Contents : Tägliche Erinnerungen aus der sächsischen Geschichte.

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deshalb  auf  der  Erfutter  Universitaͤt  schon  vier  Jahre  lang  aufs  eifrigste
  studirt,  und  auch  sein  Vater  war  anfangs  durchaus  gegen  den
geistlichen  Stand.  Aber  besondere  Umstände  weckten  und  befestigten
  in  Luthern  den  Entschluß:  er  glaubte  sich  von  Gott  dazu  berufen
und  Gott  damit  einen  wohlgefälligen  Dienst  zu  thun.  Im  Jahre
1504  war  Luther  durch  vieles  Arbeiten  und  große  Anstrengung  krank
geworden  bis  zum  Tode  —  und  schon  diese  Krankheit  hatte  ihm
den  Gedanken  gegeben,  daß  es  vielleicht  Gott  angenehmer  sei,  wenn
er  sich  der  Kirche  und  dem  für  so  heilig  geachteten  Mönchsstande
weihe.  Nun  ward  auch  er  sowohl,  als  sein  treuer  Freund  Alerius
im  September  1504  von  einem  heftigen  Blitz=  und  Gewitterschlage
besinnungslos  zu  Boden  geworfen  —  das  erschütterte  aufs  neue  die
Nerven,  wie  das  Gemüth.  Endlich  brachte  man  eines  Abends  den
theuern  Alexius  todt,  mit  einer  Stichwunde  in  der  Brust,  vor  sein
Bett  —  und  das  machte  ihn  vor  Schrecken  bleich  und  starr.  —
So  trieb  es  den  frommen  Juüngling  Luther  von  der  Jurisprudenz
zur  Theologie,  von  dem  freien  Leben  zum  einsamen  Mönchs=  und
Klosterleben.  Im  Kloster  war  er  eben  so  unglaublich  fleißig,  besonders
  im  Studiren  der  Bibel,  wie  früher  als  Student,  mußte  aber
auch  fürs  Kloster  mit  dem  Bettelsacke  laufen  und  andere  unanständige
  Geschäfte  verrichten.  Als  Luther  zum  wirklichen  Mönch  und
Priester  geweiht  wurde,  kam  auch  sein  alter  Vater  Hans  Luther
herbei  und  sah  die  Feierlichkeit  im  Kloster  mit  an,  konnte  sich  aber
noch  immer  nicht  zufrieden  geben,  daß  der  Sohn  gegen  der  Eltern
Willen  den  geistlichen  Stand  erwählt  hatte.  Im  Jahre  1507
bisitirte  der  ehrwürdige  Oberaufseher  der  deutschen  Augustinerklöster
Doctor  Staupiß  das  Kloster  zu  Erfurt.  Dieser  Umstand  ist  höchst  wichtig
und  Staupitzens  Name  in  der  Reformationsgeschichte  unvergeßlich.
Luther  erschien  ihm  als  der  beste,  fleißigste  und  gelehrteste  unter  den
Mönchen,  als  ein  Jungling,  „zu  großen  Dingen  berufen,“  wie  er
sagte.  Er  empfahl,  ihn  zum  Lehrer  an  der  neuen  Universität  Wittenberg,
  wohin  Luther  1508  abging.  Sein  dortiges  Leben  und
Wirken  werden  wir  anderwärts  betrachten.

22.  Juli.
Wanktelt  wegen  des  weltphälitchen  Friedens.
Am  24.  October  1648  hatte  der  ersehnte  Friede  dem  dreißigjährigen
  Ekende  ein  Ende  gemacht.  Aber  in  unserm  Vaterlande

blieb  noch  schwedische  Besabung  zurück  bis  zum  1.  Juli  1650.
Darum  ward  das  Dankfest  für  die  Wohlthat  des  Friedens  erst  den