Full text : Unser Preußen.

204  Zweiter  Zeitraum.

korps,  das  sich  in  der  Kirche  zu  Rogan  einsegnen  ließ,  wobei  das  von  Körner
gedichtete  Weihelied  gesungen  wurde:

Wir  treten  hier  im  Gotteshaus  mit  frommem  Mut  zusammen,

Uns  ruft  die  Pflicht  zum  Kampf  hinaus,  und  alle  Herzen  flammen.

Denn  was  uns  mahnt  zu  Sieg  und  Schlacht.
Hat  Gott  ja  selber,  angefacht.  Dem  Herrn  allein  die  Ehrel!

Wie  der  König,  so  erließ  auch  Körner  einen  „Aufruf"“:

Frisch  auf,  mein  Volkt  Die  Flammenzeichen  rauchen,
Die  Saat  ist  reif;  ihr  Schnitter,  zaudert  nicht!

Das  höchste  Heil,  das  letzte,  liegt  im  Schwertel!
Drück  dir  den  Speer  ins  treue  Herz  hinein!

Der  Freiheit  eine  Gasse!  —.  Wasch  die  Erde,

Dein  deutsches  Land  mit  deinem  Blute  rein!

Die  Kämpfe  vor  der  Schlacht  bei  Leipzig.

Schon  im  Januar  hatten  die  Franzosen  die  Weichsellinie  mit  Ausnahme
einiger  Festungen,  wie  Danzig  und  Thorn,  aufgegeben  und  sich  vor  dem  heranrückenden
  russischen  Heere  unter  General  Wittgenstein,  dem  auch  York  und
Bülow  unterstellt  waren,  über  die  Oder  zurückzogen;  Anfang  März  räumten
sie  Berlin,  und  unter  dem  Jubel  der  Bevölkerung  zogen  die  Kosaken,  dann
auch  York  ein.  Vor  dem  Weitermarsch  ließ  auch  er  sein  Korps  feierlich  einsegnen;
  zum  Leibregiment  sprach  er:  „Das  schwöre  ich  euch,  ein  unglückliches
Vaterland  sieht  mich  nicht  wiederl"  —  „Das  soll  ein  Wort  sein!“  erscholl
es  aus  den  Reihen  der  Soldaten.  Dann  ging's  weiter  zur  Elbe.  Schon
am  18.  März  besetzte  Tettenborn  mit  seinen  Kosaken  Hamburg,  und  an
vielen  Orten  der  Nordseeküste  zwischen  Elbe  und  Ems  erhoben  sich  die  erbitterten
  Bewohner.  Aber  sie  blieben  ohne  Hilfe.  Die  Verbündeten  zogen
zu  langsam  heran  und  versäumten  dadurch,  den  Krieg  sofort  über  die  Elbe
zu  tragen.  Zwar  eroberte  Dörnberg  (2.  April)  mit  russischen  und  preußischen
Truppen  das  von  Morand  besetzte  Lüneburg,  wobei  das  Dienstmädchen  Johanna
Stegen  im  heftigen  Kugelregen  ihren  kämpfenden  Brüdern  neuen  Schießbedarf
zutrug;  aber  bald  rückten  überlegene  französische  Streitkräfte  heran.

Napoleon  hatte  sofort  nach  seiner  Rückkehr  neue  große  Aushebungen  in
allen  von  ihm  abhängigen  Ländern  angeordnet.  Am  erbittertsten  war  er  auf
Preußen:  nach  Wien  sandte  er  schon  einen  Vorschlag,  wie  dieses  Land  unter
die  Sieger  verteilt  werden  sollte.  Er  schickte  Davoust  und  Vandamme
sofort  nach  Norddeutschland,  die  alle  freiheitlichen  Regungen  mit  blutiger
Strenge  niederschlugen.  Am  5.  April  suchte  Napoleons  Stiefsohn  Eugen,
Vicekönig  von  Italien,  von  Magdeburg  aus  Berlin  zu  überfallen,  er  wurde  aber
bei  Möckern  durch  York  und  Bülow  blutig  zurückgewiesen.  Napoleon  führte
unterdes  das  Hauptheer  auf  der  Frankfurt-Leipziger  Straße  heran,  bei  Naumburg
  vereinigte  sich  Eugen  mit  ihm.  Auch  die  russisch-preußischen  Truppen
unter  Wittgenstein  überschritten  die  Elbe  und  zogen  gegen  Leipzig.  Blücher
befehligte  das  preußische  Hauptheer.  Er  war  gleich  am  Tage  nach  des  Königs
Aufruf  aus  Schlesien  aufgebrochen,  hatte  die  Elbe  überschritten  und  ganz
Sachsen  bis  auf  die  Festungen  besetzt.  Scharnhorst  hatte  gehofft,  vor  der