Full text : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1861. (27)

Abschnitt  XXIV.  Entwässerungsanlagen.  1199

Gesetzy,  betr.  das  für  Eutwässerungsaulagen  einzuführende
Aufgebots-  und  Präklusions-Verfahren.
Vom  23.  Jannar  1846.

(Die  abgeänderten  Bestimmungen  des  Gesetzes  sind  mit  lateinischer  Schrift  in  dem
Text  abgedruckt;  sie  beruhen  auf  §.  74  Zust.  Ges.)

§.  1.  Der  Unternehmer  einer  Entwässerungsanlage  ist  befugt:)  die  Vermittelung
  des  Kreis-  (Stadt-)  Ausschusses  in  Anspruch  zu  nehmen,  wenn  er  sich
darüber  Sicherheit  verschaffen  will,  ob  und  welche  privatrechtliche  Widerspruchsrechte
  oder  Entschädigungsansprüche  stattfinden:

1.  in  Beziehung  auf  die  von  ihm  beabsichtigten  oder  schon  getroffenen  Verfügungen

a)  über  das  abzuleitende  Wasser,
b)  über  die  zu  entwässernden,  ihm  zugehörigen  Grundstücke,
c)  über  denjenigen  Theil,  sowohl  eigener  als  fremder  Grundstücke,  welcher

  zu  den  Wasserleitungen  dienen  soll,

2.  in  Beziehung  auf  die  in  Folge  der  neuen  Anlage  zu  erwartende  oder

schon  eingetretene  Senkung  des  Wasserstandes.

§.  2.  Wer  von  dieser  Befugniß  (§.  1)  Gebrauch  machen  will,  muß  eine
öffentliche  Bekanntmachung  über  die  Entwässerungsanlage,  unter  Einreichung
eines  vollständigen  Situationsplans  und  der  etwa  erforderlichen  Nivellements,
in  welchen  stets  der  höchste  und  der  niedrigste  Wasserstand  anzugeben  ist,  bei
dem  Kreis-  (Stadt-)  Ausschusse,  in  dessen  Kreise  das  zu  entwässeinde  Grundstück
belegen  ist,  in  Antrag  bringen.  "

Ist  das  Grundstück  in  mehreren  Kreisen  gelegen,  so  bestimmt  die  voresetzte
  Behörde  den  Kreis-  (Stadt-)  Ausschuss,  welcher  das  Verfahren  leiten
oll!).

§.  3.  Die  Bekanntmachung  erfolgt:

1.  durch  die  Amtsblätter  der  Regierungsbezirke,  durch  welche  die  Entwässerungsanlage
  sich  erstreckt  und  das  abgeleitete  Wasser  seinen  Lauf
nimmt,  zu  drei  verschiedenen  Malen;

2.  durch  das  Kreisblatt  des  Kreises,  sofern  ein  solches  Blatt  vorhanden
ist,  ebenfalls  zu  drei  Malen;

3.  in  der  Gemeinde,  in  deren  Bezirk  das  zu  entwässernde  Grundstück  liegt,
sowie  in  den  zunächst  angrenzenden  Gemeinden,  durch  Anschlag  an  der
Gemeindestätte  oder  in  der  örtlich  sonst  hergebrachten  Publikationsweise.

Sie  enthält,  mit  Hinweisung  auf  den  im  Geschäftslokal  des  Kreis-  (Stadt.)
Ausschusses  zur  Einsicht  ausgelegten  Plan,  die  Aufforderung:

etwaige  Widerspruchsrechte  und  Entschädigsansprüche  binnen  drei  Monaten,
  vom  Tage  des  Erscheinens  des  ersten  Amtsblattes  an  gerechnet,
bei  dem  Kreis-  (Stadt-)  Ausschusse  anzumelden.

Die  Aufforderung  geschieht  mit  der  Verwarnung,  daß  diejenigen,  welche
sich  binnen  der  bestimmten  Frist  nicht  gemeldet  haben,  in  Betreff  der  Ableitung

1)  Auch  in  den  Bezirken  des  App.  Ger.  Hofes  zu  Köln  und  des  Just.  Sen.  zu
Epbrenbreitstein  für  anwendbar  erklärt  durch  §.  9  Ges.  14.  Juni  1859,  unten  S.  1201;
in  Neu-Vorpommern  und  Rügen  durch  §.  29  Vorfluthsges.  9.  Febr.  1867.

2)  Der  Unternehmer  ist  hierzu  befugt  aber  nicht  verpflichtet.  Die  Polizeibehörde
  hat  daher  das  im  Vorfluthsges.  15.  Nov.  1811  (8§.  16.  u.  flgde.)  geregelte
Berfahren  nur  auf  den  Antrag  des  Unternehmers  anzuordnen.  Ist  ein  solcher  Antrag
nicht  erhoben,  so  kann  die  Polizeibehörde  nur  einschreiten  aus  allgemeinen  polizeilichen
Gründen,  wenn  die  Entwässerung  gemeingefährlich  zu  werden  droht  (A.  L.  R.  II.
17  §F.  10)  oder  wenn  Nachtheil  davon  für  die  Schiffahrt  oder  für  öffentliche  Anlagen
zu  besüschten  ist,  Vorfluthsges.  15.  Nov.  1811  §.  17,  Res.  6.  Aug.  1853  (M.  Bl.

:)  Der  für  das  Beschlußverfahren  bestimmte  Ausschuß  bleibt  auch  für  ein  sich
anschließendes  Verwaltungsstreitverfahren  zuständig,  E.  O.  V.  XVII.  450.