  des  §  2  Abs.  A  #den
Wesetzes  vom  1.  Aunust  19171  ermachtigt  find.  Amtrag
auf  Uebertragung  des  Eigentums  von  Gelreide  im  Lande
iu  sichlen.  „Anträgen  auf  Uebertragung  des  Cigentums
an  gedroschenem  und  ungedroschenem  Haser  und  Noggen
int  ohne  weiteres  stattzugeben.“  Mit  dem  Augenbleck,
in  dem  die  vom  Bezirksomt  zufolge  des  gestellten
Antrages  erlassene  Aufforderung  dem  Eigner  zugestellt

 

##id,  ist  der  Besitzer  des  Getreides  nicht  mehr  Herr
nber  sein  Eigenlum.  Er  kann  nichts  mehr  von  den

Vorraten  wegnehmen,  ohne  sich  dadurch  einer  schweren

Strase  auszusetzen.

Un  weiselhaft  sind  die  gesetzlichen  Bestimmungen  uberaus
  slteng,  aber  Not  kennt  lein  Gebot.  Die  Maßnahmen
lind  notwendig  im  Interesse  unserer  im  Felde  stehenden
  Söhne.  Deutschland  ist  hinsichtlich  seiner  Ernährung
nur  auf  sich  angewiesen.  Unsere  Feinde,  besonders  Eng  -
land,  hofsen,  Deutschland  durch  Hunger  mürbe  zu
machen;  was  ihre  Wassen  nicht  serlig  bringen,  wollen
iie  durch  Hunger  erreichen.  Es  ist  Pflicht  unseres  Bauceinstandes,
  dem  durch  Gotte?  Fugung  Grund  u.  Boden
anvertraut  ist,  hier  sein  Aeußberstes  zu  tun,  um  die
Hoffnung  der  Feinde  zu  Schanden  zu  machen.  Hierzu
ist  vor  allem  notwendig,  daß  die  Getreidevorräte  nicht
eingesperrt,  sondemn  auf  den  Markt  gebracht  werden.
Jede  Zurückhaltung  ist  nichts  anderes,  als  eine  Unterslutzung
  unserer  Feinde.  1

In  dem  Aufruse  heißt  es  weiter:  Wir  machen  darauf
  aufmerksam,  daß  die  slrengsten  gesetzlichen  Mahnahmen
  zu  befürchten  sind,  wenn  der  Eine  oder  Andere
noch  des  Glaubens  sein  solliec,  er  könne  mit  seinem
überschussigen  Getreide  machen,  was  er  wolle.  Zunächst
  sind  die  Genossenschaftszentralen  mit  der  schwerken
  Ausgabe  betraut,  das  Gesetz  vom  1.  Augut  und
die  Bestimmungen  über  die  Enteignung  in  Bayern  zur
Geltung  zu  kringen.  Sie  sind  berechtigt,  die  sofortige
Beschlagnahme  von  Getreide,  gedroschen  oder  ungedroschen,
  zu  veranlassen.  Es  wärc  im  Interesse  des  Bauernstandes
  zu  bedauern,  wenn  es  uberhaupt  notwendig
wurde,  von  diesem  gesetzlichen  Rechte  Gebrauch  zu  machen.
  Wir  machen  noch  auedrucklich  darauf  ausmerlksam,
daß  die  Besitzer  von  Getreide,  im  Falle  die  Beschlagnahme
  durchgeführt  wird,  und  für  den  Fall,  daß  sie  nicht
freihändig  verkaufen,  den  Höchstpreis  für  Getreide  nicht
zu  beanspruchen  haben.  Die  drei  Genossenschaftszentralen
  erklären  sich  bercit,  den  gesetzlichen  Höchstpreis  für
jegliche  Art  von  Getrelde  guter  marktfählger  Oualität
dann  zu  zahlen,  wenn  der  Handel  freihändig  sich

 

vollzht.  Wir  biüten  alle  LandwirteBa#ensbesonders
  unsere  Genossenschaftsmitglieder,  uns  behilflich
  zu  sein,  daß  die  Anwendung  der  gesetzlichen

