Volltext : Blätter für Rechtsanwendung. XLVIII. Band. (48)

54  II.  Teil.  Heutige  staatsrechtliche  Stellung  der  Oberlausitz.

Susammensetzung  seiner  Mitglieder  rechnet.  Es  ergiebt  sich  somit  als
Resultat  unserer  Untersuchung:  In  der  Reichsverfassung  wird,  zwar
nicht  ausdrücklich,  wohl  aber  indirekt  ausgesprochen,  daß  die  Mitgliederzahl
  von  25  Staaten  eine  verfassungsrechtlich  notwendige  sei.  Eine
besondere  Succession  in  die  Oberlausitz  erscheint  somit  als  ausgeschlossen,
und  nimmt  nunmehr  die  Oberlausitz  an  allen  Schicksalen  des  Hôönigreiches,
wie  sie  durch  §  I&  der  Sächsischen  Derfassung  geregelt  werden,  Teil.

Diese  Aufhebung  der  bestehenden  Successionsordnung  für  die
Oberlausitz  bedeutet  eine  starke  Reduzierung  ihrer  Sonderstellung.  Sie
hört  damit  auf,  nur  auf  Seit  mit  Sachsen  verbunden  zu  sein,  und  steht
den  übrigen  Landesteilen  nicht  in  der  Weise,  wie  früher,  als  etwas
Besonderes  gegenüber.  Es  könnte  sich  daher  ernstlich  fragen,  ob
meine  Annahme,  daß  eine  Abtretung  der  ÖOberlausitz  der  Sustimmung
  ihrer  Stände  bedürfe,  nicht  auch  dadurch  hinfällig  geworden
sei.  Ein  Argument  für  diese  Annahme  hatte  ich  allerdings  aus  der
besonderen  Successionsordnung  hergeleitet.  Wenn  nun  aber  auch  dieses
Argument  geschwunden  ist,  so  bleibt  doch  das  andere  aus  der  Dertragsmäßigkeit
  der  Rechtsstellung  der  Oberlausitz  hergeleitete,  in  voller
Kraft.  Die  Zechtsstellung  der  Oberlausitz  ist  durch  Dertrag  geschaffen
worden;  dieselbe  kann  auch  nur  im  Wege  des  Kompromisses  mit  den
Oberlausitzer  Ständen  geändert  werden.  Diese  vertragsmäßige  Rechts—
stellung  darf  nicht  durch  einseitigen  Abtretungsakt  von  Sächsischer  Seite
gefährdet  werden.  Die  Gustimmung  der  Hrovinzialstände  ist  daher
auch  heute  noch  zu  einer  Abtretung  notwendig.  Trur  dann  bann  dieselbe
  umgangen  werden,  wenn  bei  dem  Abtretungsvertrage  die  volle
Aufrechterhaltung  der  vertragsmäßigen  Rechtsstellung,  wie  sie  in  der
Urkunde  von  1854  aufgezeichnet  ist,  garantiert  wird.

#s  6.  Schlußfacit.
Der  Uebersicht  halber  wird  es  am  Dlatze  sein,  hier  noch  einmal
die  staatsrechtliche  Sonderstellung  der  Oberlausitz,  soweit  sie  heute  noch