Full text : Das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

28  Reichs=  und  Staatsangehörigkeitsgesetz.

Nicht  selten  sind  mit  der  mehrfachen  St  A.  auch  mannigfache
  Vorteile  verbunden,  so  für  Anstellung  im  Staatsdienst
  und  bei  dem  Besuch  von  Schulen  und  Hochschulen.

Dagegen  erfahren  die  Pflichten  keine  wesentliche  Steigerung.
  Die  Wehrpflicht  ist  Reichspflicht,  und  einer  Erhöhung
  der  Steuerpflicht  ist  durch  das  Gesetz  zur  Vermeidung
  der  Doppelbesteuerung  —  RGBl.  1909,  332  —
vorgebeugt.

Besonders  wichtig  für  die  mehrfache  St  A.  ist  die  Verbindung
  der  Ansprüche  aus  §7  und  21.  Jeder  Deutsche
hat  nach  §  7  Anspruch  auf  Erwerb  der  St  A.  in  jedem
Bundesstaat  und  muß  nach  §  21  aus  der  StA.  von
jedem  Bundesstaat  entlassen  werden,  sofern  er  nur  eine
andere  St  A.  behält.  Dadurch  ist  ein  freier  Wechsel  innerhalb
  der  deutschen  St  A.,  sozusagen  eine  Freizügigkeit  des
Staatsbürgerrechts  begründet.

Für  die  URA.  hat  man,  wohl  nur  versehentlich,  die
Anwendung  des  §  21  ausgeschlossen.  S.  darüber  die  Erläuterungen
  zu  §  7  und  21.

Mehrsfache  St  A.  außerhalb  der  RA.

Das  Röt.  bringt  eine  wichtige  Neuerung  darin,  daß
fortan  jeder  Deutsche,  der  ins  Ausland  geht  und  eine
fremde  St  A.  erwirbt,  dadurch  das  deutsche  Bürgerrecht
verliert.  Ausnahmen  sind  zugelassen,  weil  der  Erwerb
der  ausländischen  St  A.  häufig  durch  wirtschaftliche  Rücksichten
  geboten  ist.  ·

Näheres  s.  in  den  Erläuterungen  zu  §  25.

Bei  der  Einbürgerung  von  Ausländern  schreibt  das  Rt.
nicht  vor,  daß  die  fremde  St  A.  zuvor  erloschen  sein  müsse.
Dies  ist  reichsrechtlich  nur  in  einzelnen  Staatsverträgen