Zwaugsmaßregeln  nicht  notwendig  wird.  Es  ware  nichts
bedauerlicher,  als  wenn  die  Verhältnisse  dazu  zwingen
wurden,  Enteignungen  vorzunehmen,  schon  bedauerlich
desu#egen,  weil  dadurch  Erbitterung  gegen  den  Bauernstand
  die  Folge  wäre.  W

Angebote  von  Gekreide  jeglicher  Art,  besonders  für
Hafrr  und  Noggen,  welch  letztere  wir  ausschließlich,
der  Heeresverwallung  zur  Verfügung  stellen,  nehmen
die  drei  (Genossenschafiszentralen  entgegen.  Sie  bezahlen
  die  gelieserten  Mengen  bar  zum  gesetzlichen  Höchstbreis.
  Es  sei  ferner  auedrücklich  bemerktl,  daß  die
Genoisensckhustezentralen  Haser  und  Roggen  keine  Stunde
  im  eigenen  Besitz  behalten,  sondern  sofort  der
Heeresverwaltung  zur  Verfügung  siellen.

DTer  Aufruf  schlietzt:  Danken  wir  unserem  Schöpfer,
daß  es  unserem  siegreichen,  tapferen  Heere  bis  jur
Stunde  gelungen  ist,  den  Feind  von  unseren  Gesilden
sernmhallen.  Wäre  es  anders,  wer  würde  den  meisten
Schaden  erleiden?  Der  Bauernstand!"  Es  dreht  sich
also  um  den  Kampf  für  Hab  und  Gut  des  Bauern.
Er  mützte  am  meisten  leiden.  Larum  dürsen  wir  auch
hoffen,  daß  unsere  Aussorderung  an  den  bayerischen
Bauernstand  allerseits  beachtet  wird.  Helft  uns  freiwillig
  aus  gutem  Willen,  latzt  es  zu  keinem  Zwange
kommen!  1!

Der  Weltkrieg.

Lette  Telegramme  bis  3  Uhr  nachm.
Amtliche  melsungen  bes  WIB.

Die  Rriegslage.

Großes  Hauptquartier,
vormittags.  Amtlich.

 

WTh.
Jan.,

Auf  der  ganzen  Westfront  fanden,  abgesehen
von  unbedeutenden  Scharmützeln,  nur  Artilleriekämpfe
  statt.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  war  die
Witterung  sehr  ungünstig.  In  Ostpreußen  nichts
Neues.  Bei  Radranowo,  Biezun  und  Sierpc
wurden  die  Russen  unter  schweren  Verlusten  zurückgeworfen.
  Mehrere  Hundert  russische  Gefangene
  blieben  in  unserer  Hand.  Westlich  der
Weichsel  und  östlich  der  Pilica  ist  die  Lage  im
allgemeinen  unverändert.

Oberste  Heeresleitung.
rl

19.

—□—

Die  Beschießfung  von  Soissons.
Berlin,  19.  Jan.  Holländische  Blätter
melden  die  Fortdauer  der  Beschießung  von  Seissons
  durch  die  Deutschen.  Die  Franzosen  wurden
durch  die  Zerstörung  der  Brücke  bei  Missy
von  der  Hauptmacht  abgeschnitten.  Ihre  Leichen
  bedeckten  das  Ufer  des  Flusses.  Die  Ambulanzen
  mußten  sich  vom  Schlachtseld  zurückziehen,
  da  in  dem  dichten  Pulverdampf  die  Abgzeichen
  des  Roten  Kreuzes  nicht  mehr  zu  erlennen
waren.  Von  einem  Regiment  am  nördlichen  Ufer
blieb  nur  ein  Viertel  des  Bestandes  unverletzt.

Schwere  Artillerieduellec.

Haag,  19.  Jan.  An  der  ganzen  Nordsecküsie
  ist  troz  des  heftigen  Schneetreibene  zwischen
  Nieuport  und  Zeebrügge  ein  heftiges  Artilleriegefecht
  im  Gange.  Einzelheiten  über  den
Verlauf  des  Kampfes  sind  bisher  noch  nicht  eingetroffen.

