Full text : Deutsches Kolonialblatt. XIX. Jahrgang, 1908. (19)

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Sachen  des  Handels  keine  Partei  hin  und
her.  Ich  weiß  aus  eigener  Erfahrung,  daß  der
Handel  ganz  genau  weiß,  was  er  braucht  und
will.  Ich  muß  mich  gegen  ihn  bloß  dann  wenden,
wenn  statt  usus  abusus  eintritt.  Und  da  hat
man  gesagt:  der  Inder  wuchere  die  Schwarzen
aus.  Das  sagen  die  Leute.  Aber  wenn  jemand
einen  anderen  auswuchert,  dann  kann  man  ihn
bestrafen  lassen.  Meldet  es  nur!  Wir  werden
ihn  strafen.

Dann  ist  es  doch  sehr  wunderbar,  daß  gerade
die  kleinen  Pflanzer  sagen:  der  Inder  wuchere
die  Schwarzen  aus.  Was  will  aber  der  kleine
Pflanzer?  Er  will  an  die  Stelle  des  Inders
treten.  Der  Inder  muß  geradezu  vernichtet
werden,  damit  der  kleine  Pflanzer  arbeiten  kann.
Warum?  Wenn  jemand  mit  Kosten  und  Kapitalausstattung
  nach  Afrika  geht,  wenn  er  rechnen
muß,  daß  er  höchstens  zehn  Jahre  dort  leben
kann,  wenn  er  europäische  Bedürfnisse  nicht  aufgeben
  kann,  dann  muß  er  eben  eine  größere
Summe  Geldes  im  Jahr  einnehmen.  Er  braucht
das  Vermögen,  mit  dem  er  nach  Hause  gehen
will;  denn  in  der  Heimat  hat  er  sich  entwurzelt.
Alles  das  braucht  der  Inder  nicht.  Er  lebt  sein
ganzes  Leben  dort.  Er  hat  geringe  Bedürfnisse
und  vererbt  sein  Geschäft  vom  Vater  auf  den
Sohn.  So  habe  ich  die  Behauptung  für  unrichtig
  gefunden,  die  Inder  verschleppten  das
Geld  außer  Landes.  Vielmehr  sind  es  die  Inder,
die  lange  dort  bleiben,  viel  länger  als  die  Europäer.
  Es  sind  oft  große  Häuser.  Ein  Beamter
hat  mir  einmal  gesagt:  sehen  Sie,  was  für  Geld
nach  Bombay  kommt!  Jedes  Jahr  geht  so  und
so  viel  hinaus  in  Postanweisungen.  M.  H.,
wenn  aber  jemand  ein  großes  Vermögen  macht,
schickt  er  sein  Vermögen  nicht  in  Postanweisungen
mit  Maximalsummen  von  400  Mk.  fort  und  wenn
jemand  ein  Kaufmann  ist,  schickt  er  nicht  den
Überschuß  an  eine  Bank,  sondern  er  steckt  ihn
ins  Geschäft  und  erweitert  es.  Dieser  Abfluß  des
Geldes  nach  Indien  ist  die  Bezahlung  für  die
Tücher,  für  den  Reis  usw.  Keine  kleine  Summel
Daraus  ist  aber  nichts  zu  entnehmen.  Im
Gegenteil:  ich  habe  viel  mehr  alte  Inder  in  Ostafrika
  gesehen  als  alte  Deutsche.

Heute  kann  jeder  Weiße  neben  dem  Inder
sein  Geschäft  machen.  Aber  der  Weiße  ist  nicht
so  konkurrenzfähig.  Deshalb  wird  verlangt,  daß
der  Inder  entfernt  werde.  Nun,  m.  H.,  daß  der
Inder  ein  hbchst  anständiger  und  sauberer  Geschäftsmann
  ist,  kann  kein  Mensch  behaupten.
Das  ist  gar  nicht  die  Frage.  Was  können  Sie
von  einem  Hausierer  verlangen?  (Heiterkeit.)  Was
für  Erfahrungen  haben  wir  mit  den  deutschen
Kleinhändlern  gemacht?  (Heiterkeit.)

