Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1892. (26)

S

—  675  —

Wenn  für  andere  Waffen  die  in  den  Beschußtafeln  angegebenen  vorschriftsmäßigen
  Ladungen  an  Pulver  oder  Blei  unanwendbar  oder  ungeeignet
sind,  so  hat  der  Einsender  auch  für  solche  Waffen  die  besondere,  der  Waffe
entsprechende  (vorschriftsmäßige)  Ladung  an  Pulver  und  Bilei  schriftlich  anzugeben.


Sollen  Läufe,  welche  Würgebohrung  nicht  haben  und  weder  für  Revolver

noch  für  Terzerole  bestimmt  sind,  auf  Antrag  der  Einsender  nur  einer
einzigen  Beschußprobe  unterworfen  werden,  so  findet  für  diese  Beschußprobe
die  für  das  betreffende  Kaliber  passende  Ladung  der  ersten  Beschußprobe
Anwendung.
Veränderungen.

Waffen,  welche  nach  der  Prüfung  im  Kaliber,  an  den  Verschlüssen  oder
in  den  Patronenlagern  eine  Veränderung  erfahren  haben,  unterliegen  einer
erneuten  Beschußprobe.  Dieselbe  erfolgt  vorbehaltlich  der  Bestimmung  im
Absatz  2  mit  der  unter  Ziffer  3  für  die  Endprobe  vorgeschriebenen  Ladung.
Bei  einer  Veränderung  im  Patronenlager  ist  jedoch  die  dem  Kaliber  des
letzteren  entsprechende  Ladung  zu  Grunde  zu  legen.

Bei  Revolvern  und  Terzerolen  ist  die  für  die  einmalige  Beschußprobe
festgesetzte  Ladung  anzuwenden.

Zustand  der  läufe  vor  den  Beschußproben.

Als  zur  ersten  Beschußprobe  geeignet  sind  die  Läufe,  welche  einer  zweimaligen

  Prüfung  unterliegen,  nur  dann  anzusehen,  wenn  sie  innen  glatt
gebohrt  und  äußerlich  ausschließlich  etwaiger  Gewinde  soweit  fertig  bearbeitet
sind,  wie  es  zum  Anpassen  der  Verschlüsse,  Verschlußeinrichtungen  oder
Patentschwanzschrauben  erforderlich  ist.  Mehrläufe  müssen  zur  Vereinigung
fertig  gestellt  sein,  können  auch  bereits  vereinigt  sein.

Die  Läufe  müssen  ferner  mit  einer  Probeschwanzschraube  (Mutze)  verschlossen
  sein,  welche  ein  mindestens  1  cm  langes  Gewinde  und  einen
gebohrten  Zündkanal  von  nicht  über  1,6  mm  Durchmesser  besitzt.

.  Vor  der  End.  beziehungsweise  einzigen  Beschußprobe  müssen  die  einfachen

und  Mehrläufe  im  Innern  gut  polirt  beziehungsweise  gezogen  und  völlig
rein,  auch  äußerlich  bis  zum  Anbringen  der  Deckungsmittel  (Färbung)
fertig  gestellt,  Mehrläufe  mit  den  Verbindungsschienen  gut  verlöthet  sein.

Die  Läufe  für  Perkussionsgewehre  müssen  außerdem  mit  der  zugehörigen
fertig  gefeilten  Schwanzschraube  und  dem  zugehörigen  Zündkegel  versehen,
die  Schrautengewinde  rein  und  voll  eingeschnitten  sein.

An  den  Läufen  für  Hinterladerwaffen  sollen  die  Verschlüsse  und  Verschlußeinrichtungen
  in  vollkommen  fertig  gefeiltem  Zustande  angebracht  sein.
Die  Läufe  für  Revolver  sollen  außerdem  mit  der  vollständigen  Drehvorrichtung
  und  mit  der  dazu  gehörigen  fertig  gedrehten  und  gefeilten
Patronenlagerwalze  versehen  sein.

105“