  (3.)
Aufregung  des  „Figaro“.
Basel,  19.  Jan.  Der  Pariser  „Figaro“

regt  sich  gewaltig  über  eine  Meldung  auf,  nach
welcher  der  Brüsseler  Nuntius  zu  Prn  der
deutschen  Schöroen  ein  Essen  gegeben  hat.  Der
„„Figaro“  erklärt  das  für  unmöglich,  da  der
Vertreter  des  Papsies  nicht  für  die  Deutschen
Partei  nehmen  könne.  (.3.)

Vom  österreichischen  Kriegsschauplatz.



Kriegspressequartier,  19.  Jan.  Das
russische  Neujahr  Prachte  an  der  westgalizischen
Front  Schneefall  und  starke  Kälte.  Der  Tag
stand  im  Zeichen  eines  heftigen  Artillerieduells
am  Dunojec.  Oesterreichische  schwere  Batterien
schossen  als  Neujahrsgruß  nach  Tarnow.  Trotz.
der  großen  Distanz,  die  die  schweren  Geschosse
haben,  konnte  man  ihr  fürchterliches  Heulen
bis  zum  Einschlagen  versolgen.  Die  Resultate
waren,  wie  die  Flieger  meldeten,  günstig.  Rufsische
  Militärmagazine  erhielten  mehrere  Volltreffer.
  Die  Beobachtung  des  Zieles  wurde  beie
der  vollständig  klaren  Witterung  vortrefflich
auch  durch  Fesselbaltons  unterstützt.  Es  gelang
vor  einigen  Tagen,  einen  russischen  Eindecker
durch  einen  Schuß  zur  schleunigen  Landung  hinter
  unserer  Front  zu  zwingen  und  beide  Fliegecoffi#iere
  gefangen  zu  nehmen.  (3.)

 

Die  Russen  in  Ungarn.

Budapesr,  19.  Jan.  Die  im  Ungtal  ein
gedrungenen  russischen  Vortruppen  haben  sich
dort  verschangt.  Die  in  den  letzten  drei  Tagen
in  der  Nähe  von  Jakobine  von  den  Russen
unternommenen  Vorstöße  find  ohne  jedes  Ergebnis
  geblieben.  Das  überaus  harte  Winterwetter
  macht  jede  größere  Truppenbewegung
fast  unmöglich.  (Z.)

Die  ungarischen  Getreidevorräte.

Budapest,  18.  Jan.  In  einer  Besprechung
der  Frage  der  Nahrungemittel  sagt  der  „Pester
Node  daß  die  Getreideernte  Ungarns  hinreiche,
  um  den  Bedarf  der  Monarchie  für  die
Zivilbevölkerung  und  das  Militär  bis  zur  neuen
Ernte  sickerzustellen.  Die  Vorräte  seien  aber
keineswegs  so  bedeutend,  daß  Ungarn  den  Bedarf
  Oesterreichs  an  feinen  Mehlgattungen  dekken
  könne.  (3.)

Russische  Munition  für  Serbien.

Budapest,  19.  Jan.  Vor  einigen  Tagen
haben  nach  einer  Mesdung  aus  Galatz  neuerdings
  sechs  russische  Dampfer  mit  vier  Schleppern
  den  Serben  auf  der  Donau  Geschütze  und
sonnige  Waffen,  sowie  Munition  zugeführt.  (3.)

Was  tut  Rumänien?

