Volltext : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

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noch  der  Befiedelung  der  Hochmoore  zu  gedenken,  die  in  neuerer
Zeit  systematisch  und  zielbewußt  betrieben  wird.  Hier  kommen
zunächst  die  der  Hannoverschen  Provinzialverwaltung  in  den  Emsmooren
  gehörenden  Flächen  in  Betracht.

Die  Kolonie  „Provinzialmoor“  umfaßt  442  ha  fertiges  Ackerund
  Wiesenland.  Von  den  vorhandenen  43  Kolonaten  sind  38  bebaut.
  Die  einzelnen  Siedelungen  sind  10  ha  groß.  Sie  werden
mit  fertigem  Woh  und  Wirtschaftsgebäude  Ausleohe  auf  10  Jahre
in  Zeitpacht  gegeben,  nachdem  etwa  2  ha  des  Bodens  mit  Hilfe  von
Lalk  und  Kunstdünger  in  Kultur  gebracht  und  bestellt  worden  sind.
In  jedem  Jahre  wird  auf  Kosten  der  Verwaltung  ein  weiterer
Kolonatsteil  vorgerichtet.

Alle  hierzu,  sowie  zur  ersten  Urbarmachung  nötigen  Arbeiten
verrichten  die  Ansiedler  selbst  im  Tagelohne,  wodurch  eine  möglichst
sorgfältige  Ausführung  gesichert  wird.  Düngung  und  Bestellung,
sowie  die  ganze  Wirtschaftsführung  erfolgen  während  der  ganzen
Pachtzeit  genau  nach  den  Vorschriften  der  Verwaltung,  die  auch
zum  Selbstkostenpreis  den  nötigen  Kunstdünger  liefert.  Nach  Ablauf
  der  Pachtperiode,  oder  auch  nach  dem  Ermessen  der  Verwaltung
  schon  früher,  kann  der  Ansiedler  das  ganze  Kolonat  zum
Buchwert  als  Rentengut  erwerben,  wobei  durch  geeignete  Bestimmungen
  eine  Zersplitterung  desselben  verhindert  werden  soll.
Die  Pacht  beträgt  3  %  der  von  der  Verwaltung  verauslagten  Gesomtkosten
  (letztere  belaufen  sich  einschließlich  der  Ausgaben  für
Wegeanlagen  und  Gebäude  auf  1119  Mark  für  1  ha  fertiger  für
die  Ernte  vorbereiteter  Kolonatsfläche).  Jedoch  werden  den  Ansiedlern
  ein  Freijahr  und  in  besonderen  Fällen  Unterstützungen  in
Form  von  Saatgut  und  Düngestoffen  gewährt.

In  den  ofstfriesischen  Mooren  tritt  der  Staat  als  Unternehmer
des  Besiedelungswerkes  auf  und  verfährt  dabei  nach  ähnlichen
Grundsätzen,  wie  sie  sich  in  den  linksemsischen  Mooren  bewährt
haben.  Die  neue  Ansiedelung  „Marcardsmoor"“  umfaßt  jetzt
49  bebaute  Siedelplätze,  von  denen  bereits  10  als  Rentengüter
  ausgegeben  sind.  Die  übrigen  Kolonisten  bezahlen  als  Pacht
für  1  ha  für  die  Aberntung  fertig  gestellten  Landes  30  Mark  und
genießen  2  Freijahre.  In  Kultur  befinden  sich  augenblicklich  rund
400  ha.  Seitens  der  leitenden  Organe  wird  gerühmt,  daß  das
Verständnis  der  Kolonisten  und  damit  auch  das  Vertrauen  zu  dem
Unternehmen  in  fortwährendem  Wachsen  begriffen  sei.  Letzteres
spreche  sich  auch  namentlich  darin  aus,  daß  die  in  den  letzten  Jahren
zugezogenen  Siedler  fast  ausnahmslos  nahe  Verwandte  oder  Bekannte
  älterer  Ansiedler  seien.

Auch  in  Grost-Sterneberg,  einem  im  unteren  Elbegebiete  belegenen
  Teile  des  Kehdinger  Moores  (Hochmoor)  wird  eine  Besiedelung
  ausgeführt.  In  Kultur  gebracht  sind  bereits  rund
110  ha,  5  der  darauf  neu  errichteten  Stellen  sind  als  Rentengüter