326 Greßbritaunien. (Okltober 26.)
anderen Staaten berücksichtigen soll, die durch die letzten Veränderungen benachteiligt
worden sein könnten. Wir hoffen zuversichtlich, daß eine Lösung
gefunden werden wird, und wir werden unseren Einfluß verwenden,
um eine Sicherheit zu schaffen, daß diese Lösung friedlich und gerecht
sei. Die endgültige Festsetzung einer Konferenz ist bisher nicht erzielt
worden, und die Frage, wie die Einigung darüber erreicht werden
kann, und was in die Beratung einbezogen werden soll, bildet gegenwärtig
den Gegenstand der Erörterung. Wir hoffen jedoch, daß
diejenigen, die sich natürlich beeinträchtigt fühlen, sich nicht durch ein
übereiltes Vorgehen in eine Krise stürzen, und auch fernerhin jene
Mäßigung und Zurückhaltung an den Tag legen werden, durch die sie
sich bisher ausgezeichnet haben, wobei sie darauf rechnen können, daß der
allgemeine Wunsch besteht, ihnen eine gerechte Beachtung ihrer Interessen
u beweisen. —
Am 15. veröffentlicht die Regierung folgende Kundgebung: Der
Austausch der Ansichten zwischen den Ministern Iswolski und Sir Edward
Grey hat zu einer völligen Einigung über die angesichts der durch die
jüngsten Ereignisse im Orient geschaffenen Lage zu ergreifenden Maßnahmen
geführt. Man ist sich darüber einig geworden daß hierzu die Einberufung
einer Konferenz notwendig ist. Damit aber der beaksichtigte
Zweck, die Wiederherstellung der Achtung vor dem Völkerrecht und die
Schaffung von Genugtuung für die durch den Bruch internationaler Verträge
Geschädigten, erreicht wird, muß eine solche Konferenz genau umgrenzt
werden. Sie soll sich nur mit Fragen beschäftigen, die aus der
jüngsten Verletzung des Berliner Vertrages entstanden sind. Was die
Beratungsgegenstände der Konferenz anbetrifft, so muß die erste Sorge
die Entschädigung der Türkei sein, und über diesen Punkt scheint ein allgemeines
Einvernehmen der Mächte zu bestehen. Ferner wird für eine
wirksame Stärkung der jetzigen Verwaltung der Türkei gesorgt werden,
welche die beste Sicherheit für Erhaltung des Friedens bietet. Es besteht
auch Hoffnung, daß Mittel gefunden werden, um den Münschen
der kleineren Balkanstaaten entgegenzukommen, mit dem Vorbehalt, daß
dies nicht auf Kosten der Türkei geschieht, und es ist guter Grund
zu der Annahme, daß die kretische Frage in befriedigender Weise behandelt
werden wird, obgleich sie vorläufig vom Konferenzprogramm
ausgeschlossen ist, da es in erster Linie eine Frage ist, die von den vier
Schutzmächten mit der Türkei zu erörtern ist. Es ist zu hoffen, daß diese
Ansichten sich durch ihre Mäßigung, Vernünftigkeit und Uneigennützigkeit
der Annahme der Signatarmächte des Berliner Vertrages von selbst empfehlen,
und es ist von Bedeutung, daß zwischen diesen ein nicht förmlicher
Gedankenaustausch über den Gegenstand stattfinden soll. Es besteht nicht
die Absicht, die Dardanellenfrage der Konferenz zu unterbreiten. Diese
Frage berührt in erster Linie Rußland und die Türkei, und Rußland
wünscht nicht, diese Frage in einem der Türkei feindlichen Sinne zu erledigen
oder eine Kompensationsforderung daraus zu machen, da es als.
eine der unbeteiligten Mächte zur Konferenz kommt. Bei Besprechung
der englisch-russischen Konvention, die ebenfalls stattgefunden, ist völlige
Uebereinstimmung der Anschauungen festgestellt worden, so daß ein harmonisches
Zusammengehen beider Regierungen bei Erledigung der Zentralasien
betreffenden Fragen auch weiter gesichert erscheint.
26. Oktober. Das Auswärtige Amt erklärt über Englands
Einfluß auf die österreichisch-türkischen Verhandlungen:
Die Berichte, welche in der österreichischen Presse erschienen sind