— 108 —
Maschine, zunächst mit wenig gekochtem Wasser, dann mit 60% Sarg'schem Glycerin.
Die Fertigstellung der Lymphe war nach 4 Mal 24 Stunden beendet. Alsdann kam
der Stoff in einen Kühlraum im Keller, in welchem Sommer und Winter eine Temperatur
von etwa 10° C herrschte.
Eine versuchsweise Konservirung mit dicker Zuckerlösung und mit Honig hat nur
auf etwa 2 Wochen ganz gute Nefultate ergeben; nach dieser Zeit war der Impfstoff
unwirksam. In der Konserve hatte sich nach 6 Monaten Fäulniß oder eine sonstige Veränderung
nicht eingestellt. Auch eine Verreibung mit 30% Alkohol erhielt sich 14 Tage
wirksam.
Das Füllen der Kapillaren durch Ansangen mittelst eines Gummiballons, in
welchen ein mit dem Finger zu schließendes Loch geschnitten ist, bewährte sich anscheinend
recht gut. Die Grammgläschen wurden unter Zuhülfenahme einer Pipette
mittelst des Ballons durch Ausblasen gefüllt.
In Bernburg ist die Art der Abnahme und Zubereitung der Lymphe beibehalten
worden. Die Abnahme fand ziemlich regelmäßig nach 96 Stunden, längstens nach
100 Stunden statt. Auf 1 Theil Impfstoff wurden 3 Theile Glycerin zugesetzt. Die
Emulsion war vielfach so dick, daß sie kaum aus den Röhrchen abfloß.
In Lübeck fand die Abnahme stets 5 Mal 24 Stunden nach der Impfung statt.
Nach ½ bis 1 Minute dauerndem Anlegen der Klemmpinzette wurde die ganze Pustel
mit dem scharfen Löffel oder mit einer großen Lanzette abgeschabt, wobei das Bluten
des Pustelbodens thunlichst vermieden wurde. Während des Verreibens der ganzen
Ernte im Glasmörser setzte man allmählich so viel Glycerin hinzu, bis eine Emulsion
von nicht zu dicklicher Beschaffenheit entstand. Waren Borken, Haare und etwaige
Blutgerinnsel sorgfältig entfernt worden, so besaß der Impfstoff ein helles, durchschimmerndes
Aussehen. Die Aufbewahrung in den Versandtgefäßen ist im Vorjahre
beschrieben.
In Bremen öffnete man meist 4 Tage nach der Impfung die Pusteln mit der
Lanzette und schabte sie bei möglichster Vermeidung der Blutung ab. Blutige Lymphe
wurde nicht abgenommen. Sodann verrieb man den Impfstoff mit der in den letzten
Jahren allein benutzten Thymollösung im Verhältniß von 1:1 bis höchstens 1:3
möglichst lange und sorgfältig. Die Vermischung mehrerer Ernten war nicht gestattet.
Zur Aufbewahrung dienten die Versandtgefäße, welche im Keller eines Apothekers
lagerten.
Die Abnahme geschah in Hamburg bis zum Mai und im November 5 Mal
24 Stunden nach der Impfung, in den wärmeren Monaten schon einen Tag früher
in der bisher üblichen Weise. Auch in der Zubereitung ist nichts geändert worden.
In Straßburg i. E. wurden den Thieren nach Abwaschung der Impfflächen
wie früher Kehle und Halsgefäße durchschnitten. Nachdem das Blut vollständig ausgelaufen,
geschah die Abtrennung der Hant in Lappen von doppelter Handgröße. Die
Abkratzung der Pusteln erfolgte 117 bis 144 Stunden nach der Impfung mit dem
scharfen Löffel auf einer dicken Glasplatte. Bereitung und Aufbewahrung der Glycerinemulsion
blieben unverändert.
In Metz exfolgte die Gewinnung, Zubereitung und Aufbewahrung der Lymphe
in der schon durch die Berichte früherer Jahre beschriebenen Weise.
5. Die Abgabe des thierischen Impfstoffes.
Versandte Mengen Thierlymphe.#)
Von dem in den Anstalten gewonnenen Impfstoff wurden versendet:
1) Die hier verzeichneten Mengen der abgegebenen Thierlymphe stellen nicht das Jahresergebniß