Volltext : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

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früher,.  gerade  um  die  Zeit,  da  das  Schreiben  vom  27.  Juli  1526
denı  Erzherzog  zu  Händen  kommen  mochte,  hatte  der  Kaiser
seine  wahre  Ansicht  offenbart,  indem  er  —  unter  dem  8.  September
  —  seinem  Gesandten  in  England  klagend  bemerkte,  dafs  nur
die  Umtriebe  Frankreichs  und  der  Kurie  ihn  und  den  Erzherzog
von  ihrem  Vornehmen,  die  anwachsende  lutherische  Sekte  zu  vernichten,
  abgewandt  hätten‘).  Da  würde  denn  freilich  auch  die
Reichsbotschaft,  welche,  wie  die  Evangelischen  hofften,  die  deutschen
Dinge  dem  Kaiser  in  einem  anderen  Lichte  zeigen  sollte,  wenn
sie  vor  dessen  Angesichte  erschienen  wäre,  sich  kaum  grofser  Erfolge
  haben  rühmen  können.

Es  kam  hinzu,  dafs,  auch  wenn  der  Kaiser  und  der  Erzherzog
an  sich  williger  gewesen  wären,  dem  Verlangen  des  Reichs  zu
entsprechen,  die  augenblickliche  Lage  der  Dinge  in  Europa  es
ihnen  kaum  gestattet  haben  würde.  Selbst  von  einem  allgemeinen
Konzil  abgesehen,  war  damals  an  eine  Nationalversammlung  in
Deutschland  fürs  erste  keinesfalls  zu  denken.  Ohne  den  Papst,  ja
wider  denselben  wäre  eine  solche  wohl  denkbar  gewesen;  aber
wenn  sie  Endgiltiges  beschliefsen  und  regeln  sollte,  so  war  die
Anteilnahme  des  Kaisers  unerläfslich,  und  dafs  der  Kaiser  noch
auf  lange  hinaus  sich  den  deutschen  Angelegenheiten  nicht  würde
widmen,  geschweige  denn  selbst  nach  Deutschland  kommen  können,
war  sonnenklar.  Und  auch  auf  den  Erzherzog,  den  berufenen
Vertreter  des  Kaisers,  den  einzigen,  dessen  Gegenwart  und  Anteilnahme
  allenfalls  die  Karls  hätte  ersetzen  können,  war  nicht  zu
rechnen.  Zunächst  galt  Ferdinands  Sorge  dem  Schutz  der  österreichischen
  Erblande  gegen  die  Türken;  alsbald  aber  ergaben  sich
ihm  ganz  neue  Ziele  und  Aussichten;  aus  dem  blutgedüngten  Boden
von  Mohacz  sollte  dem  Erzherzog  eine  zwiefache  Königskrone  erwachsen.
  Da  nämlich  der  junge  König  Ludwig  keine  Erben
hinterlassen  hatte,  so  waren  durch  seinen  Fall  die  Kronen  von
Böhmen  und  Ungarn  erledigt  worden.  Auf  beide  Kronen  hoffte
und  um  beide  bemühte  sich  Ferdinand,  der  Schwager  des  Dahingeschiedenen,
  und  in  Böhmen  hatte  er  alsbald  Erfolg;  schon  am
23.  Oktober  1526  wurde  er  durch  die  Wahl  der  böhmischen  Stände

ihn  schädigen  könne.  („  ...  si  ce  nestoit  que  le  pape  perseverast  en  son
mauvais  vouloir,  que  alors  fauldroit  faire  du  pis  que  lon  pourroit“).  Wien,
Briefb.;  erw.  Bucholtz  III  S.  373.

ı)  (Gayangos),  Calendars  III,  1  8.879  nr.  534.