186 Außerdeutsche länder — +Frankrreich.
sein, in Bezug auf welche wir uns unaufhörlich unsere ganze Freiheit der
Beurtheilung vorbehalten hatten. Noch weniger würde Italien eine Ermuthigung
zu Unternehmungen darin finden dürfen, welche den allgemeinen
Frieden bloszustellen geeignet wären. Unsere Ansichten haben sich seit der
Zusammenkunft von Warschau nicht geändert, aus Anlaß deren wir Gelegenheit
hatten, dieselben sowohl Europa wie dem Turiner Cabinet bekannt
zu machen. Indem wir damals erklärten, wir betrachteten das Prinzip der
Nichteinmischung als eine Richtschnur für alle Mächte, fügten wir hinzu,
daß ein Vorgehben Seitens der Italiener die Billigung der Regierung des
Kaisers nicht erhalten würde, was auch immer daraus erfolgen möge. Wir
hegen auch jetzt noch dieselben Gefühle, und wir weisen von vorn herein
jede Solidarität mit Planen zurück, deren Gefahren und Folgen die itallenische
Regierung allein zu tragen hätte. — Auf der anderen Seite wird das
Turiner Cabinet sich Rechenschaft von den Pflichten geben können, welche
unsere Stellung zum heiligen Stuhle uns auferlegt, und ich erachte es für
überflüssig, hinzuzufügen, daß, indem wir die amtlichen Beziehungen zur
italienischen Regierung wieder anknüpfen, wir in keiner Weise die Vosct
haben, den Werth der von der römischen Curie Fegen den Einfall in mehrere
Provinzen der päpstlichen Staaten erhobenen Verwahrungen schwächen zu
wollen. Eben so wenig als wir, wird die Regierung des Königs Victor
Emanuel das Gewicht der Erwägungen jeder Art bestreiten können, welche
sich an die römische Frage knüpfen und nothwendiger Weise unsere Entschließungen
beherrschen, und sie wird begreifen, daß, indem wir den König
von Italien anerkennen, wir fortfahren müssen, Rom besetzt zu halten, so
lange nicht gwechende Bürgschaften die Interessen wahren, welche uns dahin
geführt haben“. «
27. Juni. Schluß der Session des gesetzgebenden Körpers. Ansprache
des Präsidenten Graf Morny:
„Wir haben eine lange und wohlausgefüllte Session beendigt, und ich
kann wirklich dem Wunsche nicht widerstehen, dem gesetzgebenden Körper zu
erklären, daß er den ihm bewilligten Prärogativen sich würdig gezeigt bat,
sowohl durch die Beredsamkeit, die einige seiner Redner enlfaltet, als durch
die Unabhängigkeit und das taktvolle Maß der Meinungen, die in seinem
Schooße ausgesptochen wurden“.
6. Juli. Eine Depesche Thouvenel's an edden franz. Gesandken in Rem
beschwert sich über die Haltung des hohen Clerus in Frankreich.
11. „ Die franz. Regierung beantwortet eine Beschwerde des schweier.
Bundesraths bezüglich des Dappenthals dahin, sie habe sich gegen
einen fremden, auf ihrem Gebiete begangenen Souvreränitätsoct
(eine Arrestation durch die Waadtländer Polizei) verwahren müssen;
in diesem Momente wolle sie nicht in die tnaterielle Seite der
Frage eintreten. #
„ Mirdès und Solar werden vom Gerichte erster Justanz zu
5 Jahren Gefängniß verurtheilt.
23. „ Der Kaiser empfängt in Compiêègne den Besuch des Königs von
Schweden.
26. Aug. Die franz. Regierung verlangt von der Schweiz Satisfactien
für die Gränzverletzung in der Affaire von Ville-la-Grande.
29. „ Das Urtheil erster Instanz gegen Mirès und Genossen wird im
Wesentlichen in zweiter Instanz bestätigt.
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