4. Erhebung Preußens zur Großmacht durch Friedrich den Großen. 145
Gilgekanal angelegt und (1783) durch den Kraffohlkanal eine schiffbare
Verbindung Elbings mit der Nogat hergestellt. Zur Unterstützung des Handels
gründete Friedrich der Große in Berlin (1765) die „Königliche Bank“
mit Zweigbanken in den Provinzen, die den Geschäftsleuten Geld zu billigen
Zinsen lieh, sowie (1772) die Seehandlungsgesellschaft, die den auswärtigen
Handel unterstützen sollte. Emden ward für einen Freihafen erklärt,
und der König errichtete dort eine asiatische und eine bengalische Handelsgesellschaft
und rief die dortige Heringsfischerei wieder ins Leben, leider ohne
dauernden Erfolg. Im ganzen aber war der preußische auswärtige Handel
einträglich: die Ausfuhr betrug jährlich etwa fünfzehn Millionen Mark mehr
als die Einfuhr. Damit den armen Leuten das Brot nicht verteuert werde,
gestattete der König die Getreideausfuhr nur, wenn der Scheffel Roggen in
Berlin nicht über drei Mark kostete; „denn,“ sagte er, „ich bin von
Amts wegen der Sachwalter der Armen.“ Deshalb errichtete er
außer den Vorratshäusern für das Heer, in welchen stets das für einen
Feldzug erforderliche Korn aufgespeichert lag, auch noch Speicher, in welchen
er das Korn der billigen Jahre sammelte. Durch diese Einrichtung hielt er
die Kornpreise zum Wohle der Landwirtschaft und besonders der ärmeren
Bevölkerung stets in bestimmten Schranken.
Als ergiebigste Geldquelle des Staates betrachtete der König die Gewerbthätigkeit;
deshalb war er auch auf die Förderung derselben eifrig bedacht.
Was man im Lande brauchte, sollte man dort möglichst auch erzeugen, dem
Auslande wenige Waren, aber viel Geld abnehmen. Er ließ zu diesem Zwecke
fremde Handwerker und Fabrikanten ins Land kommen, welche die Einheimischen
unterrichten und so die bisher in Preußen unbekannten Gewerbe
einführen sollten, und schützte die einheimische Industrie durch hohe Eingangszölle
und durch das Verbot fremder Waren. Auf seinen Reisen hatte er auch
dafür ein scharfes Auge, ob es hier oder da an gewerblichen Anlagen fehle;
er ermunterte nicht nur zur Einrichtung derselben, sondern legte auch einige
auf Staatskosten an. Durch ihn wurde die Zuckersiederei, Papierbereitung,
Kattundruckerei, Seidenweberei, Baumwollspinnerei und -weberei sowie die
erste Spinnmaschine mit Dampfbetrieb in Preußen eingeführt. Thüringische
Arbeiter verpflanzten das heimische Stahlgewerbe nach Neustadt-Eberswalde.
Um Schlesiens Leinenindustrie zu heben, legte er dort Spinnschulen an;
schlesische Leinwand war schon damals so berühmt, daß sie nach Amerika verschickt
wurde. Auch die Königliche Porzellanfabrik in Berlin verdankt dem
Könige ihre Blüte; sie war von Gotzkowski angelegt, wurde aber vom Könige
übernommen und beschäftigte bald 500 Arbeiter; ihr Porzellan konnte mit
dem der berühmten Fabriken in Meißen und Sevres bei Paris wetteifern. Im
Fürstentum Minden und in der Grasschaft Mark wurden neue Salzquellen entdeckt
und ausgebentet; um billigeres Heizmaterial zu erhalten, ließ der König die
Steinkohlenbergwerke in Oberschlesien eifrig abbauen, wobei schon eine Dampfpumpe
verwendet wurde, und bewilligte, um den Gewerbfleiß anzuspornen,
den bei gewerblichen Unternehmungen beschäftigten Arbeitern sogar Freiheit
vom Militärdienst. «
Infolge der Hebung von Ackerbau, Handel und Gewerbe vermochte das
Hoffmeyer, Unser Preußen. 10