Karls IV Berfönlichkeit. Gründung der Univerfität Prag. 347
Blutvergießen, das Karl, wo es nicht nötig war, vermied. Sm Sahre
1353 machte er eine umfatjende Fahrt dur) Das Neich, und e3 fonnte
einem König, der doch immerhin über nicht geringe Macht verfügte,
an Gelegenheit nicht fehlen, Ordnung und Friede zu ftiften, und
dadurch viele zu verpflichten. Das Tejtament jeines Vaters Johann
hatte nach der hHerfümmlichen üblen Sitte des Ddeutjchen Fürjtentums
das Iuremburgische Erbe unter drei Söhne geteilt, und Böhmen
mit Oberlaufib, dem Herzogtum Breslau und der Oberhoheit über die
meisten der übrigen fchlefiichen Herzog- und Fürftentümer war Karl
zugefallen. Er fand diefe feine Erblande in jehr zerrüttetem Zustande.
König Fohann Hatte über feinem unaufhörlichen Blänefchmieden und
Ioderen Leben jeine Negentenpflichten arg vernacdhlälligt. Mit großer
Einfiht und rühmlicher Energie jebte Karl hier ein, der mit dent
Vater nur die hohe Begabung und unermüdliche Tätigkeit, aber
lonft nichtS gemein hatte. Er Hatte die längfte Zeit feines Lebens
in Zändern höherer Kultur, Frankreich, Italien, zugebracht, wo er
früh in alle Gänge damaliger Volitif eingeweiht und in ernithaftern
Geichäft aufgewachjen war. Eine jehr glückliche Begabung hatte er
durch Fleiß und ernjthaftes Lernen fruchtbar gemadt; in fünf
Sprachen, rühmte man ihm nach, wife er zu verkehren. Wir erhalten
von ihm ein fjehr individuelles Bild, wie nicht bei vielen unjerer
Könige: ein Mann von mittlerem Wuchs, nicht ganz gerader Haltung,
Dunflem Bollbart und Haupthaar, großen Augen; die Kleidung
ernjt und ftetS gejchloffen. Man bemerkte an ihm eine Eigentümlichfeit,
die er mit vielen Tätigen teilte, die zu langem Anhören
weitläufigen Nedens genötigt find: während ihm ein Geichäftzfall,
eine Bitte vorgetragen wird, fchneidet er mit einem Meffer einen
Weivdenftab in Heine Stüdchen; man glaubte, er höre nicht zu, aber
man täujchte fich, es war ihm nichtS entgangen: in mwohlerwogenen
Borten gab er Furzen Beicheid. Man findet ihn in Erfüllung
firchlicher Pflichten äußerft forreft, nicht ohme theologische Kenntniffe
und jelbjt einer müyftilchen Richtung zugeneigt: aber wo fein Vorgänger
nur der allgemeinen Richtung folgte und die Gedanken
oder vielmehr die Empfindungen und Vorurteile der Menge teilte,