So schien durch ein kunstvolles Vertragssystem der
Friede Europas und die Sicherheit Deutschlands soweit
als moͤglich garantiert.
Ein neues Moment fuͤr die deutsche Politik bildete
das durch die schnelle und außerordentliche Entwicklung
des Reiches bedingte Beduͤrfnis nach wirtschaftlicher
Expansion, ein Beduͤrfnis, das u. a. die großen Projekte
der Bagdadbahn, der Erschließung Anatoliens und
Mesopotamiens zeitigte und zur Freundschaft mit
der Tuͤrkei fuͤhrte. Hier im Orient beruͤhrte die deutsche
Politik sich mit russischen und namentlich auch englischen
Interessensphaͤren.
Bereits fruͤher hatte Deutschland aus dem gleichen
Grunde mit dem Erwerb von Kolonialbesitz begonnen,
sein Handel suchte und fand Eingang in allen Laͤndern
der Erde. Deutschland war in die Weltpolitik eingetreten.
Es war die natuͤrliche Folgerung der Begruͤndung des
großen Reiches, das im Zentrum Europas gelegen,
dort kein genuͤgendes Betätigungsfeld hatte, der staatlichen
Einigung eines Volkes von so, spaͤter uͤber
60 Millionen. Nur zögernd hat Bismarck anfangs
diesen Weg betreten, er fürchtete wohl die Uberstürzung
des Laufes, aber er erkannte die Forderungen der Enkwicklung.
Noch in seine Amtszeit fällt der Erwerb von
nationaler Fragen wibersetzten und sede derartige Konzession als „Jeichen
von Schwäche und Furcheé“ ablehnen ließen. Nicht ganz drei Wochen
spaͤter, am 27. Auguft, ertlärte Rumänlen den Krieg!
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