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III. Sicherheitspolizei.
V. Beschlagnahme.
§ 23. Eine Beschlagnahme von Druchschriften ohne richterliche Anordnung
56) findet nur statt:
1. wenn eine Druckschrift den Vorschriften der 88 6 und 7 nicht
entspricht, oder den Vorschriften des § 14 zuwider verbreitet wird,
2. wenn durch eine Druckschrift einem auf Grund des § 15 dieses
Gesetzes erlassenen Verbot zuwider gehandelt wird,
3. wenn der Inhalt einer Druckschrift den Thatbestand einer der
in den §§ 85, 95, 111, 130 oder 184 des deutschen Strafgesetzbuchs
57) mit Strafe bedrohten Handlungen begründet, in den
Fällen der §§ 111 und 130 jedoch nur dann, wenn dringende
Gefahr besteht, daß bei Verzögerung der Beschlagnahme die Aufforderung
oder Anreizung ein Verbrechen oder Vergehen unmittelbar
zur Folge haben werde.
§ 24. Ueber die Bestätigung oder Aufhebung der vorläufigen Beschlagnahme
hat das zuständige Gericht 55) zu entscheiden.
Diese Entscheidung muß von der Staatsanwaltschaft binnen vierundzwanzig
Stunden nach Anordnung der Beschlagnahme beantragt und von
dem Gericht binnen vierundzwanzig Stunden nach Empfang des Antrages
erlassen werden.
Hat die Polizeibehörde die Beschlagnahme ohne Anordnung der
Staatsanwaltschaft verfügt, so muß sie die Absendung der Verhandlungen
an die letztere ohne Verzug und spätestens binnen zwölf Stunden be-[Anm.
55.)
verjähren bereits in 3 Monaten (St G.
§ 67 Abs. 3). — Der Lauf der Verjährungsfrist
beginnt mit der Verbreitung
der Druckschrift RGer. 22. Febr. 80
(Rpr. I 373), 29. Sept. 93 (XXIV
270). Anders bei Straftaten, die erst
in einem späteren Zeitpunkte vollendet
werden (z. B. Erpressung) RGer. 3. April
00 (XXXIII 230). Auf die Unterbrechung
und das Ruhen der Verjährung
findet StGB. § 69 Anwendung.
Bei einer im Auslande erscheinenden
Druckschrift beginnt die Verjährungsfrist
erst mit Verbreitung der Druckschrift im
Deutschen Reich. Ist aber die strafbare
Handlung, die durch den Inhalt der
Druckschrift begangen ist, im Deutschen
Reich gemäß StGB. 8§ 4 verfolgbar, so
beginnt der Lauf der Verjährung schon
mit der Veröffentlichung der Druckschrift
RGer. 23. Febr. 80 (Rspr. 1 374).
56) Durch die Polizei oder die St-Aschaft.
Die Vorschriften der St PO.
finden auf diese Beschlagnahme keine
Anwendung, wohl aber auf eine richterliche
EG. z. StPO. § 5. Eine solche
kann auch außerhalb der Fälle des § 23
von dem Richter angeordnet werden,
wenn ihre gesetzlichen Voraussetzungen
(z. B. St G. § 40, St PO. § 94) vorliegen.
Die Vorschriften des § 23 beziehen
sich sowohl auf periodische als
auch auf nichtperiodische Druckschriften.
57) Anlage A.
56) Die Zuständigkeit bestimmt sich
nach St PO. § 98, 160. Anderer Meinung
Stenglein a. a. O. (Anm. 1 zu
§ 24), der stets die Strafkammer für
zuständig hält. — Die PolBeh. hat
die richterliche Entscheidung über eine
von ihr selbständig angeordnete Beschlagnahme
nicht selbst nachzusuchen,
sondern die Verhandlungen stets an die
StAschaft gemäß Abs. 3 abzugeben.
Den entstandenen Verhandlungen ist
die beschlagnahmte Druckschrift beizufügen.