Contents : Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge.

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Ortes  (Po.).  Alt  und  jung  durchzieht  die  Straßen  und  Gassen,  oft  in
ausgelassenster  Heiterkeit,  unzählige  Male  „Prost  Neujahr!“  rufend  (allg.).
Vor  wenigen  Jahren  noch  fand  sich  in  A.  die  Jugend,  zum  Teil  verkleidet,
  auf  dem  Marktplatze  zum  „lust'gen  Elend“  ein.  Auf  einem
Schlitten,  dem  ersten  besten,  den  man  irgendwo  erwischen  konnte,  wurden
Strohpuppen  um  den  Platz  herumgefahren,  nicht  selten  unter  Musikbegleitung.
  Alt  und  jung  folgte  dem  Schlitten  in  toller  Hast  auch
durch  die  Straßen  der  Stadt,  wobei  sich  die  Teilnehmer  allmählich  verliefen
  Die  Polizei  ließ  dem  Treiben  ruhig  gewähren,  es  war  ja  freie
acht!  —

In  den  Gasthäusern  gibt's  um  Mitternacht  umsonst  Punsch  oder
Grog  (v.).  Freunde  und  Bekannte  sitzen  daheim  in  traulicher  Runde
bei  einem  Glase  Punsch  beieinander,  um  sich,  wenn  die  bedeutungsvollen
zwölf  Glockenschläge  von  den  Türmen  erschallen,  das  „Prosit  Neujahr!“
als  Glückwunsch  für  den  neuen  Zeitabschnitt  zuzurufen.  Wenn  man
beim  Weihnachtsfest  bestrebt  ist,  den  Familienkreis  möglichst  eng  zusammenzuschließen,
  so  weitet  er  sich  am  Silvester.  Der  Brauch,  sich  an  diesem
Abende  ernsten  Betrachtungen  hinzugeben,  schwindet  mehr  und  mehr;
nur  vereinzelt  liest  man,  wenn  die  Glocke  12  Uhr  verkündet,  ein  Gesangbuchslied.
  Unter  dem  Silvesterlauten  werden  die  Fenster  geöffnet,  „um
das  neue  Jahr  hereinzulassen“  (Joh.,  Bä.),  trinken  die  Glieder  einer
Familie  alle  aus  einem  Glase  und  werfen  dieses  mit  dem  darin  gelassenen
  Reste  zum  Fenster  hinaus.  Dadurch  soll  alles  Unglück  vom
Hause  fernbleiben  (A.).  Auch  trinkt  man  sich  gegenseitig  aus  den  Häusern
zu,  worauf  die  Gläser  heruntergeworfen  werden  (A.).  S.  auch  S.  128.
In  der  Silvesternacht  werden  die  Bäume  mit  Milch  bestrichen  (Bär.).
Von  den  am  Silvesterabend  genossenen  Linsen  wird  ein  Rest  erst  nach
dem  Neujahrstage  gegessen,  was  viel  Geld  bringen  soll  (Bär.).  Brot
und  Salz  bleiben  ins  Tischtuch  eingewickelt  die  Nacht  hindurch  auf  dem
Tische  liegen,  Nahrungsmangel  fernzuhalten  (Ob.).

Nenjahr.

Um  sich  ein  in  jeder  Beziehung  glückliches  Jahr  zu  sichern,  übt
man,  wenn  das  alte  Jahr  scheidet,  den  „Glückssprung“.  Zu  diesem
Zwecke  stellt  man  sich,  ehe  die  Uhr  anhebt  zu  schlagen,  auf  den  Tisch
oder  einen  Stuhl  und  springt  mit  dem  zwölften  Schlage  mit  den
Worten  herunter:

„Grüß  dich  Gott!  du  neues  Jahr,

Viel  Segen,  Fried'  und  Glück,

Das  bringst  du  doch  wohl  mit!"

(A.,  B.,  Ehr.  Mau.,  Zw.  u.  a.  O.).

Die  Unterlassung  des  Glückssprunges  ist  gleichsam  eine  Verzichtleistung
auf  kommendes  Glück.  Des  Glückes  wegen  werden  am  Neujahrsmorgen
auch  die  Treppen  von  unten  nach  oben  gekehrt  und  der  Kehricht  aufgehoben
  (Nd.,  St.).  Der  Genuß  guellender  und  runder  Speisen  läßt
das  Geld  nicht  ausgehen  (allg.).  Süße  Speisen  bringen  Wohlergehen