Metadata : Deutschlands Schuld am Weltkriege.

Volkes  werden  wird.  Aus  ihnen  geht  hervor,  daß  die  belgischen  Diplomaten  durchaus
nicht  in  der  deutschen  Politik  den  friedensstörenden  Faktor  sahen.  Ganz  im  Gegenteil
betonen  sie  öfter  die  Friedensliebe  des  Deutschen  Reiches  und  die  zum  Kriege  treibende
Politik  Frankreichs  und  Rußlands.

Die  belgischen  Berichte  bedeuten  eine  Entlastung  von  dem  Vorwurfe  der  kriegerischen
  Politik  Deutschlands  und  eine  laute  Anklage  gegen  das  Geschrei  Über  unsere
Alleinschuld  an  der  Katastrophe.

Schwertfeger  hat  die  Berichte  chronologisch  geordnet  und  l4ßt  die  belgischen
Staatsmänner  in  der  Hauptsache  selbst  sprechen.  So  ist  eine  zusammengedrängte
politische  Geschichte  der  letzten  Jahrzehnte  entstanden,  die  freilich  insofern  einseitig
ist  und  einseitig  sein  muß,  als  sie  die  Dinge  allein  im  Lichte  der  belgischen  Berichterstattung
  sieht  und  alle  anderen  Faktoren  ziemlich  außer  acht  läßt.  Dies  mindert
den  Wert  dieser  Publikation  als  ganzes  nicht,  durch  die  sich  der  bekannte  Schriftsteller
ein  bleibendes  Verdienst  erworben  hat.  Möge  das  Buch  ein  Volksbuch  werden.  Zu
begrüßen  wären  Übersetzungen  namentlich  in  die  Sprachen  der  neutralen  Länder...

Hannoverscher  Kurier  (Nr.  124  vom  15.  3.  1921):

Streng  genommen  ist  der  Versailler  Vertrag  kein  Vertrag,  der  zustande  gekommen
ist  aus  Wünschen,  Forderungen  und  Entgegenkommen  beider  Vertragschließenden.
In  Wahrheit  ist  er  ein  Diktat,  ein  Verdammungsurteil,  ein  Richterspruch,  gefällt  von
den  Klägern  als  Richter,  ja,  schlimmer  als  ein  solcher  einseitiger  Richterspruch,  er  ist
ein  Fehlspruch.  Das  deutsche  Volk,  zu  Unrecht  verurteilt,  muß  alles  in  Bewegung
setzen,  um  im  Wiederaufnahmeverfahren  frei  zu  werden  von  einem  solchen  Fehlspruch,
der  angetan  ist,  auf  Jahrzehnte  hinaus  verheerend  zu  wirken,  sollte  er  bestehen  bleiben.
Die  Londoner  Konferenz  hat  dafür  den  Beweis  erbracht.  Immer  und  immer  wieder
fußen  die  Staatsmänner  des  Verbandes  auf  diesem  Fehlspruch,  obwohl  gerade  aus
ihren  eigenen  Reihen  eine  Fülle  von  Material  geliefert  worden  ist,  das  bei  ehrlichem
Wollen  derjenigen,  die  sich  das  Richteramt  anmaßten,  den  Fehlspruch  ohne  weiteres
in  einen  Freispruch  wandeln  müßte.  Mit  den  Berichten  der  diplomatischen  Vertreter
Belgiens  an  ihre  Regierung  ist  dieses  Material  in  unsere  Hand  gegeben  und  muß  für
uns  zeugen.

Gerade  zur  rechten  Stunde  hat  Oberst  Bernhard  Schwertfeger  in  seinem  neuesten
  Buche  in  gewissenhafter  historischer  Verarbeitung  des  gesamten  belgischen
Materials  ein  Bild  der  deutschen  Politik  von  1871  bis  zum  Ausbruch  des  Weltkrieges
gezeichnet,  ein  Buch,  das  unwiderlegliche  Beweiskraft  besitzt  und  die  ernsthafteste
Beachtung  aller  derjenigen  verdient,  denen  an  einem  neuen  Aufstiege  unseres  mit  der
Versklavung  bedrohten  Volkes  gelegen  ist....

Unsere  Hoffnung  wird  um  so  cher,  um  so  leichter  in  Erfüllung  gehen,  wenn  erst
einmal  im  deutschen  Volke  selbst  nicht  mehr  Hochverräter  ihre  Stimme  erheben
können,  um  die  eigenen  Volksgenossen  beim  Feinde  anzuschwärzen,  und  wenn  auch
ihre  Vorwürfe  noch  so  erstunken  und  erlogen  sind.  Alle  Deutschen,  die  1914  gemeinsam
in  den  Verteidigungskrieg  gegen  die  halbe  Welt  eingetreten  sind,  müssen  in  gleicher
Gemeinschaft  den  Freispruch  betreiben  von  jener  ungeheuren  Schuld,  die  mit  dem  Fehlspruch
  von  Versailles  auf  die  Häupter  aller  Deutschen  geladen  wurde.

Die  Cellesche  Zeitung  schreibt  in  einem  umfassenden  Artikel,  der  sich  über  drei
Nummern  erstreckt  (Nr.  41,  50  u.  51  vom  18.  2.,  I.  und  2.  3.  1921):

Bereits  im  Jahre  1919  erschien  ein  Werk  „Zur  europäischen  Politik.  Unveröffentlichte
  Dokumente  1897—  1914.  Im  amtlichen  Auftrage  herausgegeben  unter  Leitung
von  Bernhard  Schwertfeger‘‘,  4  Bände,  und  dazu  als  Ergänzung  Band  5,  der  die  Zeit
von  1886  bis  1893  umfaßt.  Band  5  enthält  belgische  Gesandtschaftsberichte  aus  Berlin,
Wien.  Paris,  London  und  Petersburg,  die  eine  klare  Schilderung  des  Anwachsens  des
Panslawismus  in  Rußland  und  der  Revanche-Ideen  in  Frankreich  und  der  Bestrebungen,
  die  zur  Gründung  des  Zweibundes  führten,  darbieten.

Die  Bände  1  bis  4  enthalten  in  fortlaufender  Reihe  die  Rundschreiben  des  bel-‚ischen
  Auswärtigen  Amtes,  die  dieses  seit  1897  auf  Grund  der  ihm  zugehenden  verschiedenen
  Gesandtschafts-  und  Konsulatsberichte  aus  europäischen  und  außereuropäischen
  Ländern  seinerseits  an  die  belgischen  Gesandtschaften  ergehen  ließ,  um  sie
über  die  europäische  und  Weltlage  auf  dem  laufenden  zu  erhalten.  Von  neutraler
Warte  aus  sehen  wir  hier  die  Ereignisse  der  europäischen  Geschichte  und  Politik  der
Jahre  1897  bis  1914  an  unserem  Auge  vorübergleiten.  Der  Wert  dieser  Rundschreiben
wird  noch  besonders  dadurch  ein  sehr  hoher,  daß  das  beigische  Auswärtige  Amt  bei  der

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