Metadata : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1864. (55)

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fert  oder  an  Bord  der  Prise  gefunden  sind  (F.  13.  a.  a.  O.)  beigefuͤgt
werden.

Gehört  der  Hafen  zu  dem  Bezirke  einer  Gerichtsdeputation  oder  Gerichtskommission,
  so  ist  das  Zweiggericht  als  zuständig  anzusehen.

K.  9.

Dem  Gerichte  liegt  ob,  ohne  Verzug  die  bei  ihm  eingereichten  Schiffsurkunden
  in  Gegenwart  des  Befehlshabers  des  Kreuzers  oder  des  Prisenführers,
  sowie  des  Schiffers  des  aufgebrachten  Schiffes  zu  entsiegeln  und  ein  Verzeichniß
  derselben  aufzunehmen.  Zugleich  hat  es  den  Schiffer  des  aufgebrachten
Schiffes  nebst  den  übrigen  zur  Besatzung  des  letzteren  gehbrenden  Personen,
und  soweit  es  zur  Auftlärung  des  Sachverhältnisses  erforderlich  erscheint,  auch
die  Mannschaft,  welche  an  der  Aufbringung  Theil  genommen  har,  sowie  die
etwaigen  Passagiere  des  aufgebrachten  Schiffes  über  die  Aufbringung  und  über
die  auf  dieselbe  sich  beziehenden  Thatsachen  durch  einen  Richter  unter  Zuziehung
eines  Protokollführers  vernehmen  zu  lassen.  Wenn  die  Aussagen  dieser  Personen
  von  der  schriftlichen  Darsiellung  des  Befehlshabers  oder  Prisenführers
in  erheblichen  Punkten  abweichen,  so  ist  zur  Aufklärung  der  Widersprüche  auch
die  Vernehmung  des  letzteren  zu  bewirken.  Das  Gericht  ist  ferner  verpflichtet,
die  für  die  Beurkheilung,  ob  die  Prise  rechtmäßig  aufgebracht  und  ganz  oder
zum  Theil  zu  verurtheilen  oder  freizusprechen  sei,  erheblichen  Thatsachen  durch
Erhebung  der  vorhandenen  Beweise  nach  den  für  das  Untersuchungsverfahren
bestehenden  Vorschriften  mit  möglichster  Beschleunigung  festzustellen.

Das  Gericht  übersendet  sodann  die  Darstellung  des  Befehlshabers  oder
Prisenführers  nebst  allen  auf  die  Aufbringung  sich  beziehenden  Verhandlungen
dem  Staatsanwalt  bei  dem  Prisenrath.

K.  10.

Der  Staatsanwalt  überreicht  die  sämmtlichen  ihm  zugegangenen  Verhandlungen
  dem  Prisenrath  mittelst  eines  schriftlichen  Antrages.  Finder  er  bei
Prüfung  der  Verhandlungen,  daß  die  Prise  freigesprochen  werden  müsse,  so
hat  er  die  sofortige  Freisprechung  derselben  zu  beantragen.  Wenn  der  Prisenrath
  diesen  Antrag  für  begründet  erachtet,  so  erläßt  er  ohne  weitere  Verhandlung
  die  freisprechende  Enrscheidung.  Eine  Ausfertigung  der  Entscheidung  ist
unter  Beifügung  der  Akten  dem  Staatsanwalt  mitzutheilen,  welcher  das  Erforderliche
  Behufs  Freigebung  der  Prise  veranlaßt,  jedoch  unbeschadet  der  Bestimmung
  des  §.  26.

Der  Staatsanwalt  ist  befugt,  bevor  er  seine  Anträge  bei  dem  Prisenrath
stellt,  nähere  Ermittelungen  mittelst  Requisition  der  zuständigen  Behörden  zu
bewirken.

K.  11.

Hält  der  Staatsanwalt  die  sofortige  Freisprechung  nicht  für  begründer,
so  beantragt  er  bei  dem  Prisenrath  die  öffenrliche  Aufforderung  aller  derjenigen,
welche  ein  Interesse  dabei  haben,  daß  die  Prise  nicht  verurkheilt  wird.  In

Jahrgang  1864.  (Nr.  5902,)  52  die-