Unsere  Erfahrungen  lehren,  daß  wir  immer

 

die  größten  Schwierigkeiten  mit  den  deutschen
Händlern  gehabt  haben.  Sie  haben  den  Eingeborenen
  ihr  Vieh  weggetrieben,  sich  mit  den
Sultanstöchtern  verheiratet.  Sie  haben  mit  dem
schwarzen  Sultan  getrunken  und  den  deutschen
Namen  fast  mehr  heruntergebracht  als  irgend
etwas  anderes.  Warum  sollen  wir  uns  darüber
echauffieren?  Lassen  wir  den  Händler  seinen  Weg
gehen!  Sind  die  Gesetze  nicht  ausreichend,  um
die  Auswucherung  der  Schwarzen  durch  Inder
zu  verhindern,  so  machen  wir  sie  schärfer.  Aber
ich  habe  keine  Lust,  die  Zerstörung  des  Handels
von  36  Millionen  und  einen  Ausfall  an  den  vier
Millionen  Fiskaleinnahmen  zustande  zu  bringen.
Die  deutschen  Kaufleute  sagen,  ohne  den  Inder
können  wir  nicht  arbeiten.  Und  ich  glaube  ihnen
das.  Alle  diese  Einnahmen,  die  wir  haben,  basieren
  auf  dem  Handel.  Es  ist  ein  Unrecht  zu
verlangen,  man  solle  den  Inder  vernichten.

Nun  zur  Kleinsiedlung.  Ich  moöchte  sie
gern  unterstützen.  Die  kleinen  Siedler  in  Ostund
  West-Usambara  werden  schon  von  der  Regierung
  möglichst  unterstützt  in  einer  Form,  die
sich  etatmäßig  nicht  zeigt.  Bei  den  Straßenbauten
  gibt  man  ihnen  Lose,  um  ihnen  bares
Geld  in  die  Hand  zu  geben.  Aber  dann  kommen
sie  wieder  und  sagen:  Die  Regierung  ist  gegen
eine  deutsche  Besiedlung  in  Ostafrika.  Wie  unrichtig
  ist  das!  Am  23.  September  hat  mir  der
Farmerverein  in  West-Usambara  eine  Eingabe
übermittelt,  aus  der  ich  folgendes  vorlese.  Es
sind  17  Kolonisten  in  West-Usambara  und  die
hatten  geschrieben:

In  dem  Gebirge  im  Westen  von  Usambara
haben  20  Familien  Platz;  17  sind  schon  da,  nun
wollen  sie  noch  drei  hereinlassen  und  das  soll  die
Regierung  betreiben.

M.  H.!  Auch  sonst  sind  die  Anforderungen
dieser  kleinen  Farmer  nicht  besonders  bescheiden;
weil  es  sich  aber  um  schwer  kämpfende  Existenzen
handelt,  möchte  ich  besonders  mild  verfahren  und
denen,  die  dort  sind,  nach  allen  Richtungen  hin
gern  helfen.  Aber  eine  große  Einwanderung
nach  Ostafrika  ist  heute  nicht  an  der  Zeit.
Es  sind  schon  zuviel  Reibungsflächen  vorhanden
und  dann  müssen  Sie  selbstverständlich  so  und  soviel
  Polizisten  und  so  und  soviel  Ausgaben  für
die  Rechtspflege  mehr  haben,  daß  das  nicht  lohnt.
Wenn  wir  einmal  die  Oberhand  haben  und  wissen,
was  der  Deutsche  in  den  Tropen  leisten  kann,
sind  wir  gern  bereit,  uns  darüber  zu  äußern.
Heute  sage  ich:  Wer  hinausgeht,  ist  willkommen;
  er  wird  behandelt  wie  jeder  andere,
aber  einen  Gegenstand  für  besondere  Benefizien
  kann  er  nicht  bilden.

Um  dieser  Frage  überhaupt  näher  zu  treten,
habe  ich  das  Kaiserliche  Gesundheitsamt  veran-