Frankfurt,  19.  Jaon.  Die  „Frif.  Ztg.“
ickreibt:  Die  Blauer  melden  aus  Sofia,  daß
die  rumänische  Regierung  in  Amerika  für  50
Millionen  Francs  Kriegematerial  bestellt  habe
und  daß  auf  eine  Frage  der  bulgarischen  Regierung
  aus  Bukarest  geantwortet  jei,  daß  die
Kriegsvorbereitungen  nicht  gegen  Bulgarien  gerichtet
  seien.  Das  mag  richtig  sein  oder  nicht.
Die  Bestellung  von  Kriegsmaterial  in  Amerika
ist  sogar  nicht  unwahrscheinlic.  Es  wäre  nur
interessant,  zu  wissen,  auf  welchem  Wege  und
in  welcher  Jeit  solches  jetzt  besrellte  Material
an  den  Ort  seiner  Bestimmung  gelangen  könnte.
Politische  Folgerungen  aus  dieser  Meldung  zu
zihen,  wäre  falsch,  wenigstens  wenn  sie  in  dem
Sinne  gesogen  würden,  den  neuerdings  mit  besonderem
  Eifer  die  Organe  unserer  Gegner  der
Haltung  Rumäniens  und  auch  Jtaliens  bei  jeder
  möglichen  und  unmöglichen  Gelegenheit
unterschieben.  Die  Hauptsache  ist,  man  weiß,
daß  Rumänien  —  und  das  gilt  auch  für  Italien
  —  bis  jetzt  eine  bewaffnete  Neutralitä#t
beobachten,  die  diese  Länder  zu  militärischen
Vorbereitungen  zwingt.  (3.)

Wien,  19.  Jan.  Die  Albanische  Korrespandenz
  meldet  aus  Bukarest:  In  Searo  führte
eine  politische  Persönlichkeit  über  die  Haltung
Rumäniens  aus:  Mir  können  und  werden  gegen
die  Zentralmächte  nicht  in  Aktion  treten,  mit
denen  wir  bis  gestern  verbündet  waren,  und  wir
lönnen  uns  auch  nicht  in  den  Dienst  der  Russen
stellen.  Es  wäre  Wahnsinn,  uns  in  den  Kampf
u  stürzen,  worin  wir  alles  verlieren  könnten.
Ein  lleiner  Staat,  der  einen  mit  einem  Großsraat
  geschlossenen  Vertrag  bricht,  unterschreibt
sein  Todesurteil.  Auf  eine  Unterstützung  von
Rußland  und  England  kann  man  nicht  rechnen.
Ich  moöchte  den  naiven  Menschen  sehen,  der  aufrichtig
  glaubt.  Rußland  wünsche  ein  großes  Numänien.
  Deutschland  ist  die  eindige  Macht,  die
uns  40  Jahre  bedingungslos  untersiutzte.  Könnten
  wir  diese  Freundschaft  mit  Füßen  zurück-#toßen,
  da  die  Fragen  des  Schwarzen  Meeres
und  der  Dardanellen  auf  der  Tagesordnung
siehen  und  wir  von  allen  Seiten  von  Feinden
umgeben  find?  Wir  werden  keinen  Krieg  haben
und  auf  keinen  Fall  gegen  Oesterreich-Ungarn.

Dic  Lagein  Acgyoten.

Zürick,  19.  Jan.  Der  Spezialkorreipondent
der  „Stampa“  in  Kairo  meldet  seinem  Blatte:
Die  ägyptische  Bevollerung  steht  in  der  Mehrzahl
  auf  Scite  der  Turken.  Die  Engländer  haben
  gewaltige  Truppenmassen  in  Aegypten  konwentriert.
  Fur  England  scheim  Aegypten  viel
wicktiger  zu  sein  als  der  westliche  Kriegsschauplatz.
  (3.)

 

Im  Lehm.

Stoßseufter  eines  Leutnants  im  Felde.
Voll  Lehm  sind  unsere  Beine,
Voll  Lehm  auck  das  Gesicht.
Voll  Lehm  auch  alles  anderc,
Was  man  zu  sehen  kriegt.

Voll  Lehm  der  Schützengraden,
Voll  Lehm  das  Nachtquartier,
Voll  Lehm  die  ganze  Gegend
Und  alles  ringsum  hier.

So  geht  es  Woch  um  Wochen.
Nur  Lehm  und  Lehm  und  Lehm,
Es  geht  bis  auf  die  Knochen
Der  ewige  Lehm,  Lehm,  Lehm.
Da  plotzlich  eine  Wandkung,
Es  geht  in  einem  Hupp,

Jetzt  regnet's  grad  zwei  Tage:
Statt  Lehm  isrs  Erbsensupp.