408 Goettingen, Universitäts -Bibliothek
böhmischem Texte über den Gebrauch des Kelches hat nichts mit dem
Spiegel zu thun. Es bleiben also für den böhmischen Spiegel
S.9 und 12 auf Pergament; dann 8.13—58, S.64—86, S.90—99b
auf Papier. Auf S.59 ist gemalt ein Mann der predigt (Huss?);
S.59 und 60 je ein Mann mit Ketzermütze am brennenden Holzstoss,
daneben Geistliche und Reiter, also wohl Huss und Hieronymus.
Diese 5 Bilder sind gewiss auch nur spätere Zusätze auf leeren Seiten.
Der Spiegel im Jenenser Exemplar besteht also aus folgenden
alten Lagen 8.138—32, 33—57, 58—61, 64—86, 90—104. Im
Göttinger Exemplar ist das 1. Blatt ausgerissen. Dieses und Bl.1—11
bildeten die erste Lage; dieser folgen Bl.12—25, 26—39 (40 und 41,
42 und 43?), alle mit dem gleichen Wasserzeichen (Wage im Kreis).
Leider ist diese Hft schlecht erhalten; besonders von den BI.7 17
18 39 42 43 ist unten rechts ein grosses Stück weggerissen.
In dem Spiegel soll der Gegensatz zwischen Christus und den
Seinen gegenüber dem Pabste und seinem Anhange dargestellt werden
durch Bilder und durch begleitende Stellen aus der Bibel, aus den
Kirchenvätern und neueren Canonisten; dazu kommen auch eigene
Erklärungen. Abgebildet ist (Jen. S.86, Goett. Bl.39a) ein Priester,
der ein Kind mordet, welche Unthat Zdeniek Kostka 1463 im kgl. Hof
zu Prag erzählt haben soll, und welche (nach dem Zusatz in Jen.)
zu Brozaneck auf dem Gute des Herrn Borsse von einem Hradscher
Priester verübt wurde. Darnach kann dieser Spiegel nicht vor 1463
verfasst sein.
Nach einer alten Sage erregten in Prag um 1405 Wand-Gemälde,
welche das Leben Christi und im Gegensatz das des Pabstes als
des Antichristes darstellten, grosses Aufsehen; vgl. Struve. Dann
haben Huss und andere böhmische Theologen Vieles über den Antichrist
geschrieben. Es ist nicht wahrscheinlich, dass diese Bilder
auf jene Wandgemälde zurückgehen; aber die Entstehung des Spiegels
begreift sich so leicht.
Die Bilder geben viele Schablonfiguren, welche die eitirten
Schriftsteller darstellen. Daneben aber finden sich viele culturhistorisch
interessante Scenen; z. B. S.66 (Goett.9a) Auszug einer
Pfarrerhaushaltung; S.68 (Goett.10a) Tanzvergnügen von Geistlichen;
S.76 (Goett. 34a) Buhlerin als Lockspeise für Geistliche; S.78
(Goett.35a) 2 Bäume, aus denen Nonnen sich Mönche schütteln und
umgekehrt; S.81 (Goett.36) Apostel im Block; 8.83 (Goett.37b)
Apostel am Schandpfahl; S.84 (Goett.38a) Ziska an der Spitze seines
Heeres; das Jenenser Blatt ist in der böhmischen Ausgabe von
Tomek’s Ziska beim Titel photographirt. Dazu kommen apokalyptische
Bilder S.36 70 75 90 (Goett.29b 17a 33b 7a).
Das Werk zerfällt nach der Vorrede (Jen. S.11) in 9 Abschnitte:
1) Leben, 2) Armuth, 3) Geduld, 4) Gehorsam Christi und der Seinen
auf der einen, des Pabstes und seiner Leute auf der andern Seite,
5) Simonie, 6) ungerechtes Gericht, 7 und 8) Christi Demuth und
les Pabstes Hochmuth, 9) verschiedene Sünden der Päbste nach
den Weissagungen der h. Schrift. Dann solle man innerhalb jedes
Abschnittes die Nummern beachten, mit denen die Reihenfolge der
Citate gegeben sei. Anfang und Ende der Abschnitte sind in den
beiden Handschriften leider nicht bezeichnet; die Zahlen vor den